Arthrose oberes Sprunggelenk

Arthrose im oberen Sprunggelenk entsteht meist als Folge einer früheren Verletzung oder knöchernen Fehlstellung – nicht durch Alter allein. Das Therapiespektrum reicht von gelenkerhaltenden Eingriffen (Arthroskopie, Osteotomie, Knorpelregeneration) bis zur Arthrodese oder Sprunggelenksendoprothese. Entscheidend ist die genaue Ursachendiagnostik mit DVT und MRT vor jeder Therapieentscheidung.

Inhaltsverzeichnis

Ursache und Krankheitsbild

Das obere Sprunggelenk hat die größte Belastung aller Gelenke des ganzen menschlichen Körpers zu tragen. Es ist auch häufiger verletzt als andere Gelenke. Trotzdem sind Arthrosen des oberen Sprunggelenks seltener als zum Beispiel an Hüfte oder Knie, denn der Knorpelüberzug ist sehr viel widerstandsfähiger und belastbarer.

Kommt es dennoch zur Arthrose des oberen Sprunggelenks, sind die Ursachen oft Unfallfolgen oder Fehlstellung der Knochen mit chronischer Überlastung. Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder deutliches Übergewicht können ebenfalls eine Arthrose des oberen Sprunggelenks verursachen. Nur selten spielt hier das fortgeschrittene Lebensalter der Patienten die Hauptrolle.

Arthrose oberes Sprunggelenk - OSG Prothese oder Versteifung

Meist lösen am Anfang nur größere Belastungen die Arthrose-Beschwerden aus, zum Beispiel Joggen oder Laufen auf unebenem Untergrund. Mit der Zeit wird der Gelenkknorpel immer mehr geschädigt und die Schmerzen treten häufiger und früher auf. Vor allem morgens nach dem Aufstehen kommt es zum typischen Anlaufschmerz. Das obere Sprunggelenk muss sich erst einige Schritte „warmlaufen“ und ist dann häufig geschwollen.

Oft beginnt die Arthrose des oberen Sprunggelenks langsam mit belastungsabhängigen Schmerzen und mit Schwellung. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Bewegungseinschränkung, Knackgeräuschen, Ruheschmerzen und Gelenkblockaden. Durch die immer wiederkehrende Entzündung entstehen Knochensporne (Osteophyten) und das obere Sprunggelenk verliert seine natürliche Form.

Diagnostik bei Arthrose des oberen Sprunggelenks

In unserer Praxis in Berlin-Zehlendorf liefert oft schon das Gespräch mit Dr. Böhr die entscheidenden Hinweise auf eine Arthrose. Dann ist zur besseren Beurteilung des Gelenkknorpels ein MRT erforderlich. Zudem zeigt eine zusätzliche Digitale Volumentomografie entscheidende Informationen über die Ausprägung der knöchernen Veränderungen und kann die Ursache der Arthrose aufdecken. In ausgeprägten Fällen sind Ganzbeinstandaufnahmen (Spezialaufnahme) erforderlich, um die Beinachse und die Gelenkwinkel sicher zu bestimmen.

Oberes Sprunggelenk im MRT
MRT des oberen Sprunggelenks von Dr. Böhr: Noch milde ausgeprägte Arthrose mit ausreichend gut erhaltenem Knorpel und deutlichen Veränderungen der Knochenstuktur direkt unter dem Knorpel. Es beginnt die Ausbildung von Zysten und Sklerose. Bildgebung im Liegen: Es zeigt sich keine relevante Fehlstellung im oberen Sprunggelenk. Im Vergleich hierzu zeigt sich im DVT (nächstes Bild) beim selben Patienten eine deutliche Achsabweichung im oberen Sprunggelenk als Hinweis auf die Ursache der Arthrose. Copyright: Dr. S. Böhr

Wichtigstes Ziel der Diagnostik ist es, die Ursache der Arthrose zu finden. Fehlstellungen der Knochen oder Instabilitäten der Bänder müssen bei der Auswahl der passenden Therapie mit berücksichtigt werden. Sonst ist eine Besserung der Beschwerden nur schwer zu erreichen.

Fehlstellung im oberen Sprunggelenk
Digitale Volumentomografie (DVT) von Dr. Böhr: Selber Patient und selber Bildausschnitt wie im MRT zuvor. Bildgebung unter voller Körperbelastung des oberen Sprunggelenks zeigt den deutlich engeren Gelenkspalt auf der Außenseite des oberen Sprunggelenks (im Bild links oberhalb des blau-roten Kreuzes) als Zeichen der dauerhaften lokalen Überlastung und Knorpelzerstörung. Copyright: Dr. S. Böhr

Konservative Therapie Arthrose oberes Sprunggelenk

Die konservative Arthrosebehandlung am oberen Sprunggelenk beinhaltet spezielle Schuhsohlenzurichtungen mit Abrollhilfe und Pufferabsatz. Feste knöchelübergreifende Schuhe (zum Beispiel hohe Wanderstiefel) können das obere Sprunggelenk zusätzlich stabilisieren und so Linderung verschaffen. Zur kurzfristigen Besserung der Beschwerden werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Zum Erhalt der Beweglichkeit ist Physiotherapie ein wichtiger Baustein der konservativen Arthrosebehandlung am oberen Sprunggelenk.

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In bestimmten Fällen kann die Injektion von Hyaluronsäure ins obere Sprunggelenk die Beschwerden lindern. Ob dies als Therapieoption in Frage kommt, entscheiden wir individuell mit jedem Patienten. Seit 2022 steht für diese spezielle Fragestellung ein neuer Spezialist zu Ihrer Verfügung: Dr. Robert Bunk ist Teamleiter nichtoperative Therapie in unserem Zetrum für Fuß und Sprunggelenk. Als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie hat er viel Erfahrung in der Anwendung von Hylauronsäure und ACP / PRP (Eigenbluttherapie) bei Arthrose des oberen Sprunggelenks. Mit Zusatzausbildungen auf dem Gebiet der Neuraltherapie und der Akupunktur stehen Dr. Bunk weitere konservative Therapiemaßnahmen für Sie zur Verfügung.

Operative Therapie mit Gelenkerhalt bei Arthrose des oberen Sprunggelenks

Knorpelregenerative Therapie bei Arthrose des oberen Sprunggelenks

Im Anfangsstadium der Arthrose mit einzelnen, begrenzten Knorpeldefekten können knorpelregenerative Verfahren in Frage kommen – vorausgesetzt, das Patientenalter und die Befundsituation lassen dies zu. Ziel ist es, an der Defektstelle neues Gewebe wachsen zu lassen und so größere Eingriffe hinauszuzögern. Die Nachbehandlung ist aufwendig und langwierig, da Knorpel nur sehr langsam neu gebildet wird.

» Knorpelchirurgie am Sprunggelenk: Verfahren, Ablauf & Nachbehandlung

Arthroskopie des oberen Sprunggelenks bei Arthrose

Bei gering ausgeprägter OSG-Arthrose mit noch ausreichendem Gelenkspalt kann eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) helfen: Knochensporne werden abgetragen, eingeklemmte Weichteile befreit. Es handelt sich um eine gelenkerhaltende Übergangslösung – keine Heilung der Arthrose, aber oft eine deutliche Beschwerdebesserung für mehrere Jahre, ohne Implantate und mit kurzer Nachbehandlung.

» Arthroskopie des oberen Sprunggelenks: Ablauf, Technik & Nachbehandlung

Supramalleolare Osteotomie

Bei ausgeprägter Arthrose in nur einem begrenzten Teil des oberen Sprunggelenks kann eine Achsenkorrektur (supramalleolare Osteotomie) in Frage kommen. Dabei wird die mechanische Belastung der Knochen am Sprunggelenk verändert. Der gesündere Teil des oberen Sprunggelenks übernimmt dann mehr Belastung – der Teil mit ausgeprägter Arthrose weniger Belastung.

Patientenspezifische 3D Planung

Um die Risiken für unsere Patienten zu minimieren, nutzen wir bei supramalleolaren Osteotomien ein patientenspezifisches System (ActiveMotion PSI, Fa. Newclip). Die notwendige Knochenverschiebung wird vorher am Computer dreidimensional exakt geplant. Für jeden Patienten wird individuell im 3D Drucker eine Schablone hergestellt, die ausschließlich auf den Knochen dieses einen Patienten passt.

supramalleolare Osteotomie
Supramalleolare Osteotomie mit winkelstabiler Platte (Imlantat: Fa. Newclip, DTO)

Keypoints supramalleolare Osteotomie

Klinik: 3-5 Tage stationär
Implantat: winkelstabile Platte und Zugschraube
Stabilität: übungsstabil
Nachbehandlung: Gehstützen und Longwalker
Dauer der Nachbehandlung: 8 Wochen Teilbelastung
Materialentfernung: häufig, nach 12-18 Monaten

Arthrodese (Versteifung) und Endoprothese (Gelenkersatz) bei Arthrose des oberen Sprunggelenks

Ist das obere Sprunggelenk durch die Arthrose bereits weit fortgeschritten zerstört, kommt entweder eine Versteifung (Arthrodese) oder ein künstlicher Gelenkersatz (Sprunggelenksendoprothese) in Frage. Beide Verfahren ermöglichen eine deutliche Schmerzreduktion – unterscheiden sich aber in Risikoprofil, Einschränkungen und der Frage, für welche Patienten sie besser geeignet sind.

Langfristig zeigen beide Verfahren in Studien vergleichbare Ergebnisse bei Schmerzreduktion und Alltagsbelastbarkeit. Die Arthrodese ist stabiler, hat niedrigere Revisionsraten und eignet sich besser für jüngere, körperlich aktive Patienten sowie Schwerstarbeiter.

» OSG-Arthrodese: Implantate, Ablauf & Nachbehandlung im Detail

Die Endoprothese erhält die noch vorhandene Rest-Beweglichkeit und ist bei Rheumapatienten oder bereits bestehender Anschlussdegeneration der benachbarten Gelenke die bessere Wahl. Die Entscheidung fällt immer individuell – nach ausführlicher Diagnostik und im persönlichen Gespräch mit Dr. Böhr.

» OSG-Prothese: Implantat, Ablauf & Nachbehandlung im Detail

Häufige Fragen zur Arthrose im oberen Sprunggelenk

Kann Arthrose im oberen Sprunggelenk von selbst besser werden?

Nein. Einmal entstandener Knorpelschaden bildet sich nicht zurück. Mit der richtigen konservativen Therapie – Schuhversorgung, Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente – lassen sich die Beschwerden aber oft über längere Zeit kontrollieren. Entscheidend ist, die Ursache zu kennen und mitzubehandeln: Eine unbehandelte Fehlstellung oder Instabilität wird die Arthrose weiter vorantreiben.

Was ist besser – Versteifung oder Prothese am oberen Sprunggelenk?

Langfristig zeigen beide Verfahren in Studien vergleichbare Ergebnisse bei Schmerzreduktion und sportlicher Aktivität. Die Arthrodese ist stabiler, hat niedrigere Revisionsraten und eignet sich besser für jüngere, körperlich aktive Patienten sowie Schwerstarbeiter. Die Endoprothese erhält die Beweglichkeit, ist aber bei Rheumapatienten und bei bereits bestehender Anschlussdegeneration der benachbarten Gelenke die bessere Wahl. Die Entscheidung fällt individuell nach ausführlicher Diagnostik. Mehr dazu: Versteifung oder Prothese? Entscheidungshilfe

Wann ist eine Arthroskopie bei OSG-Arthrose sinnvoll?

Eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks kommt in Frage, wenn der Gelenkspalt im Röntgen noch mindestens 2 mm breit ist und die Beschwerden vor allem durch Knochensporne (Osteophyten) oder eingeklemmte Weichteile verursacht werden. Sie ist eine gelenkerhaltende Übergangslösung – keine Heilung der Arthrose, aber oft eine deutliche Beschwerdebesserung für mehrere Jahre.

Wie lange bin ich nach einer Sprunggelenksversteifung arbeitsunfähig?

Bei überwiegend sitzenden Tätigkeiten ist nach 6–8 Wochen eine Rückkehr in angepasster Form möglich. Bei körperlich belastenden Berufen sollten mindestens 3–4 Monate eingeplant werden. Die vollständige Belastbarkeit im Alltag und bei Sport wird frühestens nach 12 Wochen freigegeben. Dr. Böhr bespricht die individuelle Ausfallzeit beim Aufklärungsgespräch.

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Fazit – OSG-Arthrose konsequent und ursachenorientiert behandeln

Arthrose im oberen Sprunggelenk ist eine ernste Erkrankung – aber mit dem richtigen Vorgehen sind Schmerzfreiheit und gute Alltagsbelastbarkeit erreichbar. Der entscheidende Unterschied zu Knie- oder Hüftarthrose: Hier ist fast immer eine spezifische Ursache vorhanden, die diagnostiziert und mitbehandelt werden muss. Wer nur die Schmerzen behandelt, ohne Fehlstellung oder Instabilität zu korrigieren, wird langfristig keinen Erfolg haben.

Das operative Spektrum bei OSG-Arthrose ist breit – von der minimalinvasiven Arthroskopie bis zur patientenindividuell geplanten Endoprothese. Im Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin-Zehlendorf nutzen wir für die Operationsplanung die dreidimensionale DVT-Bildgebung und patientenspezifische 3D-Druckschablonen, um für jeden Patienten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dr. Böhr führt alle Eingriffe persönlich durch – stationär in der Klinik Sanssouci Potsdam.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026