Arthrose der Großzehe (Hallux Rigidus)
Kurz zusammengefasst:
Hallux Rigidus ist Arthrose im Großzehengrundgelenk – die häufigste Fußarthrose überhaupt. Je früher die Diagnose, desto mehr gelenkerhaltende Optionen stehen zur Verfügung: von der Cheilektomie bis zur Youngswick-Osteotomie. Bei fortgeschrittener Arthrose ist die Versteifung (Arthrodese) der zuverlässige Weg zurück zur Schmerzfreiheit.
Inhaltsverzeichnis
- Ursache und Krankheitsbild
- Hallux Rigidus – Begriffserklärung und Synonyme
- Habe ich Arthrose im Großzehengrundgelenk? Was sind die typischen Beschwerden?
- Diagnostik bei Hallux Rigidus
- Hallux Rigidus – wie schlimm ist es bei mir?
- Therapie bei Arthrose der Großzehe
- Arthrose an Fuß & Sprunggelenk – alle Themen im Überblick
- Fazit – Hallux Rigidus rechtzeitig behandeln
Ursache und Krankheitsbild
Der Gelenkverschleiß des Großzehengrundgelenks (Arthrose der Großzehe, Hallux Rigidus) ist ein häufiges Problem: mehr als 30% der Patienten über 50 Jahre sind betroffen. Ursache ist die zunehmende Abnutzung und Zerstörung des Gelenkknorpels. Dabei stehen Schmerzen und Bewegungseinschränkung sowie wiederkehrende Entzündung bei Belastung im Vordergrund.
Das Abrollen des Fußes ist bei Arthrose deutlich erschwert, denn die Großzehe trägt dabei bis zu 50% des Körpergewichts. Bei sportlichen Belastungen, wie Rennen oder Springen, kann sich diese Belastung sogar noch um ein Vielfaches steigern! Viele Patienten erlernen daher über Jahre unbewusst Ausweichbewegungen und verlagern dadurch die Belastung auf anderen Strukturen wie den Fußaußenrand, was dann wiederum zu Folgeproblemen führt.

Hallux Rigidus – Begriffserklärung und Synonyme
Der Begriff Hallux Rigidus bedeutet „steife Großzehe“ und bezieht sich auf die stark eingeschränkte Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks bei Arthrose. Da Hallux Rigidus eine sehr häufige Erkrankung ist, sind mehrere synonyme Begriffe im Gebrauch: Hallux Limitus, Hallux Dolorosus oder Hallux Malleus. Alle Begriffe beschreiben dieselbe Erkrankung: Arthrose des Großzehengrundgelenks. Der Begriff Hallux Limitus („eingeschränkte Großzehe“) wird dabei auch zur Beschreibung einer milderen Ausprägung des Hallux Rigidus genutzt.
Begriffe mit fast identischer Bedeutung:
Osteochondrose im Großzehengrundgelenk
Arthrose im Großzehengrundgelenk
Hallux Rigidus
Hallux Limitus
Hallux Dolorosus
Hallux Malleus
Habe ich Arthrose im Großzehengrundgelenk? Was sind die typischen Beschwerden?
Die typischen Symptome bei Hallux Rigidus (Arthrose im Großzehengrundgelenk) sind Schmerzen beim Laufen zusammen mit Schwellung und Entzündung sowie reduzierte Beweglichkeit der Großzehe. Besonders eingeschränkt ist die Bewegung der Großzehe vom Boden weg (Dorsalextension). Dadurch wird das Abrollen beim Laufen zunehmend schmerzhaft und beschwerlich.
Einige Patienten bemerken als erstes Symptom, dass es immer schwieriger wird, passende Schuhe zu finden. Das Großzehengrundgelenk benötigt mit zunehmender Arthrose immer mehr Platz im Schuh. Dadurch kommt es vor allem auf der Oberseite zum Schuhkonflikt. In manchen Fällen steht das Gelenk auf der Innenseite des Großzehengrundgelenks so prominent hervor, dass es für Patienten und ungeübte Untersucher aussieht wie ein Hallux Valgus.
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Diagnostik bei Hallux Rigidus
Die Beschwerden bei Arthrose im Großzehengrundgelenk sind auch für viele Patienten leicht zu erkennen. Die Aussage: „Ich hab´ Arthrose an der Großzehe – was machen wir denn jetzt?“ hören wir oft bereits zu Beginn des ersten Termins.
Bei der ärztlichen Untersuchung zeigt sich ein schmerzhaftes vergrößertes Gelenk mit eingeschränkter Beweglichkeit. Zur Abklärung von Ursache und Ausprägung der Erkrankung werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Ultraschalluntersuchung zeigt das Ausmaß der Gelenkentzündung, die dynamische Pedobarografie die Auswirkungen auf das Gangbild und die Röntgendiagnostik die eingetretenen Veränderungen am Knochen.
Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir zur Röntgendiagnostik die Digitale Volumentomografie (DVT). Durch die dreidimensionale Darstellung der Knochen und die hohe Ortsauflösung kann so eine zielgerichtete Therapie geplant werden.

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Die Magnetresonsanztomografie (MRT) gehört bei Arthrose im Großzehengrundgelenk nicht zum Standardvorgehen. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen sich aus der Kombination von MRT und DVT die entscheidenden Informationen für die optimale Therapieplanunung ergeben. Insbesondere bei noch milde ausgeprägter Arthrose kann dies der Fall sein. Häufiges Beispiel sind jüngere Patienten (in diesem speziellen Zusammenhang bedeutet „jünger“: jünger als 50 Jahre) mit Verdacht auf isolierte Schädigung des Knorpels oder Patienten jeden Alters mit deutlicher Verschlechterung der Beschwerden nach einem Unfall.

Bei entsprechendem Verdacht können durch ein ausführliches Patientengespräch und ergänzende Untersuchungen Ursachen wie Gicht (Podagra), Rheumatoide Arthritis oder Seronegative Spondylarthropathie aufgespürt werden.
Steht bereits ein operativer Eingriff im Raum, sollten zusätzlich die Duplexsonografie der Gefäße und eine orientierende neurologische Untersuchung erfolgen.
Hallux Rigidus – wie schlimm ist es bei mir?
Bei der Beschreibung der Arthrose im Großzehengrundgelenk orientieren wir uns im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk an der Klassifikation von Coughlin und Shurnas (Coughlin MJ, Shurnas PS, JBJS Am, 2003). Hierbei wird von Stadium 0 (Beginn der Erkrankung) bis Stadium 4 (sehr schwer ausgeprägte Arthrose im Großzehengrundgelenk) unterschieden.
Zu Beginn der Arthrose im Großzehengrundgelenk entstehen Schmerzen nur nach sehr langen Wegstrecken. Die Beweglichkeit ist nur gering und oft für Patienten unmerklich eingeschränkt. Liegen bereits Röntgenbilder vor, sind keine oder nur minimale Veränderungen nachweisbar. (Stadium 0).
Im Stadium 1 klagen die Patienten wiederkehrende milde Schmerzen bei Belastung und ein Gefühl der „Steifigkeit“ im Großzehengrundgelenk (durch die wiederkehrende Gelenkentzündung). Die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk ist im Vergleich zur gesunden Seite eingeschränkt und im Röntgen / DVT sieht man den typischen dorsalen Knochenhöcker (Osteophyt).
Schreitet die Erkrankung weiter fort, bilden sich zusätzlich auch auf der Innen- und Außenseite des Großzehengrundgelenks Osteophyten (knöcherne Ausziehungen). Die Schädigung des Gelenkknorpels ist nun auch im Röntgenbild deutlich sichtbar. Die Patienten beschreiben Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk in alltäglichen Situationen (Stadium 2).
Im Stadium 3 bestehen die Schmerzen im Großzehengrundgelenk oft dauerhaft und es zeigt sich eine ganz erhebliche schmerzhafte Bewegungseinschränkung. Im Röntgen / DVT sind mehr als 25% der Gelenkfläche schwer von der Arthrose betroffen.
Bei sehr ausgeprägter Arthrose im Großzehengrundgelenk (Stadium 4) ist der Zeh wackelsteif und Schmerzen entstehen bei der Untersuchung sogar in Neutralposition (midrange of motion). Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Gelenkknorpel großflächig und unwiederbringlich geschädigt ist.
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Copyright: Dr. Stefan Böhr
Therapie bei Arthrose der Großzehe
Nach Diagnosestellung ist fast immer zunächst die funktionell-konservative Therapie angezeigt. Diese umfasst spezielle Einlagen, Schuhzurichtungen, entzündungshemmende Medikamente, physikalische Maßnahmen und Physiotherapie. Ziel aller Maßnahmen ist es, das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen und schmerzfreies Laufen zu ermöglichen. Arthrose im Großzehengrundgelenk kann nicht rückgängig gemacht werden – ab einem bestimmten Grad der Abnutzung erreichen konservative Maßnahmen jedoch keine ausreichende Schmerzlinderung mehr. Dann kann eine Operation helfen, die Belastbarkeit der Großzehe wiederherzustellen.
Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt direkt vom Stadium der Arthrose ab. Bei leichter bis mittelgradiger Arthrose (Stadium 1–2) kommen gelenkerhaltende Eingriffe in Frage: die Cheilektomie zur Mobilisierung und Glättung des Gelenks, die Youngswick-Osteotomie zur Entlastung des Großzehengrundgelenks, oft ergänzt durch eine Moberg-Osteotomie am Grundglied für ein optimales Abrollverhalten.
Bei fortgeschrittener Arthrose (Stadium 3–4) ist die Arthrodese (Versteifung) des Großzehengrundgelenks der zuverlässigste Weg zurück zur Schmerzfreiheit – mit in der Mehrzahl der Fälle sehr guten Langzeitergebnissen. Das Cartiva-Implantat als gelenkerhaltende Alternative wird von uns seit der BfArM-Sicherheitswarnung vom Oktober 2024 nicht mehr eingesetzt.
» Hallux-Rigidus-OP: Verfahren, Ablauf & Nachbehandlung im Detail
Arthrose an Fuß & Sprunggelenk – alle Themen im Überblick
Zur Übersicht
Krankheitsbilder
Therapie & Eingriffe
- Hyaluronsäure an Fuß & Sprunggelenk
- PRP / ACP – Eigenbluttherapie bei Arthrose
- Alle Operationsmethoden bei Hallux Rigidus im Überblick
- Knorpeltransplantation an Fuß & Sprunggelenk
Ratgeber & Erfahrungen
- Arthrosebehandlung an Fuß & Sprunggelenk
- Versteifung oder Prothese? Entscheidungshilfe
- Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose – sinnvoll?
- Cartiva-Implantat – aktueller Stand
- Erfahrungsberichte Hallux Rigidus
Fazit – Hallux Rigidus rechtzeitig behandeln
Arthrose im Großzehengrundgelenk ist weit verbreitet und gut behandelbar – wenn die richtige Therapie zur richtigen Zeit gewählt wird. Entscheidend ist die genaue Stadienbestimmung: Eine Cheilektomie im Stadium 1–2 erzielt exzellente Ergebnisse, im Stadium 4 ist sie nicht mehr sinnvoll. Wer zu lange wartet, schränkt seine Optionen ein.
Die Versteifung des Großzehengrundgelenks hat bei vielen Patienten einen schlechten Ruf – zu Unrecht. Die meisten Operierten sind überrascht, wie wenige Einschränkungen im Alltag tatsächlich bleiben, und berichten über einen deutlichen Gewinn an Mobilität und Lebensqualität, weil der chronische Schmerz endlich weg ist.
Im Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin-Zehlendorf erstellen wir für jeden Patienten mit Hallux Rigidus eine individuelle Therapieempfehlung – auf Basis der DVT-Bildgebung und einer ausführlichen klinischen Untersuchung. Dr. Böhr führt alle operativen Eingriffe persönlich durch. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Privatpraxis
Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: April 2026