Haglund-Syndrom OP

Kurzantwort: Beim Haglund-Syndrom kommen zwei operative Verfahren in Frage: die offene Operation mit Ablösung der Achillessehne – geeignet bei Verkalkungen und starker Sehnenschädigung – und die arthroskopische Kalkaneoplastik in Schlüssellochtechnik mit deutlich kürzerer Nachbehandlung. Welche Methode passt, hängt vom MRT-Befund und einer retroachillären Testinfiltration ab. Voraussetzung für jede OP ist eine vollständige konservative Vorbehandlung.

Inhaltsverzeichnis

Zeigt sich beim Haglund Syndrom trotz intensiver funktionell-konservativer Therapie keine ausreichende Besserung, kann eine Operation in Frage kommen. Vorher sollten jedoch überprüft werden, ob eine ausführliche Ursachenabklärung mit DVT, MRT, Pedobarografie und hochauflösendem Ultraschall erfolgt ist.

So kann ein zielgerichtetes Therapiekonzept erarbeitet werden das üblicherweise mindestens angepasste Schuhwahl und Fersenweichbettung, Kinesiotape, Physiotherapie und eine Kombination aus radialer und fokussierter Stoßwellentherapie enthält. Auch eine Serie von ultraschallgesteuerten Injektionen kann dazu gehören.

Ist eine Operation unumgänglich, muss der behandelnde Spezialist für Fuß und Sprunggelenkchirurgie entscheiden, welche OP-Methode in Frage kommt. Dabei wird vor allem zwischen arthroskopischer und offener Operation unterschieden. Dann sollte eine ausführliche Patienteninformation erfolgen, welche Art von Operation genau geplant ist und wie die Nachbehandlung aussieht. Je nachdem ob offen oder arthroskopisch operiert wird, kann sich die Nachbehandlung erheblich unterscheiden!

Halgund Ferse / dorsaler Fersensporn vor OP
DVT Bilder von Dr. Böhr: Haglund Syndrom mit kräftiger Kalkeinlagerung innerhalb der Achillessehe (dorsaler Fersensporn) und Haglund Exostose ohne Besserung unter intensiver funktionell-konservativer Therapie über mehrere Wochen. Bildgebung zur OP Planung.

Offene Operation mit Ablösung der Achillessehne

Bei der klassischen offenen Operation des Haglund Syndroms wird zu Beginn ein Teil der Achillessehne vom Fersenbein abgelöst. Unter Lupenbrillenvergrößerung werden danach überschüssiger Knochen, Kalkeinlagerungen und entzündetes Gewebe entfernt und abschließend die Achillessehne über Knochenanker wieder am Fersenbein befestigt.

Warum muss bei diesem Eingriff die Achillessehne abgelöst werden?

Oft kommt es beim Haglund Syndrom zusätzlich zu Verkalkungen innerhalb der Achillessehne und zu knöchernen Verdickungen rund um den Achillessehnenansatz am Fersenbein. Um möglichst viel krankhaftes Gewebe abtragen zu können, muss die Achillessehne in diesen Bereichen vom Fersenbein abgelöst werden. Ferse und Achillessehnenansatz sind dadurch nach der Operation oft deutlich schmäler und die Schmerzen im Schuh verschwinden.

Wie wird bei der OP die Achillessehne wieder am Fersenbein befestigt?

Wir nutzen im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk konsequent die double-row Technik mit Knochenankern. Hier hat sich in mehreren Studien eine enorme Reißfestigkeit gezeigt, so dass in unserem Nachbehandlungskonzept früher mit der Belastung der operierten Ferse begonnen werden kann.

Haglund Syndrom nach der Operation
Operation von Dr.Böhr: selber Patient, selber Fuß und selbe Einstellung wie im Bild davor. Dorsaler Fersensporn und Haglund Exostose vollständig abgetragen. Die Knochenanker in double-row Technik sind als Aussparung des Fersenknochens sichtbar.

Haglund Syndrom mit stark geschädigter Achillessehne

Besteht das Haglund Syndrom über sehr lange Zeit, wird die Achillessehne durch den mechanischen Druck und die wiederkehrende Entzündung dauerhaft geschädigt. Die einzelnen Fasern „fransen aus“ und die Achillessehne verliert große Teile ihrer Reißfestigkeit.

Zeigt sich bei der Operation, dass bereits mehr als die Hälfte der Achillessehne stark angegriffen ist, sollte die Achillessehne zusätzlich verstärkt werden (Hörterer H. et al., FuSpru, 2019).

In dieser Situation nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die etablierte Technik des FHL Transfer. Dabei wird die FHL Sehne direkt hinter der Achillessehne im Fersenbein verankert und verstärkt so dauerhaft die Plantarflexion – die Hauptaufgabe der Achillessehne (Hunt KJ. et al., FAI 2015).

Arthroskopische Operation bei Haglund Syndrom

Für einen Teil der Patienten mit Haglund Syndrom kommt die arthroskopische Therapie in Frage. Dabei werden nur wenige sehr kleine Hautschnitte genutzt und die Operation kann in Schlüssellochtechnik erfolgen (arthroskopische Kalkaneoplastik).

Damit die arthroskopische Kalkaneoplastik Erfolg haben kann, dürfen keine größeren Verkalkungen in der Achillessehne vorhanden sein (keine intratendinösen Pathologie). Im Zweifel sollte eine retroachilläre Testinfiltration durchgeführt werden. Das bedeutet, dass der behandelnde Arzt ein hochwirksames Schmerzmittel gezielt zwischen Achillessehne und Haglund-Exostose spritzt. Zeigt sich damit eine vollständige oder fast vollständige Besserung der Beschwerden, kann die arthroskopische Therapie des Haglund Syndroms als sehr gute Alternative zur offenen Operation in Betracht gezogen werden.

Denn dann entstehen die geklagten Beschwerden hauptsächlich durch den Knochenvorsprung am Fersenbein (Haglund-Exostose) und den Schleimbeutel zwischen Haglund-Exostose und Achillessehne (Bursitis subachillae). Für die Operation selbst bedeutet dies, dass die Achillessehne nicht vom Fersenbein abgelöst werden muss. Das hat für die Patienten den großen Vorteil, dass die Nachbehandlung sehr viel schneller geht!

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Häufige Fragen: Operation beim Haglund-Syndrom

Wann ist beim Haglund-Syndrom eine Operation notwendig?

Eine Operation kommt in Frage, wenn trotz konsequenter konservativer Therapie über mehrere Monate keine ausreichende Besserung eintritt. Voraussetzung ist, dass zuvor eine vollständige Diagnostik mit DVT, MRT, Pedobarografie und hochauflösendem Ultraschall erfolgt ist und ein gezieltes Therapiekonzept – inklusive Schuhversorgung, Kinesiotape, Physiotherapie und fokussierter Stoßwellentherapie – konsequent umgesetzt wurde.

Was ist der Unterschied zwischen offener und arthroskopischer Haglund-OP?

Bei der offenen Operation wird die Achillessehne vom Fersenbein abgelöst, um Knochen, Kalkeinlagerungen und entzündetes Gewebe vollständig zu entfernen. Die Sehne wird anschließend mit Knochenankern in double-row-Technik neu befestigt. Die arthroskopische Kalkaneoplastik erfolgt in Schlüssellochtechnik über sehr kleine Hautschnitte – die Achillessehne muss dabei nicht abgelöst werden. Das ermöglicht eine deutlich schnellere Nachbehandlung, setzt aber voraus, dass keine Verkalkungen innerhalb der Achillessehne vorliegen.

Woran erkennt man, ob die arthroskopische Methode geeignet ist?

Entscheidend ist das MRT: Liegen keine relevanten Verkalkungen innerhalb der Achillessehne vor, kommt die arthroskopische Methode in Frage. Im Zweifel hilft eine retroachilläre Testinfiltration: Wird dabei ein hochwirksames Schmerzmittel gezielt zwischen Achillessehne und Haglund-Exostose gespritzt und die Beschwerden bessern sich vollständig oder fast vollständig, stammen die Schmerzen hauptsächlich vom Knochenvorsprung und dem Schleimbeutel – ein gutes Zeichen für den arthroskopischen Eingriff.

Was ist ein FHL-Transfer und wann wird er beim Haglund-Syndrom eingesetzt?

Wenn bei der Operation festgestellt wird, dass mehr als die Hälfte der Achillessehne stark geschädigt ist, reicht eine Reinigung und Refixation allein nicht aus. In diesem Fall wird die Achillessehne mit einem FHL-Transfer verstärkt: Die Flexor-hallucis-longus-Sehne wird hinter der Achillessehne im Fersenbein verankert und unterstützt dauerhaft die Plantarflexion. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir hierfür die Short-harvest-Variante.

Wie lange dauert die Nachbehandlung nach der Haglund-OP?

Das hängt wesentlich von der gewählten Operationsmethode ab. Nach der arthroskopischen Kalkaneoplastik ist die Nachbehandlung deutlich kürzer als nach der offenen OP mit Achillessehnenablösung. Bei der offenen Methode – besonders wenn zusätzlich ein FHL-Transfer durchgeführt wurde – ist eine mehrmonatige schrittweise Belastungssteigerung notwendig. Die double-row-Verankerungstechnik ermöglicht dabei einen frühzeitigeren Belastungsbeginn als ältere Fixationsmethoden.

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Fazit

Die Wahl zwischen offener und arthroskopischer Operation beim Haglund-Syndrom ist keine Frage der Präferenz, sondern des Befunds. Wer eine vollständige Diagnostik erhält, ein konsequentes konservatives Therapiekonzept durchläuft und dann gezielt operiert wird, hat sehr gute Chancen auf ein dauerhaft schmerzfreies Ergebnis. Entscheidend ist die Erfahrung des Operateurs – sowohl bei der Indikationsstellung als auch bei der Ausführung komplexer Techniken wie dem FHL-Transfer.

Quellen:

  • Hörterer H. et al., FuSpru, 2019
  • Hunt KJ. et al., Foot Ankle Int, 2015

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026