Erneute Ruptur der Achillessehne – Therapiestrategie

Kurzantwort: Eine erneute Ruptur derselben Achillessehne (Reruptur) tritt bei etwa 6% aller modern behandelten Achillessehnenrisse auf – bei veralteter Immobilisierung mit Gips sogar bei 12%. Wichtigster Risikofaktor ist die Qualität der Nachbehandlung. Bei einer Reruptur ist eine offene Operation immer erforderlich: perkutane Naht und konservative Therapie scheiden aus, weil zwingend ein Substanzdefekt überbrückt werden muss.

Wie entsteht eine Reruptur – und wer ist besonders gefährdet?

Eine Reruptur der Achillessehne entsteht fast nie zufällig. In den meisten Fällen gibt es eine oder mehrere der folgenden Ursachen:

  • Zu frühe oder zu intensive Belastung: Die häufigste Ursache. Wer nach einer Achillessehnenruptur zu früh in den Sport zurückkehrt oder die Belastungssteigerung in der Nachbehandlung zu aggressiv gestaltet, überfordert das noch nicht vollständig ausgeheilte Sehnengewebe.
  • Veraltete Nachbehandlung mit Gipsruhigstellung: Starre Immobilisierung über 6–8 Wochen verdoppelt das Rerupturrisiko im Vergleich zur modernen funktionell-konservativen Nachbehandlung – unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht.
  • Cortisoninjektionen: Sowohl vor als auch nach der ersten Ruptur schwächen Cortisoninjektionen das Sehnengewebe strukturell. Patienten mit mehrfachen Vorinjektionen haben ein deutlich erhöhtes Rerupturrisiko.
  • Unerkannte Vorschädigung: Hat vor der ersten Ruptur eine ausgeprägte Achillodynie oder ein Haglund-Syndrom bestanden, ist die Sehnenqualität von Beginn an schlechter. Das erhöht sowohl das Risiko der ersten als auch einer erneuten Ruptur.
  • Unvollständige Ersttherapie: Eine Ruptur, die ohne ausreichende Diagnostik und ohne spezialisierte Nachbehandlung versorgt wurde, heilt häufig mit minderwertigem Narbengewebe aus – das bei erneuter Belastung nachgibt.

Besonders gefährdet sind Patienten über 60 Jahren, Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Gicht sowie Patienten, die Gyrasehemmer (chinolonhaltige Antibiotika wie Ciprofloxacin) eingenommen haben – diese Medikamente schwächen das Sehnengewebe nachweislich.

Auf die Nachbehandlung kommt es an!

Alle Verfahren zur Therapie einer Achillessehnenruptur werden danach beurteilt, wie häufig schwere Komplikationen auftreten. Die erneute Ruptur nach bereits verheiltem Achillessehnenriss (Reruptur der Achillessehne) ist ein großes Problem und tritt bei etwa 6% aller modern behandelten Achillessehnenrisse auf (Zwipp H. & Rammelt S., Tscherne Unfallchirurgie: Fuß, 2014). Wichtigster Risikofaktor für eine Reruptur ist die Nachbehandlung der Patienten – egal ob mit oder ohne Operation.

Ausnahme: bei einer Nachbehandlung mit der herkömmlichen konservativ – immobilisierenden Therapie (fester Gips oder Cast über 6-8 Wochen) steigt Wahrscheinlichkeit einer erneuten Achillessehnenruptur auf durchschnittlich 12% an (Lo I.K. et al., Clin J Sports Med, 1997). Wird also nach dem „alten Schema“ nachbehandelt, sind erneute Rupturen der Achillessehne etwa doppelt so häufig wie mit der modernen funktionell-konservativen Nachbehandlung – egal ob mit Operation oder ohne.

Was also tun bei erneutem Achillessehnenriss

Tritt nach abgeschlossener Behandlung ein erneuter Riss derselben Achillessehne auf, muss zunächst mit der Diagnostik begonnen werden. Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung und der Ultraschalldiagnostik ist hier zwingend ein MRT erforderlich. Nur so kann das Ausmaß der Degeneration und Narbenbildung der Achillessehne sicher beurteilt werden.

Die Auswahl des Therapieverfahrens richtet sich nach denselben Kriterien wie für alle anderen Achillessehnenrisse. Die Behandlung ohne Operation und die Operation mittels perkutaner Naht kommen in dieser Situation aber nicht mehr in Frage. Denn bei einer erneuten Ruptur müssen die auseinandergerissenen Sehnenenden angefrischt und zum Teil entfernt werden – das bedeutet es geht in jedem Fall ein Teil der Länge der Achillessehne verloren. Dieser Substanzdefekt muss bei einer offenen Operation wiederhergestellt werden.

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Welche Operationsverfahren kommen bei Reruptur in Frage?

Bei einer Reruptur scheidet die konservative Therapie und die perkutane Naht grundsätzlich aus – die Sehnenenden müssen angefrischt werden, was zwangsläufig zu einem Substanzdefekt führt. Die Wahl des Operationsverfahrens richtet sich nach der Länge dieses Defekts, die das MRT präoperativ zuverlässig bestimmt:

  • Defekte bis 2 cm: Verlängerungsplastiken wie die Faszienkerbung am Unterschenkel (Strayer-OP), Verlängerung nach Hooke oder Verstärkung durch den Plantarismuskel können den Defekt oft überbrücken.
  • Defekte von 2–5 cm: Griffelschachtelplastik, VY-Plastik oder Umkippplastik – auch in Kombination. Diese Verfahren verlängern die Achillessehne durch plastische Umformung des vorhandenen Gewebes.
  • Defekte ab 5 cm: Eine Sehnenersatzplastik ist notwendig. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir hierfür den bewährten FHL-Transfer in der Short-harvest-Variante: Die Flexor-hallucis-longus-Sehne wird direkt hinter der Achillessehne im Fersenbein mit einer Tenodeseschraube verankert und übernimmt dauerhaft einen Teil der Plantarflexionskraft. Der Kraftverlust der großen Zehe ist bei korrekter Ausführung im Alltag kaum spürbar.

Die Entscheidung über das Verfahren trifft Dr. Böhr nach sorgfältiger Analyse des MRT-Befunds und des intraoperativen Befunds. In manchen Fällen ist erst während der Operation erkennbar, welches Verfahren die beste Lösung ist – die Voruntersuchung schafft aber eine solide Planungsgrundlage.

Nachbehandlung nach Reruptur-Operation

Die Nachbehandlung nach einer Reruptur-OP ist anspruchsvoller als nach einer Erstversorgung – und entscheidend für das Ergebnis. Grundsätze der modernen Nachbehandlung:

Frühfunktionell statt Gipsruhigstellung: Auch nach komplexen Rekonstruktionen beginnen wir so früh wie möglich mit kontrollierter Belastung im Orthesen-Stiefel. Starre Immobilisierung erhöht das Rerupturrisiko und verzögert die Rehabilitation.

Schrittweise Belastungssteigerung: Die Progression richtet sich nach dem Heilungsverlauf und wird engmaschig kontrolliert – mit Ultraschall zur Beurteilung der Sehnenstruktur. Kein festes Zeitschema, sondern individuelle Anpassung.

Physiotherapie von Anfang an: Kräftigung der Wadenmuskulatur, propriozeptives Training und Gangschule sind unverzichtbar. Der Muskel-Sehnen-Komplex muss schrittweise wieder an seine volle Funktion herangeführt werden.

Realistische Zeitplanung: Nach einer Reruptur mit Substanzrekonstruktion ist mit einer Rehabilitationszeit von mindestens 6 Monaten zu rechnen, bevor eine vollständige sportliche Belastung wieder möglich ist. Geduld ist hier kein Zeichen von Schwäche, sondern Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.

Wie verhindert man eine erneute Ruptur dauerhaft?

Die Prävention einer zweiten Reruptur beginnt bereits bei der Erstversorgung – und endet nicht mit der Entlassung aus der Physiotherapie. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Ursachenklärung und -behebung: Hat eine Achillodynie, ein Haglund-Syndrom oder eine Fußfehlstellung zur Ruptur beigetragen? Diese Faktoren müssen dauerhaft adressiert werden.
  • Konsequentes Vermeiden von Cortison: Keine Cortisoninjektionen in oder nahe der Achillessehne – weder vor noch nach der Operation.
  • Langfristige Trainingssteuerung: Rückkehr zum Sport nur nach vollständiger Rehabilitation und mit gezielt aufgebautem Belastungsprogramm. Kein abrupter Wiedereinstieg in intensive Sportarten.
  • Regelmäßige Nachsorge: Ultraschallkontrollen nach der Operation zeigen frühzeitig, ob sich erneut Veränderungen in der Sehne entwickeln – lange bevor klinische Symptome auftreten.

Häufige Fragen: Erneute Ruptur der Achillessehne

Wie häufig reißt die Achillessehne nach erfolgreicher Behandlung erneut?

Bei moderner Behandlung – ob operativ oder funktionell-konservativ – liegt die Rerupturrate bei etwa 6%. Bei veralteter Nachbehandlung mit starrer Ruhigstellung im Gips steigt diese Rate auf durchschnittlich 12%. Das zeigt, dass nicht die Operationsmethode, sondern die Qualität der Nachbehandlung der entscheidende Faktor ist.

Warum kann eine Reruptur nicht mehr konservativ oder perkutan behandelt werden?

Bei einer erneuten Ruptur müssen die Sehnenenden angefrischt und teilweise entfernt werden – es entsteht zwangsläufig ein Substanzdefekt. Dieser kann nur durch eine offene Operation überbrückt werden. Konservative Therapie und perkutane Naht setzen voraus, dass die Sehnenenden nahe genug beieinander liegen – das ist bei einer Reruptur nicht mehr gegeben.

Welche Diagnostik ist bei erneutem Achillessehnenriss notwendig?

Neben klinischer Untersuchung und Ultraschall ist bei einer Reruptur zwingend ein MRT erforderlich. Es zeigt das genaue Ausmaß der Degeneration, Narbenbildung und des Substanzdefekts – und ist damit die Grundlage für die Wahl des Operationsverfahrens. Ohne MRT ist eine zuverlässige Therapieplanung bei Reruptur nicht möglich.

Welche Operationsverfahren kommen bei Reruptur der Achillessehne in Frage?

Die Auswahl richtet sich nach der Länge des Substanzdefekts. Bei kleineren Defekten bis etwa 2 cm kommen Verlängerungsplastiken oder Verstärkung durch den Plantarismuskel in Frage. Bei größeren Defekten ab 5 cm ist ein Sehnenersatz notwendig – im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir dafür den bewährten FHL-Transfer in der Short-harvest-Variante.

Was ist der wichtigste Faktor, um eine erneute Ruptur der Achillessehne zu verhindern?

Die Nachbehandlung. Entscheidend ist eine moderne funktionell-konservative Nachbehandlung mit frühzeitiger kontrollierter Belastung – unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht. Starre Ruhigstellung im Gips über Wochen verdoppelt das Rerupturrisiko und gilt heute als überholt. Ebenso wichtig ist die konsequente Behandlung aller Risikofaktoren wie chronischer Achillodynie oder vorbestehender Sehnenschädigung.

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Fazit

Eine Reruptur der Achillessehne ist eine ernste Situation – aber mit dem richtigen Vorgehen gut behandelbar. Entscheidend ist eine rasche, spezialisierte Diagnostik mit MRT, um den Substanzdefekt genau zu beurteilen, gefolgt von einer offenen Operation durch einen erfahrenen Fußchirurgen. Ebenso wichtig ist die anschließende Nachbehandlung: Moderne funktionell-konservative Konzepte halbieren das Risiko einer weiteren Ruptur im Vergleich zur veralteten Gipsruhigstellung. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk begleiten wir unsere Patienten durch den gesamten Prozess – von der Diagnose bis zur vollständigen Wiederherstellung der Funktion.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026