Partialruptur Achillessehne – oder drohender Achillessehnenriß!

Kurzantwort: Eine Partialruptur der Achillessehne bedeutet, dass ein Teil der Sehnenfasern geschädigt oder unterbrochen ist – meist durch fortgeschrittene Achillodynie, chronisches Haglund-Syndrom oder wiederholte Cortisoninjektionen. Ein echter Teilriss durch einen Unfall ist sehr selten. Entscheidend ist die genaue Ursachenklärung: Nur dann ist eine gezielte Therapie möglich, die in den meisten Fällen einen vollständigen Riss verhindert.

Die teilweise Schädigung der Achillessehne kann vielen Ursachen haben. Aber eines haben alle gemeinsam: ohne gezielte Therapie droht ein Riss der Achillessehne!

Partialruptur der Achillessehne oder Partialläsion der Achillessehne ist ein häufiger Begriff in Berichten nach einer MRT Untersuchung. In so einer Situation sollte man für die weitere Behandlung unbedingt einen spezialisierten Arzt für Fuß & Sprunggelenk aufsuchen. Denn bei ungezielter Therapie kann es zu einem Riss der Achillessehne kommen. Dies kann mit der richtigen Therapie zum Glück in sehr vielen Fällen vermieden werden!

Schmerzen Achillessehne
Schmerzen an der Achillessehne bei Partialruptur

Was bedeutet Partialruptur der Achillessehne und welche Ursachen gibt es?

Partialruptur oder Partialläsion der Achillessehne bedeutet, dass Gewebe der Achillessehne relevant geschädigt ist. Die parallelen Fasern der Achillessehne kann man im MRT sehr gut erkennen – ist ein Teil dieser Fasern unterbrochen oder hat der Körper dort sehr viel Flüssigkeit eingelagert, spricht man von einer Partialläsion oder Partialruptur der Achillessehne. Patienten begegnet dieser Begriff oft auf MRT Berichten – und oft bleibt die Ursache ungeklärt. Dann kann auch die Therapie nicht gezielt erfolgen und die Erfolgsaussichten für eine Genesung sind geringer.

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Für eine Partialläsion kommen sehr viele Ursaschen in Frage:

Eine echter Teilriss der Achillessehne durch einen Unfall ist SEHR SELTEN! Viele Patienten berichten rückblickend über ein kleines Unfallereignis als mögliche Ursache einer Teilläsion der Achillessehne. Sind Sie in einer solchen Situation – dann geben Sie sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden! In fast allen Fällen findet sich eine „echte“ Ursache, die ohne Expertenwissen nicht erkannt wird.

Wie wird eine Partialruptur der Achillessehne diagnostiziert?

Die Diagnose einer Partialruptur ist anspruchsvoller als die einer vollständigen Ruptur – denn die Betroffenen können oft noch laufen und die Beschwerden sind weniger dramatisch. Umso wichtiger ist eine gründliche Diagnostik durch einen erfahrenen Spezialisten.

Klinische Untersuchung: Der Thompson-Test, der bei einer vollständigen Ruptur positiv ausfällt, kann bei einer Partialruptur noch regelrecht sein. Druckschmerz, Verdickung und Funktionseinschränkung der Sehne geben aber wichtige Hinweise.

Hochauflösender Ultraschall: Im Ultraschall lassen sich unterbrochene Fasern und Flüssigkeitseinlagerungen in der Sehne gut darstellen. Der Vorteil: Die Untersuchung kann dynamisch – also in Bewegung – erfolgen und ist direkt in der Praxis möglich. Mit dem SMI-Ultraschall lässt sich zusätzlich die Durchblutungssituation rund um die Sehne beurteilen.

MRT: Das MRT ist das zuverlässigste Verfahren zur Beurteilung einer Partialruptur. Es zeigt das genaue Ausmaß der Faserschädigung, Flüssigkeitseinlagerungen und degenerative Veränderungen. Für die Therapieplanung – insbesondere die Frage, ob konservativ oder operativ vorgegangen werden muss – ist das MRT in komplexeren Situationen unverzichtbar.

DVT: Liegt der Verdacht auf eine Fußfehlstellung als Ursache vor, nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die Digitale Volumentomografie zur dreidimensionalen Beurteilung der Fußstatik. Eine unerkannte Fehlstellung zu behandeln ist oft der entscheidende Schritt zur dauerhaften Heilung.

Partialruptur, Achillodynie oder vollständige Ruptur – was ist der Unterschied?

Diese drei Begriffe beschreiben unterschiedliche Schweregrade einer Achillessehnenerkrankung – und liegen auf einer Eskalationstreppe:

Achillodynie (mid-portion Tendinopathie): Strukturelle Veränderung des Sehnengewebes durch chronische Überlastung. Die Fasern sind noch intakt, aber das Sehnengewebe ist degeneriert und schmerzhaft. Ohne gezielte Therapie kann eine Achillodynie zur Partialruptur fortschreiten.

Partialruptur: Ein Teil der Sehnenfasern ist unterbrochen oder so stark geschädigt, dass von einem Teilriss gesprochen wird. Die Sehne ist noch funktionsfähig, aber erheblich geschwächt. Das Risiko einer vollständigen Ruptur ist deutlich erhöht – besonders bei ungezielter Therapie oder Cortison-Injektionen.

Vollständige Ruptur: Alle Fasern sind durchtrennt. Sofortiger Funktionsverlust, oft mit hörbarem Knall. Erfordert in den meisten Fällen eine operative Versorgung oder konsequente funktionell-konservative Therapie unter spezialisierter Aufsicht.

Diese Abgrenzung ist für die Therapie entscheidend: Die Maßnahmen bei Achillodynie und Partialruptur überschneiden sich zwar – aber bei einer Partialruptur ist die Diagnostik genauer, die Therapie intensiver und die Kontrolle engmaschiger.

Was passiert, wenn eine Partialruptur nicht behandelt wird?

Eine Partialruptur der Achillessehne ist kein Zufallsbefund, der sich von selbst auswächst. Ohne gezielte Therapie drohen drei Szenarien:

  • Progression zur vollständigen Ruptur: Die geschwächte Sehne kann bei normaler Alltagsbelastung oder Sport reißen – oft ohne dramatisches Trauma, manchmal beim Treppensteigen oder einfachem schnellen Gehen.
  • Chronifizierung: Die Schädigung verfestigt sich, Narbengewebe ersetzt funktionsfähiges Sehnengewebe. Chronische Partialrupturen sind deutlich schwerer zu behandeln als frische.
  • Zunehmende Funktionseinschränkung: Schmerzen, Kraftverlust der Wade und eingeschränkte Belastbarkeit im Alltag und Sport können dauerhaft bestehen bleiben.

Je früher eine Partialruptur erkannt und gezielt behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten und desto kleiner das Risiko einer vollständigen Ruptur.

Therapie der teilweisen Verletzung der Achillessehne

Wichtigster Teil der Therapie bei Partialläsion der Achillessehne ist die möglichst genaue Abkärung der Ursache! Dies sollte wann immer möglich durch einen ausgewiesenen Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk erfolgen. Ohne die Klärung der Ursache ist eine gezielte Therapie nicht möglich – das ist aber eine wesentliche Voraussetzung für zuverlässigen Therapieerfolg!

Kann eine Ursache wirklich beseitigt werden, muss dies konsequent der erste Schritt sein. In fast allen Fällen hat Ihr Spezialist für Fuß & Sprunggelenk einen konreten Therapieplan für Sie parat.

Fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT) bei Partialläsion der Achillessehne

Nach der Leitlinie der Fachgesellschaft DIGEST ist die fokussierte Stoßwellentherapie bei Teilläsionen der Achillessehne eine sehr effektive Methode, die innerhalb weniger Wochen einen relevanten Therapieerfolg bringen kann. Dabei soll die Behandlung einmal pro Woche von einem entsprechend qualifizierten Spezialisten durchgeführt werden. Häufig wird dies durch radiale Stoßwellentharapie zur Behandlung der umliegenden Muskulatur ergänzt.

ausgeprägte Achillodnyie markiert, mit zentralen Nekrosen
Bild aus der Praxis von Dr. Böhr: Teilläsion der Achillessehne / Partialläsion der Achillessehne im MRT (blaue Pfeile). Copyright: Dr. Stefan Böhr

Das vollständige Therapiespektrum bei Partialruptur der Achillessehne

Die Stoßwellentherapie ist ein wichtiger Baustein – aber in der Regel kein Alleinverfahren. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk kombinieren wir je nach Befund und Ursache mehrere Therapieansätze:

Exzentrisches Training und Tendon Neuroplastic Training (TNT): Gezielte Belastungsreize sind unverzichtbar für die Erneuerung des Sehnengewebes. Exzentrisches Training und TNT verbessern die Sehnenstruktur und -belastbarkeit nachweislich – sofern Intensität und Umfang sorgfältig gesteuert werden.

PRP / ACP (plättchenreiches Plasma): Eigenbluttherapie, bei der wachstumsfaktorreiches Plasma gewonnen und gezielt in die geschädigte Sehne injiziert wird. Bei Partialruptur kann PRP/ACP als konservativer Therapieversuch eingesetzt werden, um bei sehr ausgeprägten Befunden eine Operation zu vermeiden – insbesondere wenn andere Maßnahmen nach mehreren Wochen keine ausreichende Besserung zeigen.

Kinesiotape: Entlastet die Achillessehne im Alltag und beim Sport, unterstützt die Durchblutung und kann Schmerzen kurzfristig reduzieren. Kein Ersatz für kausale Therapie, aber ein sinnvoller begleitender Baustein.

Physiotherapie: Mobilisation, Kräftigung der Wadenmuskulatur und propriozeptives Training sind wesentliche Bestandteile der Rehabilitation – besonders wenn eine Fußfehlstellung oder muskuläre Dysbalance zur Überlastung beigetragen hat.

Einlagenversorgung und Schuhberatung: Wenn eine Fußfehlstellung als Ursache identifiziert wurde, ist die Korrektur durch individuelle Einlagen oder angepasstes Schuhwerk ein unverzichtbarer erster Schritt – bevor andere Therapien dauerhaft wirken können.

Operation: Ist bei Partialruptur selten notwendig. Sie kommt in Frage, wenn der MRT-Befund eine sehr ausgeprägte Schädigung zeigt, die konservative Therapie nach mehreren Monaten nicht anschlägt, oder wenn ein vollständiger Riss droht. Der Eingriff besteht in der Entfernung des degenerierten Gewebes und – je nach Ausmaß – einer Verstärkung der Sehne.

Häufige Fragen: Partialruptur der Achillessehne

Was ist der Unterschied zwischen Partialruptur und vollständiger Achillessehnenruptur?

Bei einer vollständigen Achillessehnenruptur sind alle Fasern der Sehne durchtrennt – das ist ein Notfall mit sofortigem Funktionsverlust. Bei einer Partialruptur ist nur ein Teil der Fasern geschädigt. Die Betroffenen können oft noch laufen, haben aber anhaltende Schmerzen und ein deutlich erhöhtes Risiko für einen vollständigen Riss, wenn die Ursache nicht behandelt wird.

Wie wird eine Partialruptur der Achillessehne diagnostiziert?

Mittel der Wahl ist das MRT: Es zeigt unterbrochene Fasern und Flüssigkeitseinlagerungen in der Sehne sehr zuverlässig. Ergänzend nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk den hochauflösenden Ultraschall, der dynamisch – also in Bewegung – untersucht werden kann. Die klinische Untersuchung und eine genaue Anamnese sind unverzichtbar, um die Ursache zu klären.

Warum sind Cortisoninjektionen bei Partialruptur der Achillessehne gefährlich?

Cortison hemmt zwar die Entzündung kurzfristig, greift aber gleichzeitig in den Heilungsprozess des Sehnengewebes ein und schwächt die Sehnenstruktur dauerhaft. Wiederholte Cortisoninjektionen in die Achillessehne gelten als einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine vollständige Ruptur. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk setzen wir auf Cortison-freie Therapiemethoden wie fokussierte Stoßwellentherapie und PRP/ACP.

Wie wird eine Partialruptur der Achillessehne behandelt?

Erster Schritt ist immer die genaue Ursachenklärung – ohne diese ist keine gezielte Therapie möglich. Lässt sich die Ursache beheben, hat das absolute Priorität. Die fokussierte Stoßwellentherapie gilt laut DIGEST-Leitlinie als sehr effektive Methode bei Teilläsionen und kann innerhalb weniger Wochen relevante Besserung bringen. Je nach Befund ergänzen exzentrisches Training, Kinesiotape und physiotherapeutische Maßnahmen das Konzept.

Kann eine Partialruptur der Achillessehne ohne Operation heilen?

Ja – in den meisten Fällen ist eine konservative Therapie möglich und erfolgreich, wenn die Ursache klar ist und konsequent behandelt wird. Eine Operation ist selten nötig und kommt vor allem dann in Frage, wenn der Schaden im MRT sehr ausgeprägt ist, die konservative Therapie nach mehreren Monaten nicht anschlägt oder ein vollständiger Riss droht.

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Fazit

Eine Partialruptur der Achillessehne ist ein ernstes Warnsignal – aber kein Grund zur Panik. Wer die Ursache kennt und gezielt behandelt, kann in den meisten Fällen einen vollständigen Riss verhindern. Entscheidend ist, sich nicht mit einer oberflächlichen Erklärung zufriedenzugeben. Eine gründliche Diagnostik – mit MRT, hochauflösendem Ultraschall und wenn nötig DVT – und ein konsequentes Therapiekonzept sind die Grundlage für eine zuverlässige Genesung.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026