Ermüdungsbruch am Fuß: Stressfraktur erkennen und richtig behandeln
Kurz zusammengefasst: Ein Ermüdungsbruch, auch Stressfraktur oder Marschfraktur genannt, entsteht ohne Unfall: Der Knochen wird immer wieder stärker belastet, als er sich anpassen kann, bis eine feine Bruchlinie entsteht. Am Fuß sind am häufigsten der Schaft des zweiten und dritten Mittelfußknochens, das Os naviculare an der Fußinnenseite, das Sprungbein und das Fersenbein betroffen. Am Mittelfuß sehen wir als Ursache mit Abstand am häufigsten einen Spreizfuß mit Hallux valgus: Die Last verlagert sich von der Großzehe auf den zweiten bis vierten Mittelfußknochen. Bei Osteoporose reicht schon normale Belastung, dann spricht man von einem Insuffizienzbruch. Typisch sind Schmerzen bei Belastung, die über Tage bis Wochen zunehmen. Zu Beginn untersuchen wir immer mit MRT und DVT. Wir entlasten den Fuß im Walker, einen Gips brauchen Sie nicht. Stoßwelle und EMTT setzen wir von Anfang an ein. Am Os naviculare operieren wir, wenn der Bruch verschoben ist oder sich zu verschieben droht. Genauso wichtig ist es, die Ursache zu behandeln, vom Spreizfuß bis zum Vitamin-D-Mangel. Wie lange die Heilung dauert, hängt vor allem vom Knochen ab: Am Mittelfuß dauert es bis zur Rückkehr in den Sport meist 4 bis 12 Wochen, am Os naviculare oft 4 bis 5 Monate.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Ermüdungsbruch?
Ein Ermüdungsbruch entsteht, wenn ein gesunder Knochen immer wieder stärker belastet wird, als er sich anpassen kann. Ein Unfall ist dafür nicht nötig. Bricht dagegen ein geschwächter Knochen schon bei normaler Belastung, etwa bei Osteoporose, spricht man von einem Insuffizienzbruch (Pentecost et al. 1964).
Der Ermüdungsbruch entwickelt sich schrittweise. Zuerst reagiert der Knochen mit einer Stressreaktion: Im MRT ist ein Knochenmarködem zu sehen, aber noch keine Bruchlinie. Hält die Überlastung an, entsteht eine feine Bruchlinie, der Ermüdungsbruch. Im ungünstigsten Fall bricht der Knochen vollständig durch und verschiebt sich.
Was in Ihrem Befund stehen kann
- „Ermüdungsbruch“, „Ermüdungsfraktur“ oder „Stressfraktur“: dieselbe Verletzung, ein Bruch durch Überlastung
- „Marschfraktur“: ein Ermüdungsbruch der Mittelfußknochen, benannt nach Soldaten, die ihn nach langen Märschen bekamen
- „Stressreaktion“ oder „Knochenmarködem ohne Frakturlinie“: die Vorstufe, noch ohne Bruchlinie
- „Insuffizienzfraktur“: ein Bruch bei normaler Belastung eines geschwächten Knochens, etwa bei Osteoporose
- „Crescent Sign“: eine sichelförmige Bruchlinie direkt unter dem Knorpel des Sprungbeins. Die oberste Knochenschicht ist im Bereich einer osteochondralen Läsion eingebrochen.
- „Kallus“: neu gebildeter Knochen am Bruch, ein Zeichen der Heilung

Wie entsteht ein Ermüdungsbruch am Fuß?
Ein Ermüdungsbruch gilt als Verletzung von Läufern und Soldaten, an ihnen ist er auch am besten untersucht. Am zweiten bis vierten Mittelfußknochen sehen wir in unserer Sprechstunde aber mit Abstand am häufigsten eine andere Ursache: einen Spreizfuß mit Hallux valgus. Mehr Training, eine lange Wanderung oder neue Schuhe sind dann oft nur der Auslöser.
Spreizfuß mit Hallux valgus: die häufigste Ursache am Mittelfuß
Beim Spreizfuß weichen die Mittelfußknochen fächerförmig auseinander. Beim Hallux valgus weicht zusätzlich der erste Mittelfußknochen nach innen ab und die Großzehe nach außen. Großzehe und erster Mittelfußknochen tragen beim Abrollen dann weniger Last. Diese Last übernimmt der zweite Mittelfußknochen, oft auch der dritte und vierte. Eine Studie mit Fußdruckmessung zeigt diese Verlagerung: Bei 36 Patienten mit Hallux valgus war der Druck unter den Köpfchen des zweiten und dritten Mittelfußknochens höher als bei 30 Gesunden (Hofmann et al. 2019).
Der zweite Mittelfußknochen ist zudem der längste und an seiner Basis fest zwischen den Keilbeinen verankert. Er kann der zusätzlichen Last kaum ausweichen. Dieselbe Überlastung führt oft auch zu Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen, der Transfermetatarsalgie. Deshalb behandeln wir neben dem Bruch auch den Spreizfuß mit Hallux valgus, zunächst mit Einlagen und passenden Schuhen. Kommt der Bruch trotzdem wieder, empfehlen wir die Korrektur des Hallux valgus. Sie behebt die eigentliche Ursache, auch wenn der Hallux valgus für Sie bisher gar nicht im Vordergrund stand. Diesen Zusammenhang erkennt oft erst der Fußspezialist.
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Weitere Ursachen
Oft kommen mehrere Ursachen zusammen. Erst wenn wir sie kennen, lässt sich verhindern, dass der Bruch wiederkommt.
- Mehrbelastung als Auslöser: mehr Kilometer beim Laufen, ein neuer Trainingsplan, lange Märsche oder Wanderungen, neue Schuhe oder ein härterer Untergrund
- Andere Fehlstellungen: Auch ein Plattfuß verlagert die Last.
- Vitamin-D-Mangel: Er schwächt den Knochen. Bei 5.201 Rekrutinnen der US-Marine traten mit täglich Kalzium und Vitamin D 20 % weniger Ermüdungsbrüche auf als in der Vergleichsgruppe (Lappe et al. 2008).
- Osteoporose: Bei geringer Knochendichte reicht schon normale Belastung für einen Bruch.
- Zu wenig Energie: Wer beim Sport dauerhaft weniger Energie aufnimmt, als er verbraucht, riskiert Folgen für Gesundheit und Leistung. Fachleute sprechen von REDs (Mountjoy et al. 2023). Bei 259 sportlich aktiven Mädchen und Frauen erlitten bei einem Risikofaktor wie viel Training (12 Stunden pro Woche und mehr), niedrigem Körpergewicht oder geringer Knochendichte 15 bis 21 % einen Überlastungsschaden am Knochen. Kamen mehrere Faktoren zusammen, waren es rund 30 % und mehr (Barrack et al. 2014).
Wo am Fuß? Knochen mit geringem und hohem Risiko
Wie gut ein Ermüdungsbruch heilt, hängt vor allem vom Knochen ab. An Stellen mit geringem Risiko heilt er meist ohne Operation, wenn Sie den Fuß entlasten. An Stellen mit hohem Risiko muss die Belastung sofort enden, und es ist zu prüfen, ob operiert werden muss (Robertson und Wood 2017).
- Geringes Risiko: Schaft des zweiten bis vierten Mittelfußknochens, Fersenbein
- Hohes Risiko: Os naviculare, Basis des fünften Mittelfußknochens, Sesambeine
- Sprungbein: im Rahmen einer osteochondralen Läsion (OCL)

Mittelfußknochen: die Marschfraktur
Am häufigsten bricht der Schaft des zweiten oder dritten Mittelfußknochens, meist als Folge eines Spreizfußes mit Hallux valgus. Diese Stelle hat ein geringes Risiko, die meisten Brüche heilen ohne Operation. Bis zur Rückkehr in den Sport vergehen meist 4 bis 12 Wochen, am zweiten Mittelfußknochen im Mittel 10 und am dritten 12 Wochen (Robertson und Wood 2017). Typisch sind eine Schwellung auf dem Fußrücken und ein Druckschmerz direkt über dem Knochen. Schmerzen am Köpfchen des zweiten Mittelfußknochens können auch von einem Morbus Köhler 2 kommen, einer Knochennekrose, die vor allem Kinder und Jugendliche betrifft.
Ein Ermüdungsbruch an der Basis des fünften Mittelfußknochens hat dagegen ein hohes Risiko (Robertson und Wood 2017). Ihn behandeln wir wie einen Bruch an dieser Stelle, siehe Knochenbruch Mittelfuß.
Os naviculare an der Fußinnenseite
Ein Ermüdungsbruch des Os naviculare hat ein hohes Risiko (Robertson und Wood 2017). Typisch sind Schmerzen an der Fußinnenseite und auf dem Fußrücken, die bei Belastung zunehmen. Weiteres Belasten gefährdet die Heilung: In einer Metaanalyse heilten 96 % der Brüche, wenn der Fuß konsequent entlastet wurde, unter Belastung deutlich weniger (Torg et al. 2010).
Ein Knochenmarködem allein, also die Stressreaktion ohne Bruchlinie, operieren wir nicht. Solange keine Verschiebung droht, entlasten wir den Fuß konsequent im Walker. Ist der Bruch verschoben oder droht er sich zu verschieben, stabilisieren wir ihn operativ, mit Schrauben oder einer Platte. Bis zur Rückkehr in den Sport vergehen im Mittel 16 Wochen nach einer Operation und 22 Wochen ohne Operation (Mallee et al. 2015).
An derselben Stelle sind ein Os tibiale externum und eine Knochennekrose des Os naviculare abzugrenzen: bei Kindern der Morbus Köhler 1, bei Erwachsenen das Müller-Weiss-Syndrom.
Sprungbein (Talus)
Am Sprungbein tritt ein Ermüdungsbruch im Rahmen einer osteochondralen Läsion (OCL) auf, also eines Schadens an Knorpel und Knochen der Gelenkfläche. Bricht im Bereich der OCL die oberste Knochenschicht unter dem Knorpel ein, zeigt das MRT eine sichelförmige Bruchlinie. Im Befund heißt das „Crescent Sign“. Die Behandlung richtet sich nach Größe, Tiefe und Lage der OCL, von der Entlastung bis zur Operation. Abzugrenzen ist eine Knochenprellung nach Umknicken.
Fersenbein
Ein Ermüdungsbruch im Fersenbein hat ein geringes Risiko (Robertson und Wood 2017). Er tritt oft nach langen Märschen oder Wanderungen auf. Die ganze Ferse schmerzt, besonders wenn man sie von beiden Seiten zusammendrückt. Er heilt in aller Regel ohne Operation, bis zur Rückkehr in den Sport vergehen 11 bis 12 Wochen (Robertson und Wood 2017). Ähnliche Schmerzen macht eine Plantarfasziitis. Im MRT lassen sich beide sicher unterscheiden.
Sesambeine
Auch die Sesambeine unter dem Großzehengrundgelenk zählen zu den Stellen mit hohem Risiko (Robertson und Wood 2017).
Welche Beschwerden macht ein Ermüdungsbruch?
- Schmerzen bei Belastung, ohne dass Sie sich an einen Unfall erinnern
- Die Schmerzen setzen immer früher ein, später auch in Ruhe und nachts
- Druckschmerz an einer umschriebenen Stelle des Knochens
- Schwellung, am Mittelfuß oft auf dem Fußrücken
- Hinken oder Abrollen über den Fußaußenrand, um den Schmerz zu vermeiden
Nach einer Pause werden die Schmerzen oft besser und kehren beim nächsten Training zurück. Wer trotzdem weiter trainiert, riskiert, dass der Knochen vollständig bricht.
Wie wir einen Ermüdungsbruch sicher erkennen
Im Röntgenbild ist ein frischer Ermüdungsbruch oft noch nicht zu sehen. Deshalb untersuchen wir zu Beginn immer mit MRT und DVT.
- Untersuchung und Gespräch: Wo genau sitzt der Schmerz? Wie hat sich Ihr Training verändert? Bestehen Osteoporose oder ein Vitamin-D-Mangel? Wir fragen gezielt nach der Ernährung, bei Frauen auch nach dem Zyklus.
- Ultraschall in der Sprechstunde: Mit dem SMI-Modus sehen wir die Reizung an der Knochenhaut direkt beim Termin. In einer Studie fand der Ultraschall 83 % der Ermüdungsbrüche der Mittelfußknochen, die das MRT zeigte. Ein unauffälliger Ultraschall schloss einen Bruch in 92 % der Fälle richtig aus (Banal et al. 2009).
- MRT: Es zeigt den Ermüdungsbruch früh, schon als Stressreaktion, und wie ausgeprägt er ist. Je höher der Schweregrad im MRT und je geringer die Knochendichte, desto länger dauert die Rückkehr in den Sport (Nattiv et al. 2013).
- DVT: Sie zeigt die Bruchlinie, ob der Knochen vollständig gebrochen oder verschoben ist, und unter Belastung die Statik des Fußes.
- Verlaufskontrolle: Zuerst prüfen wir mit der DVT, ob der Knochen stabil verheilt. Danach zeigt das MRT, ob sich das Ödem im Knochen zurückbildet.
- Blutwerte: Vitamin D und weitere Werte des Knochenstoffwechsels veranlassen wir direkt in der Sprechstunde. Besteht der Verdacht auf eine Osteoporose, klären wir sie gemeinsam mit osteologisch spezialisierten Kollegen ab.
- Pedobarografie (Fußdruckmessung): Sie zeigt, wo der Fuß beim Gehen zu viel Last trägt, etwa unter dem Köpfchen des zweiten Mittelfußknochens bei einem Spreizfuß mit Hallux valgus.
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Behandlung: entlasten, Heilung anregen, Ursache beheben
Entlastung im Walker
Einen Gips brauchen Sie nicht. Wir entlasten den Fuß im Walker, je nach Schmerz und Lage mit Teilbelastung oder ganz ohne Belastung, so lange, bis die Schmerzen deutlich besser sind. Am Os naviculare ist die vollständige Entlastung besonders wichtig (Torg et al. 2010).
Stoßwelle und EMTT von Anfang an
- Stoßwelle, fokussiert und radial: Sie regt die Heilung des Knochens an. Wir setzen sie von Anfang an ein, weil der Bruch damit nach unserer Erfahrung schneller heilt. Eine Übersichtsarbeit empfiehlt die Stoßwelle als Standard, wenn ein Ermüdungsbruch an einer Stelle mit geringem Risiko auf die übliche Behandlung nicht anspricht (Leal et al. 2015). Selbst bei Knochenbrüchen, die verzögert heilen, heilten nach Stoßwelle im Mittel 86 % aus (Willems et al. 2019).
- EMTT (Magnetfeldtherapie): Nach unserer Erfahrung unterstützt sie die Heilung. Studien speziell zum Ermüdungsbruch am Fuß gibt es dazu bisher nicht.
Knochenstoffwechsel
Einen Mangel an Vitamin D gleichen wir aus. Für die langfristige Unterstützung ist Dr. Ricarda Conle im Rahmen unseres Longevity-Programms Ihre Ansprechpartnerin. Bisphosphonate, Medikamente, die den Knochenabbau bremsen, setzen wir beim Ermüdungsbruch nur in Ausnahmefällen ein.
Operation
Am Os naviculare stabilisieren wir den Bruch mit Schrauben oder einer Platte, wenn er verschoben ist oder sich zu verschieben droht. Ein Knochenmarködem allein operieren wir nicht. Am Sprungbein richtet sich die Behandlung nach der osteochondralen Läsion. An den übrigen Stellen operieren wir nur, wenn der Bruch verschoben ist oder nicht heilt.
Ursache beheben
Parallel behandeln wir die Ursache, sonst droht der nächste Ermüdungsbruch. Am Mittelfuß ist das meist der Spreizfuß mit Hallux valgus: Einlagen und passende Schuhe nehmen dem zweiten bis vierten Mittelfußknochen Last ab. Kommt der Bruch trotzdem wieder, empfehlen wir die Hallux-valgus-Operation, weil sie die eigentliche Ursache behebt. Dazu kommen der Trainingsplan und ein Mangel an Vitamin D oder Energie.
Wie lange dauert die Heilung?
Wie lange die Heilung dauert, hängt vor allem vom Knochen ab. Bis zur Rückkehr in den Sport vergehen nach Studien:
- Schaft des zweiten bis vierten Mittelfußknochens: 4 bis 12 Wochen (Robertson und Wood 2017)
- Fersenbein: 11 bis 12 Wochen (Robertson und Wood 2017)
- Os naviculare: im Mittel 16 Wochen nach Operation, 22 Wochen ohne Operation (Mallee et al. 2015)
Länger dauert es bei einem höheren Schweregrad im MRT und bei geringer Knochendichte (Nattiv et al. 2013).
Wann darf ich wieder laufen?
Wenn die Schmerzen abgeklungen sind und die DVT eine stabile knöcherne Heilung zeigt, steigern Sie die Belastung schrittweise, erst im Alltag, dann beim Sport (Hoenig et al. 2022).
Warum das MRT länger auffällig bleibt
Das Ödem im Knochen bildet sich langsamer zurück, als die Beschwerden abklingen. Nach unserer Erfahrung ist es oft noch bis zu 12 Monate im MRT zu sehen. Mehr dazu unter Knochenmarködem am Fuß.
So beugen Sie einem neuen Ermüdungsbruch vor
- Steigern Sie Umfang und Tempo im Training schrittweise.
- Lassen Sie einen Spreizfuß mit Hallux valgus oder eine andere Fehlstellung behandeln, etwa mit Einlagen und passenden Schuhen.
- Achten Sie auf genug Vitamin D und Kalzium.
- Nehmen Sie beim Sport ausreichend Energie auf.
- Lassen Sie bei Verdacht auf Osteoporose die Knochendichte prüfen.
Weiterführende Informationen
Krankheitsbilder
- Knochenmarködem am Fuß
- Knochenbruch Mittelfuß
- Spreizfuß
- Hallux Valgus – die krumme Großzehe richtig behandeln
- Transfermetatarsalgie
- Schwerer Knick-Plattfuß
- Os tibiale externum
- Morbus Köhler 1 & 2
- Osteochondrale Läsion des Talus (OCL)
- Plantarfasziitis und Fersensporn
Diagnostik
- Ultraschall an Fuß & Sprunggelenk
- Digitale Volumentomografie (DVT)
- MRT im Zentrum für Fuß & Sprunggelenk
- Pedobarografie und Ganganalyse
Behandlung
- Stoßwellentherapie
- EMTT – Magnetfeldtherapie
- Hallux-valgus-OP
- Longevity – bleiben Sie möglichst lange gut zu Fuß
Häufige Fragen zum Ermüdungsbruch am Fuß
Was ist ein Ermüdungsbruch?
Ein Bruch, der ohne Unfall durch wiederholte Überlastung entsteht. Der Knochen wird öfter und stärker belastet, als er sich anpassen kann, bis eine feine Bruchlinie entsteht.
Ist eine Stressfraktur dasselbe wie ein Ermüdungsbruch?
Ja. Ermüdungsbruch, Ermüdungsfraktur und Stressfraktur bezeichnen dieselbe Verletzung. Die Marschfraktur ist ein Ermüdungsbruch der Mittelfußknochen.
Was ist die häufigste Ursache für einen Ermüdungsbruch am Mittelfuß?
Am zweiten bis vierten Mittelfußknochen sehen wir in unserer Sprechstunde mit Abstand am häufigsten einen Spreizfuß mit Hallux valgus. Die Großzehe trägt dann weniger Last, der zweite und oft auch der dritte und vierte Mittelfußknochen tragen mehr, als sie vertragen. Mehr Training oder eine lange Wanderung sind oft nur der Auslöser. Deshalb behandeln wir den Spreizfuß mit Einlagen und passenden Schuhen mit. Kommt der Bruch trotzdem wieder, empfehlen wir die Korrektur des Hallux valgus, auch wenn er Sie selbst bisher kaum gestört hat.
Wie lange dauert ein Ermüdungsbruch am Fuß?
Das hängt vor allem vom Knochen ab. Am Schaft der Mittelfußknochen vergehen bis zur Rückkehr in den Sport meist 4 bis 12 Wochen, am Fersenbein 11 bis 12 Wochen. Am Os naviculare dauert es im Mittel 16 Wochen nach Operation und 22 Wochen ohne Operation.
Kann ich einen Ermüdungsbruch selbst testen?
Nicht sicher. Hinweise sind Schmerzen bei Belastung ohne Unfall und ein Druckschmerz an einer umschriebenen Stelle des Knochens. Ob ein Bruch vorliegt und wie ausgeprägt er ist, zeigen erst MRT und DVT.
Darf ich mit einem Ermüdungsbruch auftreten?
Das hängt von Schmerz und Lage ab. Wir entlasten im Walker mit Teilbelastung oder ganz ohne Belastung. Am Os naviculare ist die vollständige Entlastung besonders wichtig, weil weiteres Belasten die Heilung gefährdet.
Hilft eine Bandage, eine Schiene oder ein Tape?
Sie stützen, nehmen dem Knochen aber kaum Last ab. Zur Entlastung nutzen wir einen Walker. Einen Gips brauchen Sie nicht.
Wann muss ein Ermüdungsbruch operiert werden?
Am Os naviculare, wenn der Bruch verschoben ist oder sich zu verschieben droht. Dann stabilisieren wir ihn mit Schrauben oder einer Platte. Ein Knochenmarködem allein operieren wir nicht. Am Sprungbein richtet sich die Behandlung nach der osteochondralen Läsion. An den übrigen Stellen operieren wir nur, wenn der Bruch verschoben ist oder nicht heilt. Kommt ein Ermüdungsbruch am Mittelfuß trotz Einlagen wieder, empfehlen wir die Korrektur des Hallux valgus.
Kann ein Ermüdungsbruch ein Zeichen für Osteoporose sein?
Ja. Bricht ein Knochen schon bei normaler Belastung, spricht man von einem Insuffizienzbruch. Dann untersuchen wir den Knochenstoffwechsel und klären eine Osteoporose ab, bei Bedarf gemeinsam mit osteologisch spezialisierten Kollegen.
Was ist der Unterschied zum Knochenmarködem?
Ein Knochenmarködem ist Flüssigkeit im Knochen ohne Bruchlinie, etwa als Stressreaktion bei Überlastung. Beim Ermüdungsbruch ist zusätzlich eine Bruchlinie zu sehen. Hält die Überlastung an, kann aus der Stressreaktion ein Ermüdungsbruch werden.
Heilt ein Ermüdungsbruch mit Stoßwelle schneller?
Nach unserer Erfahrung ja. Die Stoßwelle regt die Heilung des Knochens an. Deshalb warten wir nicht ab, ob die Entlastung allein reicht, sondern setzen Stoßwelle und EMTT von Anfang an ein. Selbst bei Brüchen, die verzögert heilen, heilten nach Stoßwelle in Studien im Mittel 86 % aus.
Fazit
Ein Ermüdungsbruch am Fuß entsteht ohne Unfall durch wiederholte Überlastung, bei Osteoporose schon durch normale Belastung. Am häufigsten betroffen sind der zweite und dritte Mittelfußknochen, das Os naviculare, das Sprungbein und das Fersenbein. Am Mittelfuß steckt meist ein Spreizfuß mit Hallux valgus dahinter. Wir sichern den Befund mit MRT und DVT, entlasten den Fuß im Walker ohne Gips und unterstützen die Heilung von Anfang an mit Stoßwelle und EMTT. Am Os naviculare operieren wir, wenn der Bruch verschoben ist oder sich zu verschieben droht. Genauso wichtig ist es, die Ursache zu behandeln, damit der Bruch nicht wiederkommt: am Mittelfuß zunächst mit Einlagen, bei einem erneuten Bruch mit der Korrektur des Hallux valgus.
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- Hoenig T, Ackerman KE, Beck BR, Bouxsein ML, Burr DB, Hollander K, et al. Bone stress injuries. Nat Rev Dis Primers. 2022;8(1):26. doi:10.1038/s41572-022-00352-y
Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026