Plantarfasziitis / Fersensporn

Die Plantarfasziitis hat viele Namen: plantarer Fersensporn oder auch nur Fersensporn sind dabei die häufigsten. Alle diese Begriffe beschreiben Schmerzen unter der Ferse im Bereich der Fußsohle, meist ausgehend von der Innenseite des Fersenballens. Dabei können die Schmerzen bis in die Zehen oder den Unterschenkel ausstrahlen.

Plantarfsziitis ist die häufigste Ursache für Fersenschmerzen überhaupt – etwa 10% der Bevölkerung sind mindestens einmal im Leben davon betroffen. Wichtige Untersuchungen sind Ultraschall, MRT und DVT. Häufige Differentialdiagnosen sind Haglund-Syndrom, Tarsaltunnel-Syndrom, Arthrose im unteren Sprunggelenk und ausstrahlende Beschwerden von der Wirbelsäule.

Plantarfaszie schmerzen

Ursache und Krankheitsbild

Die Ursache der Plantarfasziitis ist die Entzündung einer kräftigen Sehnenplatte (der Plantarfaszie), die das Fußgewölbe von der Ferse bis zu den Zehengelenken überspannt. Ursache für diese Entzündung ist oft eine zunehmende Fußfehlstellung (schwerer Knick-Plattfuß), eine angeborene Fehlstellung (z.B. Hohl-Spreizfuß), verkürzte Wadenmuskulatur oder eine mechanische Überlastung (sportliche Belastung, Übergewicht, schlechtes Schuhwerk).

Plantarfasziitis Ursache udn Krankheitsbild
Anatomisches Modell des Fußes zur Darstellung des Krankheitsbildes Plantarfasziitis. Copyright: SciPro via shutterstock, bearbeitet und übersetzt von Ben W. Frach

Typische Symptome bei Plantarfasziitis / Fersensporn

Bei Plantarfasziitis / Fersensporn klagen die betroffenen Patienten oft typische Symptome. Besonders häufig ist morgendlicher Anlaufschmerz im Fersenbereich. Die Beschwerden werden mit einigen Schritten etwas besser, kehren aber spätestens nach der nächsten Ruhephase wieder zurück. Sportlich aktive Menschen beschreiben vor allem beim Aufwärmen wiederkehrende Probleme, die sich bei Spitzenbelastung noch verstärken (z.B. beim Absprung oder Start-Stop Bewegungen).

Die meisten Patienten mit Plantarfasziitis sind zwischen 30 und 60 Jahre alt. Typische Sportarten sind: Laufsport, Rückschlagsportarten (Fußball, Basketball, Volleyball, Tennis, Badminton, Squash, etc) und Tanzsport.

Häufige Konstellationen bei Plantarfasziitis in unserer Praxis:

  • Überbelastung beim Laufsport mit verkürzter Wade
  • Senk-Spreizfuß und deutliche Gewichtszunahme
  • Senk-Spreizfuß mit Verschlechterung nach der Schwangerschaft

Allen Betroffenen gemeinsam: längere Aktivität mit Belastung der Ferse verursacht mehr Schmerzen. Je länger die Plantarfasziitis / Fersensporn besteht, desto früher kommen die Schmerzen. In ausgeprägten Fällen von Plantarfasziitis berichten die Patienten sogar von nächtlichen Fersenschmerzen.

Plantarfasziitis – wie schlimm ist es bei mir?

Zu Beginn der Erkrankung Plantarfasziitis treten die Fersenschmerzen erst nach einer intensiven Belastung auf und verschwinden über Nacht fast vollständig. In dieser Phase der Erkrankung kann innerhalb weniger Wochen eine deutliche Besserung der Beschwerden erreicht werden.

Werden die Fersenschmerzen über längere Zeit nicht behandelt, treten die Probleme bereits im Alltag, bei geringer Belastung oder schon während des Sports auf. Traingingseinheiten müssen abgebrochen werden und alltägliche Wege werden beschwerlich.

Bei sehr ausgeprägter Plantarfasziitis besteht ein quälender Dauerschmerz, vor allem in Ruhe und auch Nachts. Jeder Schritt ist unangenehm und es zeigen sich erste Folgen der ständigen Fehlbelastung – zum Beispiel neu aufgetretene Schmerzen an der Fußaußenseite. In dieser Phase der Erkrankung Plantarfasziitis ist eine schnelle Besserung nur selten zu erwarten. Bis zu einer ausreichenden Besserung dauert es viele Wochen. So eine Situation verlangt intensive und konsequente Therapie.

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Langzeitfolgen bei Plantarfasziitis

Viele Patienten versuchen den Fersenschmerz zu vermeiden und laufen (oft unbewußt) mehr auf der Fußaußenseite. Dadurch kommt es oft zu Folgeschmerzen am Fußaußenrand und im Bereich der kleinen Zehe. Auf Dauer werden durch die Fehlbelastung auch andere Körperregionen überlastet: es kann zu Beschwerden der Sprunggelenke und Knie, sowie Hüfte, ISG-Gelenk und Wirbeläule kommen.

Durch wiederholte Überbeanspruchung kann es zu einem Nervenengpass-Syndrom zwischen Fersenbein und Plantarfaszie kommen. Der betroffene Nerv versorgt einen Muskel auf der Außenseite des Fußes (M abductor digiti minimi) – durch den Nervenengpass spühren die Patienten plötzlich zusätzliche Schmerzen und Probleme auf der Fußaußenseite.

Diagnostik bei Plantarfasziitis und Fersensporn

Untersuchung in der Praxis

Die Diagnose Plantarfaszitis kann ein erfahrener Fußspezialist durch klinische Tests mit hoher Sicherheit bereits beim ersten Besuch in der Sprechstunde stellen. Neben dem sehr typischen Druckschmerz bei der ärztlichen Untersuchung kann mit hochauflösenden Ultraschallbildern die Veränderung der Plantarfaszie direkt nachgewiesen werden.

Ultraschall

Eine gesunde Plantarfaszie ist bei der Ultraschalluntersuchung etwa 3-4mm dick. Die entzündlich veränderte Plantarfaszie bei Plantarfasziitis / Fersensporn kann 6 bis 10mm erreichen! Mit spezialisiertem Doppler-Ultraschall (SMI) kann die akute Plantarfsziitis sehr gut bestätigt und von degenerativen Veränderungen der Plantarfaszie unterschieden werden.

Foto schwerer Knick-Plattfuß
schwerer Senk-Spreizfuß als mögliche Ursache einer Plantarfasziitis. Durch das Absinken des Fußlängsgewölbes entsteht bei jedem Schritt eine Zugbelastung der Plantarfaszie. Gleichzeitig kommt es dabei zu einer geringen Drehung der Ferse nach außen. Aus diesem Grund entstehen die Schmerzen bei Plantarfasziitis fast immer auf der Innenseite der Ferse.

Die eigentliche Schwierigkeit für den Fußspezialisten besteht jedoch darin, die Ursache der Erkrankung zu identifizieren. Bereits eingetretene Folgeprobleme (z.B. Stressfraktur des Fersenbeins) können entscheidend für die individuelle Therapie sein.

Röntgen und MRT

Eine mögliche Fehlstatik des Fußes kann mit Digitaler Volumentomografie sehr gut dargestellt werden. Diese innovative Technik nutzen wir regelmäßig als Alternative zum klassichen Röntgen mit sehr guten Erfolgen. Insbesondere Patienten mit Schmerzen über mehrere Monate trotz intensiver Therapie erfahren oft erst durch eine Digitale Volumentomografie die eigentliche Ursache Ihrer Problematik.

Um Stressfrakturen des Fersenbeins auszuschließen, nutzen wir regelhaft die MRT. Gleichzeitig können so weitere wichtige Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden.

Übrigens: „normales“ Röntgen führt nur in 2% der Patienten mit Plantarfaszitiis zu Erkenntnissen, die später die Behandlung beeinflussen (Schneider HP. et al., J Foot Ankle Surg 2018).

Früher hatte man bei Plantarfasziis häufig auf dem Röntgenbild einen kleinen knöchernen Sporn an der Ferse erkannt. Da man damals schlicht keine bessere Erklärung für die Schmerzen hatte, wurde dem Sporn die Verursachung der Schmerzen unterstellt – die Diagnose „Fersensporn“ war entstanden. Heute weiß man, dass der Fersensporn nicht die Ursache ist, sondern eine Folge der wiederholten Entzündung der Plantarfaszie darstellt.

Therapie Plantarfasziitis / Fersensporn

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk behandeln wir die Plantarfasziitis in drei wesentlichen Schritten:

  1. Suche nach der Ursache der Erkrankung
    Diese beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und beinhaltet auch die weiterführenden Untersuchungen, welche in der Regel bereits bei der Erstvorstellung in der Praxis durchgeführt oder zumindest initiiert werden können (Ultraschall, DVT, MRT, Pedobarografie).
  2. Kurzfristige Beschwerdelinderung
    Zum Beispiel mit Kinesiotape, Faszientherapie, Stoßwellentherapie, Kryotherapie, Silikonfersenpolster, speziellen Orthesen und/oder passiven Einlagen mit Silikonweichbettung. KEINE Injektionen mit Cortion!
  3. Mittel- und langfristige Beschwerdelinderung sowie Rezidivprophylaxe
    Hier kommen spezielle Physiotherapie-Programme (z.B. Spiraldynamik©), Aktiveinlagen, die elektronische Muskelstimulation oder auch Osteopathie-Konzepte zur Anwendung. Dazu besprechen wir mit jedem Patienten in der Praxis einen individuell angepassten Therapieplan.
Ein Fuß wird mit Stoßwellentherapie behandelt

Plantarfasziitis und Fersensporn – was tun bei ausbleibender Besserung trotz Therapie?

Eine operative Therapie der Plantarfasziitis ist nur in Ausnahmefällen notwendig. Nur bei unzureichender Beschwerdebesserung trotz konsequenter Therapie über 6-12 Monate kommt eine Operation in Frage. Vorher sollte jedoch die Diagnose und korrekte Therapie bei Plantarfasziitis / Fersensporn durch einen Fußspezialisten bestätigt werden.

Bei ausbleibender Besserung stehen zwei Fragen im Vordergrund:

  • wurde die Therapie individuell auf die Probleme des Patienten abgestimmt? Nicht vergessen: die Ursache der Plantarfasziitis muß behoben werden!
  • wurden nach ausbleibender Besserung seltene Differentialdiagnosen im MRT und DVT ausgeschlossen? Manaches Mal werden ähnliche Beschwerden wie bei Plantarfasziitis und Fersensporn auch von anderen, schwer zu diagnostizierenden Erkrankungen ausgelöst.

Egänzende Therapiemethoden bei Plantarfasziitis

Grundsätzlich sind wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk bei alternativen Therapiemethoden der Plantarfazsiits sehr zurückhaltend.

Viele ärztliche Kollegen bieten Methoden wie Laserakupunktur, platelet rich plasma (PRP) oder Magnetfeldtherapie an. Hier gibt es aus unserer Sicht kein überzeugendes Erklärungsmodell und keine ausreichenden Daten zum Therapieerfolg bei Plantarfasziitis.

Ein nach unserer Meinung vielversprechendes Konzept mit gutem biomechanischem Erklärungsmodell ist die Injektion mit Botulinumtoxin. Aber auch hier sind die im Moment zur Verfügung stehenden wisssenschaftlichen Daten noch lückenhaft. Daher wird diese Therapieform von uns nur als Ergänzung bei ausbleibener Besserung empfohlen.

Dabei werden nach frühestens 6 Monaten konzequenter Umsetzung der individuell angepassten Therapie dann je 100 IE Botox im medialen und lateralen Gastrognemius Muskel und weitere 50 IE direkt am Ursprung der Plantarfaszie injiziert.

Operation bei Plantarfasziitis / Fersensporn

Grundsätzlich stehen mehrere OP Methoden bei chronifizierter Plantarfasziitis zur Auswahl. Für jeden Patienten muss abhängig von der Ursache der Beschwerden die richtige Methode eingesetzt werden:

  • wurde keine ausreichende Dehnung von Wade und Plantarfaszie erreicht, kann über einen kleinen Schnitt in der Mitte der Wade eine Sehnenplatte durchtrennt werden (Strayer-OP). Dadurch werden Ferse und Plantarfaszie effektiv entlastet. Diese Op Methode ist besonders für übergewichtige Patienten geeignet.
  • ist ein sehr großer knöcherner Sporn entstanden, der zu direkten mechanischen Problemen führt, sollte dieser Sporn entfernt werden Diese Situation stellt eine absolute Ausnahme dar!
  • ist eine ausgeprägte Fehlstellung Ursache der Beschwerden (Knick-Senkfuß, TMT 1 Instabilität, ausgeprägter Spreizfuß mit Hallux Valgus) muss die korrekte Stellung der Knochen zueinander wieder hergestellt werden.
  • In vielen Fällen kommt das Release der Plantarfaszie mit Dekompression des lokalen Nerven als OP Methode zum Einsatz.

Release der Plantarfaszie

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk bevorzugen wir als OP-Methode zum Release der Plantarfaszie die partielle Fasziotomie mit zusätzlicher Dekompression des Nerven zum Fußaußenrand. Dabei wird über einen circa 4cm bogenförmigen Hautschnitt hinter und unter dem Innenknöchel etwa die Hälfte der Plantarfaszie quer durchtrennt und ein schmaler Streifen entfernt.

In geeigneten Fällen führt Dr. Böhr die partielle Fasziektomie auch als minimalinvasiven Eingriff durch. Hier kommen vor allem Patienten mit chronischer Plantarfasziitis ohne Beteiligung des Nerven zum Fußaußenrand und mit nur kleinem knöchernem Fersensporn in Frage.

Die arthroskopische OP-Methode zur hälftigen Ablösung der Plantarfaszie nutzen wir nicht mehr. Nach unserer Einschätzung überwiegen die erheblichen Risiken gegenüber möglichen Vorteilen.