Operation bei Plantarfasziitis & Fersensporn

Kurzantwort:
Die meisten Plantarfasziitis-Patienten brauchen keine Operation. Eine OP kommt erst in Frage, wenn eine gründliche Ursachenanalyse und individuell angepasste konservative Therapie über mehrere Monate ohne ausreichende Besserung geblieben ist. Das betrifft nach unserer Erfahrung weniger als 1% aller von Plantarfasziitis bertroffenen Patienten.

Inhaltsverzeichnis

Die meisten Patienten mit Plantarfasziitis oder Fersensporn brauchen keine Operation! Fast immer kann mit genauer Analyse und vom Fußspezialisten individuell angepasster Therapie eine Schmerzlinderung ohne Operation erreicht werden. Lesen Sie mehr dazu auf unserer ausführlichen Seite zu Plantarfasziitis und Fersensporn.

Für welche Patienten kommt eine Operation bei Plantarfasziitis in Frage?

Patienten mit Plantarfasziitis ohne relevante Besserung nach dem ersten Behandlungsversuch sollten zunächst prüfen, ob ausreichend gründlich nach einer möglichen Ursache gesucht wurde. Falls hier Zweifel bestehen, sollte ein Spezialist für Fuß und Sprunggelenk kontaktiert werden. Falls trotz gründlicher Analyse und individueller Therapie über mehrere Monate keine Besserung eintritt, kann eine Operation in Frage kommen.

Plantarfasziitis - wann ist eine Operation notwendig?
Typische Schmerzen bei chronischer Plantarfasziitis unter der Fußsohle – manches Mal auch mit Ausstrahlung über die Ferse Richtung Wade und in den Vorfuß.

Vor einer Operation: Checkliste für die Entscheidung

Bevor eine Operation bei Plantarfasziitis erwogen wird, sollte geprüft sein, ob die Diagnose sicher ist und ob die Ursachen der Überlastung ausreichend identifiziert und behandelt wurden. Eine kompakte Einordnung zu Diagnostik und konservativen Optionen finden Sie hier: Plantarfasziitis/Fersensporn: Ursachen, Diagnostik & Therapie (Übersicht). Häufig lässt sich durch einen konsequent individuell angepassten Therapieplan eine deutliche Besserung ohne OP erreichen.

Checkliste:

  • Diagnose gesichert? (typisches Beschwerdebild + Untersuchung; ggf. hochauflösender Ultraschall / weitere Diagnostik je nach Verlauf)
  • Ursache geklärt? (z. B. Wadenverkürzung, Fehlstellung, Überlastung)
  • Konservativer Therapieplan konsequent umgesetzt? (über einen ausreichend langen Zeitraum, z.B. mehr als 3 Monate). Ein zentraler Bestandteil ist dabei ein konsequentes Eigenübungsprogramm – starten Sie gern mit unseren 3 einfachen Übungen bei Plantarfasziitis. Hier finden Sie das strukturierte Vorgehen: Therapieplan Plantarfasziitis/Fersensporn (Stufenplan).
  • Differentialdiagnosen bedacht? (wenn Verlauf atypisch oder ausbleibende Besserung)

Sie wünschen eine Zweitmeinung oder eine strukturierte Abklärung? Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Privatpraxis.

Wo passt eine OP in den Stufenplan?

Eine Operation ist bei Plantarfasziitis nur in ausgewählten Ausnahmefällen sinnvoll. Sie kommt typischerweise erst dann infrage, wenn trotz gründlicher Ursachenanalyse und individuell angepasster konservativer Therapie über mehrere Monate keine relevante Besserung eintritt.

Wie wird Plantarfasziitis operiert?

Bei chronifizierter Plantarfasziitis kommen – abhängig von Ursache und Begleitbefunden – unterschiedliche OP-Verfahren in Betracht:

  • Strayer-OP (Gastrocnemius-Release): Wenn trotz Therapie keine ausreichende Dehnung von Wade und Plantarfaszie erreicht wird, kann über einen kleinen Schnitt in der Wade eine Sehnenplatte durchtrennt werden. Dadurch werden Ferse und Plantarfaszie effektiv entlastet. (In unserer Erfahrung besonders relevant bei Patient:innen mit Übergewicht.)
    Umso wichtiger ist vor einem operativen Schritt, die Waden- und Plantarfaszien-Dehnung konsequent auszuschöpfen – dazu eignen sich unsere 3 einfachen Übungen bei Plantarfasziitis.
  • Abtragung eines sehr großen knöchernen Sporns: Nur wenn ein ausgeprägter Sporn zu direkten mechanischen Problemen führt – absolute Ausnahme.
  • Korrektur von Fehlstellungen: Wenn eine deutliche Fehlstellung (z. B. Knick-Senkfuß, TMT-1-Instabilität, ausgeprägter Spreizfuß mit Hallux valgus) ursächlich ist, kann die Wiederherstellung der korrekten Knochenstellung notwendig sein.
  • (Partielles) Release der Plantarfaszie ± Nervendekompression: In vielen Fällen ist dies die bevorzugte OP-Option – abhängig von der individuellen Situation.

Release der Plantarfaszie

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk bevorzugen wir als OP-Methode zum Release der Plantarfaszie die partielle Fasziotomie mit zusätzlicher Dekompression des Nerven zum Fußaußenrand. Dabei wird über einen circa 4 cm bogenförmigen Hautschnitt hinter und unter dem Innenknöchel etwa die Hälfte der Plantarfaszie quer durchtrennt und ein schmaler Streifen entfernt.

In geeigneten Fällen führt Dr. Böhr die partielle Fasziektomie auch als minimalinvasiven Eingriff (siehe unten: NEU: Minimalinvasive Technik mit der Shannon-Fräse) durch. Hier kommen vor allem Patienten mit chronischer Plantarfasziitis ohne Beteiligung des Nerven zum Fußaußenrand und mit nur kleinem knöchernem Fersensporn in Frage.

Die arthroskopische OP-Methode zur hälftigen Ablösung der Plantarfaszie nutzen wir nicht mehr. Nach unserer Einschätzung überwiegen die erheblichen Risiken gegenüber möglichen Vorteilen.

NEU: Minimalinvasive Technik mit der Shannon-Fräse (MIS)

In geeigneten Fällen führen wir das partielle Release der Plantarfaszie sowie – wenn erforderlich – die gleichzeitige Abtragung eines knöchernen Fersensporns als minimalinvasiven Eingriff mit einer speziellen Rotationsfräse (Shannon-Fräse) durch. Diese Technik unterscheidet sich grundlegend von der endoskopischen Methode: Es wird keine Kamera eingeführt, der Eingriff erfolgt stattdessen unter kontinuierlicher Bildwandlerkontrolle (Röntgen-Durchleuchtung) durch einen einzigen ca. 2–3 mm kleinen Hautschnitt.

Die Shannon-Fräse ist ein rotierendes Schneidinstrument mit seitlicher Schneide, das speziell für die minimalinvasive Knochenchirurgie am Fuß entwickelt wurde. Sie arbeitet mit niedrigen Umdrehungszahlen und hohem Drehmoment, was die Wärmeentwicklung am Knochen minimiert und das umliegende Weichteilgewebe schont. Über den perkutanen Zugang kann die Plantarfaszie am Ansatz am Fersenbein dosiert und kontrolliert gelöst werden – und in einem Arbeitsgang kann ein vorhandener Fersensporn durch gezieltes Abfräsen unter Bildwandlerkontrolle entfernt werden.

Für welche Patienten ist diese Technik geeignet?

  • Chronische Plantarfasziitis ohne Beteiligung des Nervs zum Fußaußenrand (N. suralis/Baxter-Nerv)
  • Vorhandener knöcherner Fersensporn, der eine mechanische Reizrolle spielt
  • Patienten, bei denen kein ausgedehnter offener Zugang erforderlich ist
  • Geeignete Körperproportion und Befundkonstellation (Beurteilung im Rahmen der OP-Planung)

Vorteile gegenüber dem offenen Vorgehen

  • Sehr kleiner Hautschnitt – minimales Wundrisiko
  • Geringeres Weichteiltrauma im Vergleich zum offenen Zugang
  • Keine Notwendigkeit einer Kamera (kein endoskopisches Equipment)
  • Zuverlässige intraoperative Lagekontrolle durch Bildwandler
  • Erfahrungsgemäß rascheres Abklingen der postoperativen Schwellung

Wichtig: Der minimalinvasive Zugang und die minimalinvasive OP Methode bei Plantarfasziitis & Fersensporn sind nicht in jedem Fall die bessere Wahl. Liegt zusätzlich ein eingeklemmter Nerv vor, ist ein offenes Vorgehen mit direkter Darstellung der anatomischen Strukturen die sichere Methode. Die Entscheidung treffen wir individuell – auf Basis von Befund, Bildgebung und OP-Planung.

FAQ

Wann ist eine Operation bei Plantarfasziitis überhaupt sinnvoll?

In den meisten Fällen ist keine Operation nötig. Eine OP wird eher dann erwogen, wenn trotz gründlicher Ursachenanalyse und individuell angepasster konservativer Therapie über mehrere Monate keine relevante Besserung erreicht wird.

Welche OP-Methoden gibt es?

Je nach Ursache kommen unterschiedliche Verfahren infrage, z. B. ein Gastrocnemius-Release (Strayer-OP), selten die Abtragung eines sehr großen Sporns, Fehlstellungskorrekturen oder ein partielles Release der Plantarfaszie ggf. mit zusätzlicher Nervendekompression.

Was ist mit „Release der Plantarfaszie“ gemeint?

Mit „Release“ ist eine (partielle) Entlastung der Plantarfaszie gemeint. Dabei wird die Plantarfaszie über einen kleinen Zugang teilweise gelöst, um Zug und Spannung am schmerzhaften Ansatz unter der Ferse zu reduzieren. In ausgewählten Fällen kann zusätzlich eine Dekompression eines lokal gereizten Nerven sinnvoll sein – abhängig von Befund und Schmerzverteilung.

Warum wird die arthroskopische Methode nicht mehr empfohlen?

Die arthroskopische (endoskopische) hälftige Ablösung der Plantarfaszie wird heute von vielen Operateuren deutlich zurückhaltender bewertet. In unserer Einordnung überwiegen dabei die möglichen Risiken gegenüber dem erwartbaren Nutzen. Deshalb bevorzugen wir – falls überhaupt operiert werden muss – individuell passende, risikoärmere Alternativen (z. B. ein gezieltes partielles Release oder ein Gastrocnemius-Release), abhängig von Ursache und Begleitbefunden.

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Fazit

Eine Operation bei Plantarfasziitis ist die große Ausnahme, nicht die Regel. Sie kommt erst dann in Betracht, wenn Diagnose und Ursachen sorgfältig abgeklärt wurden und eine individuell angepasste konservative Therapie über mehrere Monate keine ausreichende Verbesserung gebracht hat. Wer sich unsicher ist, ob alle Optionen ausgeschöpft wurden, sollte eine fachärztliche Zweitmeinung beim Fußspezialisten einholen.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026