Hohlfuß
Kurz zusammengefasst:
Der Hohlfuß ist eine oft übersehene Fehlstellung des Fußes, bei der das Längsgewölbe zu stark ausgeprägt ist und der Fuß unter Belastung ungünstig abrollt. Typisch sind ein hoher Spann, Schmerzen im Vorfuß, Beschwerden an den Sesambeinen, Überlastungen an der Außenseite der Ferse sowie Folgeprobleme wie Hallux valgus, Krallenzehen oder Plantarfasziitis. Entscheidend ist, den Hohlfuß nicht nur als Nebenbefund zu sehen, sondern als mögliche Ursache vieler wiederkehrender Beschwerden an Fuß und Sprunggelenk.
Inhaltsverzeichnis
Ursache und Krankheitsbild
Der milde Hohlfuß oder Ballenhohlfuß ist eines der am häufigsten übersehenen Probleme in der Fußorthopädie. Es handelt sich fast immer um eine angeborene Fehlstellung beider Füße. Ursache ist, dass der Mittelfußknochen der Großzehe sehr kurz und steil verläuft. Dadurch entsteht ein „hoher Spann“ und eine viel zu frühe Verblockung der Mittelfußknochen beim Abrollen. So kommt es zu einer schmerzhaften Überlastung des Großzehengrundgelenkes und der Sesambeine. Oft zeigt sich dies zu Beginn als Knochenmarkoedem im MRT.

Als Folge der verblockten Mittelfußknochen dreht sich die Ferse bei jedem Schritt etwas zu sehr nach innen (Fersenvarus). Es entsteht eine schmerzhafte Überlastung an der Außenseite der Ferse im Bereich des Achillessehnenansatzes, vergleichbar mit einem Haglund Syndrom.
Hallux Valgus bei Hohlfuß
Mit der dauerhaften Überlastung entwickelt sich eine Spreizfußfehlstellung: der Fuß wird breiter, die Schuhgröße nimmt etwas zu und ein Hallux Valgus kann entstehen. Als Folge dieser Veränderungen zeigt sich oft eine Plantarfasziits mit Schmerzen an der Ferse als erstes schmerzhaftes Symptom des Hohlfußes überhaupt.
Patienten klagen häufig über Schuhprobleme wegen „sehr hohem Spann“ oder Kribbeln auf dem Fußrücken in bestimmten Schuhen. Bei sehr lange bestehender Hohlfußfehlstellung entstehen schmerzhafte Krallenzehen, die zu sehr störenden Konflikten im Schuh führen können.
Unterscheiden muss man den hier beschriebenen milden Hohlfuß (oder: Ballenhohlfuß) vom schweren Hackenhohlfuß, der oft als Folge von neurologischen Erkrankungen z.B. nach Poliomyelitis entsteht.
Therapie Hohlfuß
Wichtigster Teil der Therapie ist es, den Hohlfuß überhaupt als ursächliches Problem zu erkennen. Neben der klinischen Untersuchung (z.B. Coleman Block Test) nutzen wir dafür die Digitale Volumentomografie zur dreidimensionalen Darstellung der Fußstatik unter Belastung.
Aufrichtung der Rückfußachse im Coleman Block Test bei Hohlfußpatienten:


Ursache des Hohlfußes therapieren
Zu Beginn steht für Patienten oft die Therapie der Folgeprobleme des Hohlfußes im Vordergrund: Hallux Valgus, Plantarfasziitis, Krallenzehen oder Überlastung der Achillessehne. Von Beginn an muß aber auch der Hohlfuß als eigentliche Ursache der Probleme mit therapiert werden.
Für die Therapie des milden Hohlfußes nutzen wir zu Beginn probatorisch die Kinesiotape-Therapie und speziell angefertigte passive Hohlfußeinlagen. Dies ist oft sehr zeitaufwändig, da die Hohlfußeinlagen für jeden Patienten individuell angepasst werden müssen.
Eine operative Therapie der Hohlfußfehlstellung kommt auch beim milden Hohlfuß in Frage. Oft ist es nötig die bereits entstandenen Folgeprobleme wie den Hallux Valgus oder die Krallenzehen operativ zu therapieren.
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Operative Therapie bei Hohlfuß
Bei der Operation des Ballenhohlfußes stehen zwei Ziele im Vordergund:
- Die ursächliche knöcherne Fehlstellung verbessern: Dazu nutzt Dr. Böhr häufig die valgisierende Fersenosteotomie (modifizierte Dwyer-OP) und die knöcherne Keilentnahme am os cuneifomre mediale (reversed Cotton-Osteotomie)
- Die Folgeschäden des Hohlfußes beseitigen: Häufig sind dies Eingriffe an Krallenzehen oder bei chronischer Instabilität am oberen Sprunggelenk. Oft ist eine Spreizfußkorrektur ähnlich der OP bei Hallux Valgus Fehlstellung notwendig.
Sind bereits überlastungsbedingte Schäden an den Peronealsehnen oder der Achillessehne entstanden, kann auch hier im Einzelfall ein operativer Eingriff helfen. Dabei immer im Vordergrund: die Ursache (also die Fehlstellung der Fußknochen) muss beseitigt werden, sonst ist der Rückfall vorprogrammiert.
Weiterführende Informationen zum Hohlfuß
Häufige Folgeprobleme & Nachbarthemen
Diagnostik
- MRT im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk
- Digitale Volumentomografie (DVT)
- Diagnostik & Therapie an Fuß und Sprunggelenk
Behandlung & Überblick
Häufige Fragen zum Hohlfuß
Was ist ein Hohlfuß?
Ein Hohlfuß ist eine Fehlstellung, bei der das Fußgewölbe zu stark ausgeprägt ist. Dadurch verändert sich die Belastung beim Gehen und es kann zu Schmerzen im Vorfuß, an der Ferse oder an den Zehen kommen.
Welche Beschwerden macht ein Hohlfuß?
Typisch sind ein hoher Spann, Schmerzen unter dem Vorfuß, Überlastungen im Bereich der Sesambeine, Beschwerden an der Außenseite der Ferse sowie Schuhprobleme. Im Verlauf können auch Hallux valgus, Krallenzehen oder Plantarfasziitis auftreten.
Warum wird ein Hohlfuß so oft übersehen?
Ein milder Hohlfuß wirkt von außen oft unscheinbar. Viele Betroffene werden deshalb zunächst nur wegen der Folgeprobleme behandelt, obwohl die eigentliche Ursache in der Fußfehlstellung liegt.
Welche Diagnostik ist bei Hohlfuß sinnvoll?
Wichtig sind die klinische Untersuchung, die Beurteilung der Rückfußachse und je nach Fragestellung eine belastete Bildgebung, zum Beispiel mit DVT. So lässt sich besser erkennen, wie stark die Fehlstellung ist und welche Folgeprobleme bereits entstanden sind.
Muss ein Hohlfuß immer operiert werden?
Nein. Zunächst kommen meist konservative Maßnahmen wie individuell angepasste Einlagen, Tape-Therapie und die Behandlung der Folgeprobleme infrage. Eine Operation wird vor allem dann relevant, wenn die Fehlstellung deutlich ist oder Beschwerden trotz gezielter Therapie bestehen bleiben.
Kann ein Hohlfuß Hallux valgus oder Krallenzehen auslösen?
Ja. Ein Hohlfuß kann die Belastung im Vorfuß deutlich verändern und dadurch die Entstehung von Hallux valgus, Krallenzehen und weiteren Überlastungsproblemen begünstigen.
Fazit
Ein Hohlfuß ist mehr als nur ein auffällig hohes Fußgewölbe. Die Fehlstellung kann Auslöser für wiederkehrende Schmerzen im Vorfuß, an der Ferse oder im Bereich der Zehen sein und begünstigt häufig Folgeprobleme wie Hallux valgus, Krallenzehen oder Plantarfasziitis. Entscheidend ist deshalb, nicht nur einzelne Beschwerden zu behandeln, sondern die zugrunde liegende Fußform gezielt zu untersuchen. Je nach Ausprägung kommen konservative Maßnahmen oder eine operative Korrektur infrage.
Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026