Hammerzehe / Krallenzehe

Fehlstellungen, Druckstellen und Schmerzen der Kleinzehen haben viele Namen. Die Begriffe Hammerzehe und Krallenzehe beschreiben die häufigsten Probleme unserer Patienten am besten. Fehlstellungen einzelner Zehen ohne erkennbare Ursache sind selten. Meist sind Hammerzehen und Krallenzehen die Folge einer Funktionsstörung des gesamten Fußes. Mit fortschreitendem Alter ist oft eine zunehmende Fehlstellung der Zehen zu beobachten. Krumme Zehen alleine sind kein Grund für eine Therapie – jedoch nur solange die Zehen keine Probleme bereiten.

Krallenzeh der zweiten Zehe
Krallenzehe der zweiten und dritten Zehe mit Klavus / Hühnerauge über dem PIP-Gelenk der zweiten Zehe © paulaah293

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Ursachen und Krankheitsbild

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk legen wir großen Wert darauf, die Ursache von Hammerzehen und Krallenzehen möglichst exakt zu verstehen. Denn nur so hat man eine Chance, dauerhaft Abhilfe zu schaffen!

Die häufigste Ursache für Hammerzehe und Krallenzehe ist ein Spreizfuß mit Hallux Valgus Fehlstellung. Die Kleinzehen werden durch die „krumme Großzehe“ bei jedem Schritt weiter in eine Fehlstellung gedrängt. Das führt dann zum Konflikt in geschlossenen Schuhen mit Schmerzen, „Hühneraugen“, dauerhafter Verformung und im schlimmsten Fall offenen Wunden.

Bei einem Spreizfuß entsteht zudem häufig eine Überlastung der Mittelfußköpfchen im Bereich der Fußsohle – die Transfermetatarsalgie. Eine solche immer wiederkehrende Entzündung schädigt Strukturen, deren Aufgabe die Stabilisierung der Kleinzehen ist. So kann es vorkommen, dass nach mehreren Wochen Schmerzen unter den Kleinzehen die Schmerzen besser werden – aber plötzlich eine der Zehen hochsteht und nicht mehr den Boden berührt.

Neben Hammerzehen und Krallenzehen bei Hallux Valgus gibt es eine große Bandbreite biomechanisch zum Teil hochkomplexer Situationen, die zur Fehlstellung der Kleinzehen führen. Die Ursachen sind sehr vielfältig und reichen von angeborenen Fehlbildungen (z.B. griechische Fußform) über Unfallfolgen bis hin zu Sehnenschäden, Muskelverkürzungen und neurologischen Erkrankungen. In allen Fällen gilt: Je genauer die Ursache bekannt ist, desto besser können wir zusammen mit unseren Patienten eine zielgerichtete Lösung erarbeiten.

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Defintion Hammerzehe / Krallenzehe

Hauptmerkmal der Hammerzehe ist eine verstärkte Beugung im Zehenmittelgelenk (PIP-Gelenk). Durch diese vermehrte Beugung wird das Zehenmittelgelenk nach oben gedrückt und es entstehen Druckstellen im Schuh auf der Oberseite des Zehs.

Unterscheiden muss man zwischen flexiblem und rigidem Hammerzeh. Ein flexibler Hammerzeh kann vom Untersucher vollständig in die Neutralstellung gebracht werden. Beim rigiden Hammerzeh ist dies nicht mehr möglich und der Zeh läßt sich auch bei der Untersuchung im Zehenmittelgelenk nicht vollständig strecken.

Wichtigstes Merkmal einer Krallenzehe ist die Überstreckung im Zehengrundgelenk. Dadurch kann die Zehenspitze nicht mehr den Boden berühren. Oft entstehen in dieser Situation zusätzliche Probleme im Mittelgelenk und Endgelenk der Zehe. Deshalb sind bei der Korrektur einer Krallenzehe häufig mehrere OP-Schritte an unterschiedlichen Zehengelenken notwendig.

Der Begriff Klauenzehe (englisch: claw-toe) wird heute mit dem Wort Krallenzehe häufig synonym verwendet.

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Seltenere Kleinzehenfehlstellungen

  • distale Hammerzehe / Mallet-Zehe: Fehlstellung mit zu starker Beugung im Zehenendglied (DIP-Gelenk)
  • Digitus superductus / crossover Zehe: Eine Zehe schiebt sich über eine andere Zehe – meist mit Ruptur der plantaren Platte
  • Deltaphalanx / true angled Toe: angeborene knöcherne Achsabweichung der Zehe – im DVT sehr gut zu erkennen
  • Splay Toe: kombinierte Fehlstellung zweier benachbarter Zehen (meist 2. & 3. Zehe) mit V-förmiger Verbreiterung des Zehenzwischenraums
Mallet Zehe der zwieten und dritten Zehe ©sruilk
Mallet-Zehe der zweiten Zehe und Deltaphalanx der dritten Zehe ©sruilk

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Therapiemöglichkeiten

Hammerzehen und Krallenzehen können zu Beginn oft ohne Operation behandelt werden. Dabei stehen die passgenaue Einlagenversorgung, die individuelle Schuhberatung, Schuhzurichtungen und die mechanische Druckentlastung im Vordergrund. Vor allem ältere Patienten kommen so oft gut zurecht. Wichtigster Teil der konservativen Therapie ist immer die Ursache zu identifizieren und wann immer möglich in die Behandlung einzubeziehen.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin!
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Tel. 030 – 34 39 59 47

Operationen an den Kleinzehen sind häufige Eingriffe im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk. Je nach Ursache und Ausprägung kommen vor allem die PIP-Arthrodese, die Weil-Osteotomie, die Stainsby-OP und der FDL-Sehnentransfer zum Einsatz. Um die eigentliche Ursache zu beheben, ist oft ein begleitender Eingriff an der Großzehe notwendig. Bei der individuellen Auswahl der notwendigen OP-Technik halten wir uns streng an die Empfehlungen der beiden großen deutschen Fachgesellschaften für Fußchirurgie (DAF & GFFC), um überflüssige Eingriffe zu vermeiden.

Die früher häufig durchgeführte Hohmann-Operation kommt in unserem Zentrum nur noch sehr selten zum Einsatz. Hintergrund ist, dass mit der Hohmann-OP die eigentliche Ursache der Problematik (Ungleichgewicht zwischen Strecksehne und Beugesehnen) nicht behoben wird. Außerdem kommt es durch die Hohmann-Operation zu einer Instabilität der Zehe, was bei Patienten zu dauerhaftem Schuhkonflikt führen kann.

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Operationen an den Kleinzehen

FDL-Sehnentransfer

FDL-Transfer bedeutet Verlagerung einer Sehne und kommt bei flexiblen Hammerzehen oft und erfolgreich zum Einsatz. So können Eingriffe am Knochen wie die PIP-Arthrodese vermieden werden.

Beim FDL-Transfer wird die lange Beugesehne (FDL) der Zehe vom Endglied auf das Grundglied der selben Zehe verlagert. Mit diesem Eingriff übernimmt die Sehne eine neue Funktion und wirkt nun der Ausbildung einer Hammerzehe entgegen. Durch das verlagern der FDL-Sehne verliert man zwar die Kontrolle über die Beugung des Zehenendgliedes. Diese Einschränkung kann aber unter funktionellen Gesichtspunkten vernachlässigt werden und wird von den meisten Patienten nicht als störend beschrieben.

Keypoints FDL-Sehnentransfer

Klinik: ambulant
Implantat: nicht erforderlich
Stabilität: übungsstabil im Shortwalker
Nachbehandlung: Gehstützen und Shortwalker
Dauer der Nachbehandlung: 4-6 Wochen
Materialentfernung: nicht erforderlich

PIP-Arthrodese

PIP-Arthrodese bedeutet operative Versteifung des Zehenmittelgelenks. Diese sehr bewährte OP-Methode nutzen wir oft erfolgreich bei kontrakter und teilkontrakter Hammerzehe.

Bei der PIP-Arthrodese wird das Zehenmittelgelenk (PIP) durch den Fußchirurgen bewußt entfernt. Dadurch ist die betroffene Zehe etwas kürzer und kann wieder in die korrekte Position eingestellt werden. Nun werden die Knochen mit einem Implantat verbunden und sollen in der neuen Postion zusammenwachsen. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir für diesen Zweck intramedulläre Implantate. Dadurch kann eine Materialentfernung oft vermieden werden.

Keypoints PIP-Arthrodese

Klinik: ambulant (mit Hallux Valgus Korrektur: stationär)
Implantat: intramedullärer Kraftträger
Stabilität: übungsstabil im Shortwalker
Nachbehandlung: Gehstützen und Shortwalker
Dauer der Nachbehandlung: 4-6 Wochen
Materialentfernung: sehr selten

Weil-Osteotomie

Eine Weil-Osteotomie kommt regelmäßig bei der operativen Korrektur von Krallenzehen zum Einsatz. Auch bei ausgeprägter Störung des metatarsalen Alignements wird die Weil-Osteotomie erfolgreich genutzt.

Bei der Weil-Osteotomie werden zunächst die Verwachsungen rund um das Gelenk gelöst. Danach kann mit einem Sägeschnitt das Mittelfußköpfchen verschoben und mit einer kleinen Schraube in der neuen Postion befestigt werden. Dadurch können vormals luxierte Krallenehen wieder im Mittelfußgelenk korrekt eingestellt werden. Die oft zusätzlich vorhandene Überlänge des Mittelfußknochens wird dadurch ebenfalls beseitigt.

Keypoints Weil-Osteotomie

Klinik: ambulant (mit Hallux Valgus Korrektur: stationär)
Implantat: Schraube
Stabilität: übungsstabil im Shortwalker
Nachbehandlung: Gehstützen und Shortwalker
Dauer der Nachbehandlung: 4-6 Wochen
Materialentfernung: bei einigen Patienten notwendig

Stainsby-OP

Die Stainsby-OP nutzen wir in unserem Zentrum zur Therapie bei schwerer Arthrose der Mittelfußgelenke, z.B. bei ausgeprägtem Morbus Köhler 2 oder nach einem Unfall. Auch als Lösung bei fehlgeschlagenen Voroperationen der Kleinzehen kommt die Stainsby-OP in Frage. Ausgeprägte Fehlstellungen der Kleinzehe bei Läsionen der plantaren Platte können ebenfalls erfolgreich mit der Stainsby-OP therapiert werden.

Bei der Stainsby-Operation wird die Basis des Zehengrundglieds entfernt und an dessen Stelle ein Teil der Strecksehne als Platzhalter eingebracht. Die Zehe verliert dadurch an Stabilität, schwere Fehlstellungen und Schmerzen können aber mit Erfolg behoben werden. Bei der Stainsby-OP kommen keine Schrauben oder Platten zum Einsatz. Aus diesem Grund wird der operierte Zeh mit einem Draht für 4-6 Wochen in korrigierter Position gehalten. Das kosmetische Ergebnis nach einer Stainsby-OP wird von den meisten Patienten als mindestens zufriedenstellend beschrieben.

Keypoints Stainsby-OP

Klinik: ambulant (mit Hallux Valgus Korrrektur: stationär)
Implantat: K-Draht für 4-6 Wochen
Stabilität: übungsstabil im Shortwalker
Nachbehandlung: Gehstützen und Shortwalker
Dauer der Nachbehandlung: 6 Wochen
Materialentfernung: K-Draht Entfernung nach 4-6 Wochen in der Praxis

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