Schwerer Knick-Plattfuß

Ursache und Krankheitsbild

Der schwere Knick-Plattfuß ist eng mit dem Tibialis Posterior Syndrom verbunden. Neben angeborenen Fehlstellungen und Unfallfolgen ist der Funktionsverlust der Tibialis Posterior Sehne die weitaus häufigste Ursache für einen schweren Knick-Plattfuß.

Foto schwerer Plattfuß
Schwerer Knick-Plattfuß

Es kommt zum deutlichen Abflachen des medialen Fußgewölbes (Plattfuß) und zum Wegknicken von Ferse und Achillessehne in Richtung Außenknöchel (Knickfuß). Wird diese Fehlstellung länger nicht korrigiert, verkürzen sich zusätzlich Wadenmuskulatur und Achillessehne. Dadurch wird wiederum die Knickstellung der Ferse verstärkt – ein Teufelskreis ist entstanden.

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Untersuchung bei Knick-Plattfuß

Bei der Untersuchung findet man eine Schwellung hinter und unter dem Innenknöchel, Schmerzen beim Ein-Bein-Zehenstand (single heel rise test) und typischerweise eine Abweichung der kleinen Zehen nach außen (too many toes sign). Ist die Fehlstellung schon weit fortgeschritten, entsteht ein Impingement zwischen Fersenbein und Außenknöchel: Der Schmerz wandert dann von der Innenseite auf die Außenseite des Fußes.

Therapie schwerer Knick-Plattfuß

Wichtigstes Therapieziel ist, die Funktion der Tibialis Posterior Sehne zu erhalten. Im Anfangsstadium kann das noch mit funktionell-konservativen Maßnahmen ohne Operation möglich sein. Feste knöchelübergreifende Schuhe kommen ebenso zum Einsatz wie passive Einlagen mit überhöhter Senkfußpelotte, Kinesiotape-Therapie und entzündungshemmende Medikamente. Injektionen mit Kortison sollten unbedingt vermieden werden, um die Sehne nicht noch zusätzlich zu schädigen.

Passive Einlage IGLI Fa Medi
Typische passive Einlage bei Knick-Plattfuß

Operation bei Knick-Plattfuß

Je deutlicher die Fehlstellung und je klarer Risse in der Tibialis Posterior Sehne vorliegen, desto drängender ist eine operative Therapie. In so einer Situation sollte unbedingt ein Fußspezialist um Rat gefragt werden! Denn je länger die Fehlstellung besteht, desto größer sind später die Einschränkungen.

Achskorrektur bei Knick-Plattfuß

Wann immer möglich soll gelenkerhaltend operiert werden. Ziel der Operation ist die Fehlstellung der Knochen zu korrigieren und die Führung des Fußes durch Sehnen und Bänder zu verbessern. Dabei wird für jeden Patienten individuell geprüft, welche OP Teilschritte erforderlich sind.

Häufige OP-Schritte zur Korrektur des Knick-Plattfußes

Neben einer Achskorrektur an der Ferse (varisierende Fersenosteotomie / Dwyer-OP oder lateral verlängernde Fersenosteotomie / Evans-OP) ist oft ein Eingriff am Mittelfuß (Cotton Osteotomie, TMT Arthrodese) notwendig. Dies wird begleitet von Weichteileingriffen am Pfannenband, an der Tibialis Posterior Sehne (Sehnentransfer FDL oder FHL) und falls nötig im Bereich der Achillessehne (Strayer-OP).

Knickfuß und TMT 1 post OP
OP von Dr. Böhr bei schwerem Knick-Plattfuß: varisierende Fersenosteotomie, FDL-Transfer, Pfannenbandplastik und TMT 1 Arthrodese 6 Wochen nach OP

Therapie bei sehr ausgeprägtem Knick-Plattfuß

In ausgeprägten Fällen entsteht aufgrund der dauerhaften Fehlstellung eine Arthrose – dann kommen Gelenkversteifung als Lösung in Frage. Vor solch einer OP muss genau analysiert werden, welche Gelenke stark betroffen sind und versteift werden. Dazu nutzen wir die Digitale Volumentomografie als hochauflösendes 3D Bildgebungsverfahren für Fuß und Sprunggelenk.

Meist kommt eine Double-Arthrodese von Talonaviculargelenk und Talocalcaneargelenk als Lösung in Betracht. Mit solch einem Eingriff können sehr schwere Fehlstellungen behoben werden.

Zeigt auch das obere Sprunggelenk ausgeprägte Veränderungen, muss dies beim Therapieplan berücksichtig werden. Oft ist eine zusätzliche supramalleoläre Umstellungsosteotomie sinnvoll. In sehr weit fortgeschrittenen Fällen kommt die Versteifung des oberen Sprunggelenks oder die OSG-Endoprothese als Lösung in Frage.