Soll man bei Achillessehnenriss ein MRT machen oder nicht?

Kurzantwort: Bei einer frischen, vollständigen Achillessehnenruptur benötigt ein erfahrener Fußspezialist kein MRT – der klinische Befund und Ultraschall reichen aus. In unklaren Fällen (Partialruptur, Vorschädigung durch Achillodynie oder Haglund-Syndrom, ältere Ruptur) ist das MRT jedoch unverzichtbar, um die Sehnenqualität zu beurteilen und die beste Therapie zu wählen.

Bei der Diagnose Achillessehnenriss fragen sich viele Patienten, ob ein MRT sinnvoll ist. Die kurze Antwort: bei frischen vollständigen Achillessehnenrupturen benötigt ein erfahrener Fußspezialist kein MRT.

MRT bei Achillessehnenriss? Es kommt drauf an…

Aber auch für erfahrene Fußchirurgen kann ein MRT sehr hilfreich sein, um für den Patienten die beste Entscheidung zu treffen. Denn oft ist die Situation nicht ganz eindeutig – zum Beispiel bei Partialruptur der Achillessehne, wiederholter Ruptur der Achillessehne, länger zurückliegender Achillessehnenruptur oder schwerer Achillodynie mit drohender Ruptur der Achillessehne. Ein ausgeprägtes Haglund Syndrom kann unbehandelt ebenfalls zu schwerer Schädigung der Achillessehne und Achillessehnenruptur führen.

Alle diese Begriffe verwirren Sie und Sie suchen nach der besten Lösung für Ihre individuelle Situation? Machen Sie einen Termin in unserem Zentrum für Fuß & Sprunggelenk – bei erfahrenen Fußspezialisten, die sowohl die operative als auch die konservative Therapie bei Achillessehnenruptur beherrschen!

ausgeprägte Achillodnyie markiert, mit zentralen Nekrosen
Fall aus der Spezialsprechstunde von Dr. Böhr: Älterer Patient mit sein langer Zeit bestehender Achillodynie und zunehmenden Schmerzen. Vom vorbehandelnden Arzt wurde mehrfach Kortison rund um die Achillessehne gespritzt. MRT von Dr. Böhr: ausgeprägte Achillodynie mit mehreren Substanzdefekten in der Achillessehne (blaue Pfeile). Das Risiko einer spontanen Achillessehnenruptur ist in dieser Situation deutlich erhöht! Copyright: Dr. S. Böhr

Ultraschall oder MRT – was leistet welche Untersuchung?

In der Praxis ist der hochauflösende Ultraschall das Mittel der ersten Wahl bei Verdacht auf Achillessehnenruptur. In den Händen eines erfahrenen Fußspezialisten lässt sich eine frische vollständige Ruptur damit sicher diagnostizieren – direkt beim ersten Termin, ohne Wartezeit auf einen MRT-Termin. Der Ultraschall hat zudem den Vorteil, dass die Achillessehne dynamisch – also in Bewegung – beurteilt werden kann. Dabei lässt sich zeigen, ob die Sehnenenden beim Anspannen der Wadenmuskulatur zusammenkommen oder nicht. Das ist für die Therapieentscheidung oft entscheidend.

Das MRT ist dem Ultraschall dann überlegen, wenn es um die Beurteilung der Sehnenqualität geht: Wie ausgeprägt sind degenerative Veränderungen? Wie groß ist der Substanzdefekt genau? Wie viel funktionsfähiges Sehnengewebe ist noch vorhanden? Diese Fragen lassen sich im MRT zuverlässiger beantworten als im Ultraschall – und sie sind besonders bei komplexen Situationen therapieentscheidend.

Was zeigt das MRT bei Achillessehnenruptur konkret?

Im MRT lassen sich folgende Befunde bei Achillessehnenruptur beurteilen:

  • Lokalisation und Ausmaß des Risses: Wo genau ist die Sehne durchtrennt – und über welche Länge?
  • Defektgröße: Wie weit liegen die Sehnenenden auseinander? Das ist entscheidend für die Wahl des Operationsverfahrens.
  • Sehnenqualität: Zeigen sich degenerative Veränderungen, Nekrosen oder Flüssigkeitseinlagerungen im Sehnengewebe? Das gibt Hinweise darauf, ob eine einfache Naht ausreicht oder eine aufwändigere Rekonstruktion notwendig ist.
  • Vorschädigung: Hat vor dem Riss eine Achillodynie oder ein Haglund-Syndrom bestanden? Im MRT lässt sich das oft rückwirkend beurteilen – und beeinflusst die Prognose.
  • Begleitverletzungen: Liegt gleichzeitig eine knöcherne Ausrissfraktur des Fersenbeins vor (Entenschnabelfraktur)?

Wie beeinflusst der MRT-Befund die Therapieentscheidung?

Die Kernfrage bei jeder Achillessehnenruptur lautet: Operation oder funktionell-konservative Therapie? Diese Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab – Alter, Aktivitätsniveau und Allgemeinzustand des Patienten, aber auch vom Befund der Sehne selbst.

Das MRT liefert dabei zwei entscheidende Informationen:

1. Kommen die Sehnenenden in Spitzfußstellung zusammen? Nur wenn die Enden nah genug beieinander liegen, ist eine funktionell-konservative Therapie ohne Operation realistisch. Klafft der Defekt zu weit, ist eine operative Versorgung in der Regel notwendig.

2. Wie ist die Sehnenqualität? Bei einer frischen Ruptur ohne Vorschädigung reicht oft eine einfache Naht. Zeigt das MRT hingegen ausgeprägte Degeneration oder einen größeren Substanzdefekt, muss der Operateur eine aufwändigere Technik planen – etwa eine Verlängerungsplastik oder einen FHL-Transfer bei größerem Substanzverlust. Ohne MRT würde diese Situation unter Umständen erst intraoperativ erkannt – mit entsprechenden Konsequenzen für die Planung.

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk entscheiden wir die MRT-Indikation individuell: Bei eindeutigem klinischen Befund und frischer Ruptur ohne Anzeichen einer Vorschädigung verzichten wir darauf. Sobald Unsicherheit besteht – sei es durch eine unklare Vorgeschichte, einen tastbaren Vorschaden oder einen ungewöhnlichen Unfallmechanismus – ist das MRT für uns unverzichtbar.

MRT der Achillessehne zur Diagnostik in unklaren Fällen

Mit einer MRT Untersuchung können unklare Befunde bei Achillessehnenruptur fast immer abschließend geklärt werden. Läßt sich das Ausmaß der Verletzung bei einer Ultraschalldiagnostik durch Ihren Fußspezialisten nicht sicher darstellen, ist die MRT Untersuchung das Mittel der Wahl.

Besonders wichtig sind MRT Untersuchungen immer dann, wenn von einer fortgeschrittenen Degeneration der Achillessehne ausgegangen werden muss. Hat zum Beispiel vor der Achillessehnenruptur über längere Zeit eine Achillodynie oder ein Haglund-Syndrom bestanden, sollte die Sehnenqualität der Achillessehne mittels MRT geklärt werden.

Röntgen und Digitale Volumentomografie bei Achillessehnenruptur

Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie sollte in unklaren Fällen bei Achillessehnenruptur eine knöcherne Verletzung ausgeschlossen werden. Insbesondere eine begleitende Fraktur des Fersenbeins, die sogenannte Entenschnabelfraktur, darf nicht übersehen werden. Bei einem entsprechenden Verdacht nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die Digitale Volumentomografie zur dreidimensionalen Darstellung und Analyse der Fußknochen. Im Vergleich zum konventionellen Röntgen kann so bei vergleichbarer Strahlenbelastung eine deutlich präszisere Diagnostik erfolgen.

chronische distale Achillessehnenruptur mit großer Dehiszenz
MRT Bilder von Dr. Böhr: Frische Achillessehnenruptur bei einem jungen Mann nach Tritt in die Wade beim Fußball. Die zwei auseinandergerissenen Enden der Sehne sind blau markiert. Der obere (proximale) Sehnenstumpf ist nach oben eingeschlagen , so dass die Sehnenenden nicht spontan aneinanderliegen und deshalb ein gutes funktionelles Ergebnis ohne Operation sehr unwahrscheinlich ist.

Wann sollte das MRT vor der Operation vorliegen?

Idealerweise liegt das MRT vor der Operation vor – nicht danach. Das ermöglicht eine präzise Operationsplanung, eine realistische Aufklärung des Patienten über das geplante Verfahren und die Nachbehandlung sowie die Bereitstellung des richtigen Instrumentariums. Wer erst im Operationssaal feststellt, dass ein FHL-Transfer notwendig ist, steht vor einer ungeplanten Entscheidungssituation – die sich durch ein präoperatives MRT in fast allen Fällen vermeiden lässt.

In echten Notfallsituationen – etwa bei einem frischen Hochenergietrauma mit eindeutigem klinischen Befund – kann auf das präoperative MRT verzichtet werden. In allen anderen Fällen gilt: Ein MRT vor der Operation ist eine Investition in die Qualität des Ergebnisses.

Häufige Fragen: MRT bei Achillessehnenriss

Muss man bei einem Achillessehnenriss immer ein MRT machen lassen?

Nein – bei einer frischen, vollständigen Achillessehnenruptur ist ein MRT in der Regel nicht notwendig. Ein erfahrener Fußspezialist kann die Diagnose durch klinische Untersuchung (Thompson-Test) und hochauflösenden Ultraschall sicher stellen. Ein MRT ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Befund unklar ist oder eine Vorschädigung der Sehne vermutet wird.

Wann ist ein MRT bei Achillessehnenruptur wirklich notwendig?

Ein MRT ist besonders wichtig bei Partialrupturen, bei länger zurückliegenden Rupturen, bei Verdacht auf eine chronische Vorschädigung (z.B. durch Achillodynie oder Haglund-Syndrom) sowie bei einer erneuten Ruptur nach bereits behandeltem Achillessehnenriss. In diesen Fällen liefert das MRT entscheidende Informationen zur Sehnenqualität und zum Ausmaß der Degeneration.

Was zeigt ein MRT bei Achillessehnenriss, das der Ultraschall nicht sieht?

Der Ultraschall in den Händen eines erfahrenen Spezialisten zeigt den Riss selbst sehr zuverlässig. Das MRT ist dann überlegen, wenn es um die Beurteilung der Sehnenqualität geht: degenerative Veränderungen, Ausmaß der Nekrose, Flüssigkeitseinlagerungen und die genaue Defektlänge bei chronischen oder komplexen Rupturen lassen sich im MRT besser beurteilen – und das beeinflusst die Wahl der Operationstechnik.

Was ist eine Entenschnabelfraktur und warum ist sie relevant?

Bei einer Achillessehnenruptur kann gleichzeitig ein kleines Knochenstück vom Fersenbein abgerissen werden – das nennt man Entenschnabelfraktur (knöcherne Ausrissfraktur). Diese Begleitverletzung darf nicht übersehen werden, da sie die Therapieplanung beeinflusst. Zum Ausschluss nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die Digitale Volumentomografie (DVT), die eine dreidimensionale Beurteilung bei vergleichbarer Strahlenbelastung wie konventionelles Röntgen ermöglicht.

Kann man eine Achillessehnenruptur ohne MRT operieren?

Ja – bei einer frischen, eindeutigen Ruptur ohne Anzeichen einer Vorschädigung ist eine Operation auf Grundlage von klinischem Befund und Ultraschall möglich und gängige Praxis. Ein MRT vor der Operation ist immer dann sinnvoll, wenn die Sehnenqualität unklar ist, da dies die Wahl des Operationsverfahrens wesentlich beeinflusst – etwa ob eine einfache Naht ausreicht oder eine Sehnenrekonstruktion notwendig wird.

Mehr zum Thema Achillessehne & Achillessehnenruptur

Verstehen & Einschätzen

Therapie & Behandlung

Wenn es schlimmer wird

Alle Beiträge zum Thema: Achillessehne – alle Ratgeber

Fazit

Ein MRT ist bei Achillessehnenriss kein Standard – aber manchmal unverzichtbar. Ob bei Partialruptur, chronischer Vorschädigung durch Achillodynie oder Haglund-Syndrom oder bei einer erneuten Ruptur: in unklaren Situationen liefert das MRT entscheidende Informationen zur Sehnenqualität, die über die richtige Therapie und die Wahl des Operationsverfahrens entscheiden. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk treffen wir diese Entscheidung immer individuell – mit Blick auf den gesamten klinischen Befund und die Vorgeschichte des Patienten.

Inhalt medizinisch kontrolliert von: Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC), Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO|PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin. Letztes Update: 05.03.2026