Achillodynie vorbeugen – Prävention der mid-portion Tendinopathie
Kurzantwort: Achillodynie lässt sich in vielen Fällen verhindern – vorausgesetzt, die Ursache ist bekannt. Die wichtigsten Stellschrauben sind ein gleichmäßiges Trainingspensum ohne zu schnelle Steigerung, die richtige Schuhwahl, Normalgewicht und konsequentes Vermeiden von Cortisoninjektionen. Wer die Ursache nicht kennt oder Fußfehlstellungen hat, sollte frühzeitig einen Spezialisten aufsuchen.
Um einer erneuten Entstehung einer Achillodynie wirksam vorzubeugen, muss die Ursache eindeutig geklärt sein. Das kann sehr anspruchsvoll sein! Lassen Sie sich im Zweifel von einem Spezialisten für Fuß und Sprunggelenk unterstützen.
Richtlinien zur Vorbeugung der Achillodynie im Alltag:
- Entzündungshemmende Mittel (NSAR, zB.. Ibuprofen, Voltaren, Etoricoxib) vor und während dem Sport meiden. Falls doch Schmerzmittel eingenommen werden: hohe Belastungen beim Training vermeiden.
- Zwischen einzelnen Trainingseinheiten ausreichend lange Pausen einplanen und auch einhalten.
- Auf korrekte Schuhwahl achten (z.B. weiche neutrale Sohle, geringe Sprengung)
- Nicht aus Furcht vor Beschwerden die sportliche Belastung komplett einstellen! Die Achillessehne benötigt für eine dauerhafte gute Funktion regelmäßige Reize durch körperliche Belastung.
Tipp aus der Praxis:
Im Alltag unserer fußchirurgischen und fußorthopädischen Sprechtunden tritt Achillodynie vor allem dann auf, wenn die Trainingsbelastung zu schnell und zu intensiv gesteigert wird. Im angloamerikanischen Sprachgebrauch gibt es die schöne Umschreibung des weekend warrior: Sportliche Aktivität nur am Wochenende und in unregelmäßigen Abständen aber mit stetig steigender Intensität und Dauer, führt bei vielen Patienten zur chronischen Überlastung der Sehnen und so zur Achillodynie.
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Risikofaktoren für Achillodynie / mid-portion Tendinopathie der Achillessehne
Achillodynie ist eine Tendinose, also eine Veränderung des Sehnengewebes durch immer wiederkehrende Überlastung. Die Auslöser dieser Überlastung können sehr vielfältig sein. Risikofaktoren, die man als Patient nur schwer verändern kann, sind Fußfehlstellungen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Hyperurikämie / Gicht) und Lebensalter der betroffenen Person.

Andere Risikofaktoren kann man als Patient sehr gut selbst maßgeblich beeinflussen:
- Eigenes Körpergewicht (Ziel: Normalgewicht plus maximal 10%, also bei 180cm Körpergröße: 80kg + 8kg = 88kg)
- Eigene Fitness (die Belastbarkeit von Sehnen passt sich der allgemeinen Fitness an: wenig regelmäßige körperliche Belastung bedeutet auch weniger Belastbarkeit der Sehnen)
- Intensität, Dauer und Häufigkeit der eigenen sportlichen Aktivität (regelmäßige Belastung bei mittlerer Intensität und Dauer. Steigt die allgemeine Fitness, kann dann auch die Belastung der Sehnen langsam gesteigert werden)
- Korrektes Schuhwerk im Alltag und beim Sport (z.B. hohe Absätze im Alltag führen auf Dauer zu einer Verkürzung der Achillessehne und damit zu einer erhöhten mechanischen Belastung)
- Kortison Injektionen durch den behandelnden Arzt vermeiden bzw nur bei starken Schmerzen und drohender Immobilität im Ausnahmefall einsetzen.
Häufige Fragen: Achillodynie vorbeugen
Welches Schuhwerk schützt am besten vor Achillodynie?
Beim Sport empfehlen sich Schuhe mit weicher, neutraler Sohle und geringer Sprengung – also einem möglichst kleinen Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß. Im Alltag sind hohe Absätze problematisch: Sie halten die Achillessehne dauerhaft in einer verkürzten Position, was die mechanische Belastung beim Gehen und Sport erhöht. Wer regelmäßig läuft, sollte die Laufschuhe alle 600–800 km ersetzen, da die dämpfenden Eigenschaften nachlassen, auch wenn die Schuhe optisch noch intakt wirken.
Wie sollte ich mein Training strukturieren, um Achillodynie zu vermeiden?
Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität. Verteilen Sie sportliche Belastung gleichmäßig über die Woche und steigern Sie Umfang und Intensität langsam – Faustregel: nicht mehr als 10% pro Woche. Zwischen intensiven Einheiten braucht die Achillessehne Erholungszeit. Vollständige Trainingspausen sind kontraproduktiv, da die Sehne dann an Belastbarkeit verliert. Wer nach einer langen Pause wieder einsteigt, sollte mit deutlich reduzierter Intensität beginnen.
Warum sollte ich Ibuprofen oder Voltaren vor dem Sport vermeiden?
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac dämpfen das Schmerzempfinden – und damit ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Wer unter Schmerzmitteln trainiert, riskiert, die Sehne über ihre aktuelle Belastungsgrenze hinaus zu belasten, ohne es zu merken. Das erhöht das Risiko einer Mikroschädigung und langfristig einer Achillodynie deutlich. Schmerzmittel gehören allenfalls in Ausnahmesituationen, nicht zur Trainingsroutine.
Kann man Achillodynie auch ohne Arzt vorbeugen?
Wer keine bekannte Fußfehlstellung oder Stoffwechselerkrankung hat, kann mit gezielter Trainingsplanung, richtiger Schuhwahl und konsequenter Cortison-Vermeidung viel selbst tun. Sobald erste Beschwerden auftreten oder die Ursache unklar ist, sollte jedoch ein Spezialist für Fuß und Sprunggelenk hinzugezogen werden. Eine frühzeitige Diagnose verhindert, dass aus einer leichten Überlastung eine behandlungsbedürftige Tendinopathie wird.
Kann Achillodynie auch nach erfolgreicher Behandlung erneut auftreten?
Ja – Rückfälle sind möglich, wenn die ursprüngliche Ursache nicht vollständig beseitigt wurde. Deshalb ist Vorbeugung nach einer Achillodynie besonders wichtig: konsequente Trainingsplanung, Vermeiden von Cortison, Kontrolle der Fußstatik und regelmäßige Nachsorge beim Spezialisten. Wer die Ursache kennt und dauerhaft adressiert, hat sehr gute Chancen, beschwerdefrei zu bleiben.
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Fazit
Achillodynie ist in vielen Fällen vermeidbar – vorausgesetzt, man kennt die eigenen Risikofaktoren und handelt konsequent. Gleichmäßiges Training, die richtige Schuhwahl und der Verzicht auf Cortisoninjektionen sind die wirkungsvollsten Maßnahmen, die Patienten selbst in der Hand haben. Wer eine Fußfehlstellung hat oder bereits einmal an Achillodynie erkrankt war, sollte die Prävention gemeinsam mit einem Spezialisten für Fuß und Sprunggelenk planen – um nicht erneut in dieselbe Überlastungsspirale zu geraten.
Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026