Bänderriss Sprunggelenk

Ursache und Krankheitsbild

Mit diesem Begriff beschreiben viele unserer Patienten eine sehr häufige Verletzung: Schmerzen des Sprunggelenks nach kräftigem Umknicken – meist beim Sport oder im Alltag, z.B. an einer Bordsteinkante. Dabei kommt es sehr häufig zu einem Umknicken des Fußes „nach innen“, so dass die Außenseite des oberen Sprunggelenks verletzt wird.

In Deutschland ereignen sich 8000 solcher Verletzungen pro Tag. Ohne Behandlung zeigt sich 6 Monate nach einem Bänderriss des Sprunggelenks bei 20-30% der Patienten eine chronische Bandinstabilität.

OSG lateral Schmerzen

Therapie Bänderriss Sprunggelenk

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden alle Bänderrisse am oberen Sprunggelenk konsequent operiert. Heute weiß man, dass ein Großteil dieser Verletzungen mit konsequenter funktionell-konservativer Therapie beschwerdefrei werden kann (Orthese, entzündungs­hemmende Medikamente, Physiotherapie, Kinesiotape, Muskel­kräftigung elektronischer Muskelstimulation, Aktiveinlagen).

Dazu sind jedoch zwei Dinge zwingend erforderlich: die exakte Diagnose der Verletzung und der sichere Ausschluss von problematischen Begleitverletzungen. Dazu gehören vor allem die Osteochondrale Läsion des Talus (OCL) sowie schwere Verletzungen des Innenbandes und der Syndesmosenbänder am oberen Sprunggelenk.

Die osteochondrale Läsion tritt nach 6,5% aller Umknickverletzungen des oberen Sprunggelenks auf und verursacht zu Beginn selten Schmerzen. Bei anhaltenden Beschwerden nach einer Umknickverletzung sollte deshalb unbedingt zeitnah ein MRT des oberen Spunggelenks durchgeführt werden. Nur so kann eine osteochondrale Läsion sicher ausgeschlossen werden.

Bänderriss Sprunggelenk Ligamentum tibiofibulare anterius copyright by SciPro
Das am häufigsten betroffene Band bei einer Umknickverletzung des oberen Sprunggelenks: Ligamentum Tibiofibulare anterius (rot markiert) Copyright: shutterstock – SciPro

Nach einem Bänderriss am oberen Sprunggelenk muss nur ein kleiner Anteil der Patienten im Verlauf des Heilungsprozesses operiert werden. Dabei gibt es drei große Gruppen:

  • Bleibt nach 3-6 Monaten ein Instabilitätsgefühl zurück oder kommt es immer wieder zum erneuten Umknicken, wird eine Operation zur Stabilisierung des oberen Sprunggelenkes in Erwägung gezogen. Denn hier ist eine chronische Instabilität des oberen Sprunggelenks entstanden.
  • Falls 3-6 Monaten nach dem Unfall immer wieder chronische Entzündungen oder sogar Einklemmungserscheinungen auftreten, kann ein Impingement vorliegen. Dabei führen entweder Bandreste, eingeschlagene Gelenkkapsel oder die neu gebildete Narbe zu mechanischen Problemen und Reizungen im Gelenk. Hier kann eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks helfen, das Problem zu lösen.
  • Zu Beginn nicht bemerkte Begleitverletzungen führen oft erst nach mehreren Wochen zu anhaltenden Beschwerden. Neben Verletzungen des Innenbandes und der Syndesmosenbänder sehen wir in unserer Praxis vor allem Durchblutungsstörungen des Sprungbeins – sogenannte Osteochondrale Läsionen des Talus (OCL), auch Osteochondrosis dissecans (OD) genannt. Dies sind schwerwiegende Verletzungsfolgen, die eine längerfristige Therapie und oft auch eine Operation erfordern. Daher ist es besonders wichtig, unmittelbar nach dem Umknicken solche Begleit­verletzungen des oberen Sprunggelenks auszuschließen.