Fersensporn loswerden- Ratgeber zu Diagnose & Therapie

Viele Patienten klagen über ausbleibende Besserung trotz intensiver Fersensporn Behandlung. Dafür gibt es einen Grund: mit dem Begriff Fersensporn werden mehrere Erkrankungen im Bereich der Ferse zusammengefasst, die unterschiedlich therapiert werden müssen.

Wir stellen die Erkrankungen vor die mit dem Begriff Fersensporn gemeint sind und beschreiben die Therapie. Sie haben Fersenschmerzen ohne relevante Besserung trotz intensiver Therapie? Dann sind Sie bei uns richtig!

Fußschmerzen Fersensporn

Kurzdefinition: „Fersensporn“ ist im Alltag oft ein Sammelbegriff für verschiedene Ursachen von Fersenschmerzen, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Am häufigsten steckt eine Plantarfasziitis (unterer/plantarer „Fersensporn“) dahinter, möglich sind aber auch ein hinterer Fersensporn (z. B. Haglundsyndrom/Insertionstendinopathie /Schleimbeiutelentzündung) oder eine Achillodynie (Schmerz knapp oberhalb der Ferse – ohne echten Fersensporn). Entscheidend ist, wo der Schmerz sitzt und welche Struktur überlastet ist.

Schnell-Check: Wo sitzt Ihr Fersenschmerz?

Auf einen Blick

  • „Fersensporn“ ist nicht gleich eine Diagnose: meist steckt eine von mehreren Fersenerkrankungen dahinter.
  • Häufigste Ursache: Plantarfasziitis (Entzündung/Überlastung der Plantarfaszie).
  • Diagnostik: klinische Untersuchung plus hochauflösende Sonografie; je nach Fragestellung ergänzend DVT und MRT.
  • Therapieprinzip: erst Ursache der Überlastung klären, dann gezielt behandeln.
  • Typische Bausteine (je nach Befund): Weichbettung/Polster, Physiotherapie/Dehnung, Stoßwelle, Kinesiotape, Einlagen.
  • Wenn keine Besserung: Diagnose/Belastung/Statik neu prüfen – ggf. weiterführende Diagnostik und Stufenplan.

Plantarer Fersensporn oder Unterer Fersensporn – die Plantarfasziitis

Die Plantarfasziitis ist der häufigste Grund für Schmerzen an der Ferse überhaupt! In Deutschland erkranken 10% der Bevölkerung im Laufe des Lebens mindestens einmal an Plantarfasziitis. Ursache für die Plantarfasziitis ist eine kräftige Entzündung der Sehnenplatte unter der der Ferse (Plantarfaszie). Wenn umgangssprachlich vom Fersensporn gesprochen wird, ist nach unserer Erfahrung häufig die Plantarfasziitis gemeint.

Bei Diagnostik und Therapie der Plantarfasziitis gibt es ganz zu Beginn einen wichtigen Schritt: die zugrunde liegende Ursache der Überlastung muss geklärt werden. So kann eine gezielte Therapie erfolgen und möglichst effizient umgesetzt werden. Ein erfahrener Fußspezialist kann durch sorgfältige Untersuchung und hochauflösende Sonografie die Diagnose bestätigen. Bei der Ursachensuche kommen oft DVT und MRT zu Einsatz.

Typische Therapiekomponenten bei Plantarfasziitis / plantarem Fersensporn:

Lesen Sie mehr zum Thema Plantarfasziitis und plantarer Fersensporn auf unserer ausführlichen Website zu diesem Krankheitsbild.

Hinterer Fersensporn – Haglundsyndrom und Insertionstendinopathie

Bei Überlastung des Achillessehnenansatzes an der Ferse entsteht oft ein hinterer Fersensporn. Durch wiederholte Entzündung bildet der Körper Kalkeinlagerungen in der Achillessehne. Im Röntgen / DVT sieht das dann aus wie ein kräftiger knöcherner Sporn hinten an der Ferse (siehe Bild).

Halgund Ferse / dorsaler Fersensporn vor OP
Typisches DVT Bild eines ausgeprägten hinteren Fersensporns Haglundexostose mit zusätzlich kräftig verkalkter chronischer Insertionstendinopathie der Achillessehne am Fersenbein Copyright Dr S Böhr

Häufig wird der hintere Fersensporn von einer Formstörung des Fersenbeins (Haglund-Exostose) und einer kräftigen Schleimbeutelentzündung zwischen Fersenbein und Achillessehne begleitet (Bursitis subachillae).

Die Diagnostik ist oft umfangreich: neben ausführlicher Untersuchung und hochauflösender Sonografie sind bildgebende Verfahren wie MRT und DVT erforderlich. Die Therapie des hinteren Fersensporns beinhaltet zu Beginn typischerweise Silikonfersenpolster, fokussierte und radiale Stoßwelle, Kinesiotape, Physiotherapie und Schuhberatung.

Bei sehr ausgeprägtem hinteren Fersensporn oder ausbleibender Besserung über mehr als drei Monate kommt eine operative Therapie in Frage. Dabei werden die Verknöcherungen in der Achillessehne entfernt. Falls erforderlich können die Haglund-Exostose und die Bursitis subachillae bei der selben Operation mit therapiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema hinterer Fersensporn – Insertionstendinopathie und Haglundsyndrom auf unserer ausführlichen Website zu diesem Krankheitsbild.

Achillodynie – Schmerzen knapp oberhalb der Ferse ganz ohne Fersensporn

Achillodynie (wissenschaftlich: mid-portion tendinopathy) bedeutet Schmerzen und Verdickung etwa 5cm oberhalb der Ferse im Bereich der Achillessehne. Oft wird dieses Krankheitsbild von Patienten als Fersensporn bezeichnet. Die Achillodynie hat mit dem Fersensporn aber überhaupt nichts zu tun – es handelt sich um ein komplett anderes Krankheitsbild.

Ursache der Achillodynie ist eine mechanische Überlastung der Achillessehne. Für die Bestätigung der Diagnose benötigt ein erfahrener Fußspezialist neben der gründlichen Untersuchung vor allem eine hochauflösende Sonografie.

ausgeprägte Achillodnyie markiert, mit zentralen Nekrosen
MRT Bild von Dr Böhr ausgeprägte Achillodynie mid portion Tendinopathie mit bereits deutlichen zentralen degenerativen Veränderungen der Achillessehne Copyright Dr S Böhr

Um die Ursache der Achillessehnenüberlastung zu finden, ist oft ein größerer Aufwand erforderlich. Neben Pedobarografie und neruologischer Untersuchung kommen oft Digitale Volumentomografie und MRT zur Darstellung der Fußstatik zum Einsatz.

Für die Therapie der Achillodynie gibt es im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk ein festgelegtes Therapieschema:

  • Exzentrisches Training 6x 15 Wiederholungen täglich
  • tendon neuroplastic training (Rio E. et al., 2016)
  • low load blood flow restriction training (LL-BFRT)
  • safe to move Konzept & pain education
  • Hyaluronsäureinjektion (Gervasi M. et al., J Clin Med 2021)
  • Querfriktion nach Cyriax
  • myofasziale Therapie der kurzen Fußmuskeln
  • Fokussierte Stoßwellentherapie
  • Kinesiotape-Therapie nach dem Konzept von Dr. Böhr
  • Fersenkissen / Einlagenversorgung mit Weichbettung

Eine operative Therapie ist bei Achillodynie selten notwendig. Nur schwere chronische Schäden der Achillessehne (im MRT) oder ausbleibende Besserung über mehr als 3 Monate sind eine Indikation zur Operation.

Lesen Sie mehr zum Thema „Achillodynie – Schmerzen knapp oberhalb der Ferse ganz ohne Fersensporn“ auf unserer ausführlichen Website zu diesem Krankheitsbild.

Was kann ich selbst tun?

  • Belastung steuern: Reduzieren Sie vorübergehend das, was den Schmerz sicher triggert (lange Gehstrecken, Sprünge/Start-Stopp). Ziel ist Entlastung ohne komplette Inaktivität.
  • Schuhe/Weichbettung: Ein weicher, stabiler Schuh und ggf. eine Fersenweichbettung kann kurzfristig helfen, die Ferse zu entlasten.
  • Sanfte Dehnung & Selbstmaßnahmen: Bei Plantarfasziitis sind Dehnübungen/Physiotherapie typische Bausteine.
  • Wenn Übungen nicht reichen: Ergänzend kommen je nach Befund Maßnahmen wie Stoßwelle, Tape oder Einlagen in Betracht.
  • Wann abklären: Wenn Ihre Beschwerden trotz konsequenter Maßnahmen nicht besser werden oder wiederkehren, lohnt sich eine strukturierte Abklärung bei unseren Sepzialisten(Untersuchung + Sonografie; je nach Verlauf DVT/MRT).

FAQ: Fersensporn – was ist wirklich gemeint?

Ist ein Fersensporn immer die Ursache meiner Schmerzen?
Nicht zwingend. „Fersensporn“ wird häufig als Sammelbegriff genutzt – entscheidend ist die zugrunde liegende Erkrankung (z. B. Plantarfasziitis vs. Haglund/Insertion vs. Achillodynie).

Welche Untersuchung ist am wichtigsten?
Oft reicht die sorgfältige klinische Untersuchung plus hochauflösende Sonografie zur Bestätigung; je nach Fragestellung kommen DVT und MRT ergänzend hinzu.

Was sind typische Therapiebausteine bei Plantarfasziitis?
Fersenweichbettung, Physiotherapie (Dehnung/Faszientherapie), Stoßwelle, Tape und Einlagen – immer abhängig von Ursache und Befund.

Wann sollte ich über weitere Schritte nachdenken?
Wenn trotz konsequenter Therapie keine relevante Besserung eintritt, sollte die Ursache neu geprüft und ggf. die Diagnostik erweitert werden.