Sprunggelenkbruch (Fraktur): Wann muss operiert werden?

Kurz zusammengefasst:
Eine Sprunggelenk-Fraktur ist eine knöcherne Verletzung, die nach Umknicken, Verdrehung oder Sturz auftreten kann und rasch abgeklärt werden sollte. Entscheidend ist, ob die Fraktur stabil ist oder ob Begleitverletzungen wie eine Instabilität der Sprunggelenksgabel, eine Syndesmosenverletzung oder ein Knorpelschaden vorliegen. Die Behandlung reicht je nach Befund von einer konsequent konservativen Versorgung bis zur operativen Stabilisierung.

Inhaltsverzeichnis

Wenn nach dem Umknicken mehr als nur ein Bänderriss dahintersteckt

Eine Verletzung am Sprunggelenk wird anfangs häufig für einen einfachen Bänderriss am Sprunggelenk gehalten. Bei starker Schwellung, deutlicher Belastungsunfähigkeit, Druckschmerz am Knochen oder Fehlstellung muss jedoch auch an eine Fraktur gedacht werden.

Die Sprunggelenk-Fraktur gehört zu den Verletzungen, die rasch und präzise abgeklärt werden sollten. Einen Überblick über typische Sprunggelenk-Verletzungen, Instabilität & Syndesmose finden Sie auf unserer Übersichtsseite. Entscheidend ist, ob es sich um eine stabile Fraktur handelt oder ob zusätzliche Band-, Knorpel- oder Gelenkverletzungen vorliegen.

In unserer spezialisierten Privatpraxis in Berlin-Zehlendorf untersuchen wir Verletzungen des Sprunggelenks differenziert. Dazu gehören die klinische Untersuchung, der Ultraschall sowie bei Bedarf DVT und MRT als komplementäre Bildgebung, um knöcherne und weichteilige Begleitverletzungen sicherer einzuordnen.

Ursache und Krankheitsbild

Das menschliche obere Sprunggelenk (OSG) ist ein sehr stabiles Gelenk. Kommt es hier zu Verletzungen des Knochens, sind meist auch wichtige Bänder zusätzlich verletzt. Häufigste Verletzungsursache ist „Umknicken“ im Alltag oder beim Sport. Bereits eine Fehlstellung der Knochen von 2mm nach so einem Unfall kann langfristig zu Schmerzen, vorzeitigem Verschleiß und Arthrose des oberen Sprunggelenks führen.

frische Weber A Fraktur ohne Dislokation Knöchelbruch Sprunggelenk
Röntgenbild aus der Praxis von Dr. Böhr: sportlich aktiver Patient Anfang 50, bereits mehrfach in den letzten Jahren umgeknickt, bisher kein Gefühl der Instabilität. Nun nach erneutem Umknickereignis deutlich mehr Schmerzen als sonst und lokaler Druckschmerz im Bereich der Wadenbeinspitze. Im Röntgen bereits abgerundeter knöcherner Bandausriss (DD os subfibulare). Zusätzlich frische, nicht dislozierte Weber A Fraktur der Wadenbeinspitze. Typische Ausgangssituation für eine Therapie des Knöchelbruchs ohne Operation. Copyright: Dr. S. Böhr

Aus diesem Grund ist uns im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die sorgfältige Untersuchung und Bildgebung mittels DVT und ggf. MRT besonders wichtig. Denn eine frische Verletzung, die zu dauerhaften Schmerzen führen kann, darf auf keinen Fall übersehen werden.

Bei schweren Verletzungen des Sprunggelenks steht aber in den ersten 10 Tagen ein ganz anderes Problem im Vordergrund. Die Weichteile (Muskeln, Haut, Sehnen und Fettgewebe) sind massiv geschwollen und müssen sich erst wieder erholen. Aus diesem Grund ist es oft nicht sinnvoll, eine Sprunggelenkfraktur in den ersten 5 Tagen nach dem Unfall zu operieren. Es bleibt also genug Zeit, einen spezialisierten Facharzt und Operateur zu finden.

3D Darstellung OSG Fraktur im DVT
DVT-Untersuchung (Ausschnitt) aus dem Zentrum für Fuß und Sprunggelenk von Dr. Böhr: Dreidimensionales DVT einer Sprunggelenkfraktur Typ Weber B mit deutlicher Fehlstellung. Copyright: Dr. S. Böhr

Diagnostik bei Fraktur des oberen Sprunggelenks

Knochenbrüche des oberen Sprunggelenks sind oft schwere Verletzungen. Ein Großteil der Patienten wird deshalb zunächst notfallmäßig in einer Rettungsstelle oder Zentralen Notaufnahme behandelt. Neben der ärztlichen Untersuchung und Beratung erfolgt bei entsprechendem Verdacht notfallmäßig die Röntgendiagnostik, um schwere Knochenbrüche auszuschließen oder zu bestätigen.

Besonders ausgeprägte Verletzungen wie die hier abgebildete Luxationsfraktur des oberen Sprunggelenks werden noch in der Notaufnahme medizinisch versorgt und in der zugehörigen Klinik stationär aufgenommen.

Bei komplexeren Brüchen war lange die Computertomografie (CT) nötig, um die einzelnen Bruchstücke genau zu beurteilen und die Operation zu planen. Hier bietet die Digitale Volumentomografie (DVT) einen entscheidenden Vorteil: Sie vereint die Schnittbildqualität eines CT mit der Möglichkeit, die Aufnahme unter Belastung im Stehen anzufertigen – beides in einer einzigen Untersuchung. Die Autoren der aktuellen Übersichtsarbeit zur Sprunggelenkfraktur halten es für möglich, dass diese Technik die konventionelle Bildgebung künftig ersetzt (Baumbach SF. et al., Dtsch Arztebl Int, 2026).

In unserem Zentrum für Fuß und Sprunggelenk ist die DVT bereits fester Bestandteil der Diagnostik – auch für die belastete Stabilitätsbeurteilung, die bei der Weber-B-Fraktur über die Frage „Operation ja oder nein“ mitentscheidet. Ergänzend setzen wir das MRT ein, wenn Bänder, Knorpel oder Weichteile genauer beurteilt werden müssen.

Sprunggelenksfrakturen sind sehr individuell und für jeden Patienten muss die Situation neu analysiert und bewertet werden. Neben dem genauen Verlauf der Knochenbrüche ist dabei der entstandene Schaden an Muskeln und Haut des Patienten sowie das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten entsheidend.

Luxationsffrkatur oberes Sprunggelenk im Röntgen
Röntgenbild aus der Sprechstunde von Dr. Böhr: schwere Sprunggelenksluxationsfraktur mit großem Volkmann-Fragment und hoher Fibulafraktur. Copyright: Dr. med. Stefan Böhr

Weber A, B oder C – was die Einteilung bedeutet

Ärzte teilen Sprunggelenkbrüche danach ein, wo das Wadenbein gebrochen ist – genauer, in welcher Beziehung der Bruch zur Syndesmose steht. Die Syndesmose ist die straffe Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein knapp oberhalb des Gelenks. Diese Einteilung nach Weber ist wichtig, weil sie mitentscheidet, ob eine Operation nötig ist.

Bei der Weber-A-Fraktur liegt der Bruch unterhalb der Syndesmose. Die Bandverbindung ist intakt, das Gelenk meist stabil – diese Brüche lassen sich häufig ohne Operation behandeln.

Bei der Weber-B-Fraktur verläuft der Bruch auf Höhe der Syndesmose. Ob operiert werden muss, hängt davon ab, ob die Sprunggelenksgabel stabil ist. Genau das lässt sich mit einer belasteten Aufnahme prüfen – dazu weiter unten mehr.

Bei der Weber-C-Fraktur liegt der Bruch oberhalb der Syndesmose. Die Bandverbindung ist dabei in aller Regel mitverletzt und die Gabel instabil – diese Brüche werden meist operiert.

Zusätzlich beschreibt man, wie viele der drei „Knöchel“ gebrochen sind: Ist nur einer betroffen, spricht man von einer unimalleolären Fraktur, bei zwei von einer bimalleolären, bei dreien von einer trimalleolären Fraktur. Je mehr Anteile betroffen sind, desto eher ist eine Operation notwendig. Es gibt sogar ganz komplizierte Fälle die als quadrimalleolar beschrieben werden, wenn wirklich gar nichts mehr am richtigen Platz geblieben ist.

Muss ein Sprunggelenkbruch operiert werden?

Nicht jeder Sprunggelenkbruch muss operiert werden – und die Medizin ist hier in den letzten Jahren sogar zurückhaltender geworden. Entscheidend ist, ob die Sprunggelenksgabel stabil ist.

Stabile, nicht verschobene Brüche – vor allem die Weber-A-Fraktur, aber auch ein Teil der Weber-B-Frakturen – können ohne Operation ausheilen. Bei der Weber-B-Fraktur prüfen wir die Stabilität mit einer belasteten Röntgen- oder DVT-Aufnahme im Seitenvergleich: Bleibt die Gelenkgabel unter Belastung kongruent, ist der Bruch stabil und eine konservative Behandlung möglich. Ist das direkt nach dem Unfall wegen der Schmerzen nicht beurteilbar, stellen wir Sie nach einigen Tagen erneut vor. Aktuelle Studien zeigen, dass auch ein Teil der als instabil eingestuften Weber-B-Frakturen konservativ ebenso gute Ergebnisse erreicht wie nach einer Operation – bei geringerem Komplikationsrisiko (Kortekangas T. et al., BMJ, 2026).

Verschobene Brüche, instabile Weber-B-Frakturen, Weber-C-Frakturen sowie Brüche mit mehreren betroffenen Knöcheln sollten dagegen operiert werden, um die Gelenkgabel wieder anatomisch herzustellen. Denn bereits eine bleibende Fehlstellung von zwei Millimetern kann langfristig zu Arthrose führen.

Ein wichtiger Punkt gerade bei schweren Verletzungen: In den ersten Tagen nach dem Unfall ist eine Operation ohnehin meist nicht sinnvoll, weil die Weichteile zu stark geschwollen sind. Diese Zeit sollten Sie nutzen, um sich in Ruhe von einem spezialisierten Fußchirurgen beurteilen zu lassen – gerade wenn Ihnen bereits zu einer Operation geraten wurde und Sie unsicher sind, ob sie wirklich nötig ist.

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Therapie: konservativ oder operativ

Ob ein Sprunggelenkbruch konservativ oder operativ behandelt wird, entscheidet sich – wie oben beschrieben – an der Stabilität der Sprunggelenksgabel. Beide Wege verfolgen dasselbe Ziel: ein Sprunggelenk, das später wieder schmerzfrei und sicher trägt.

Bei der konservativen Behandlung heilt der Bruch in einer Orthese aus, begleitet von regelmäßigen Kontrollen. Anhand belasteter Aufnahmen prüfen wir dabei, ob die Gelenkgabel stabil bleibt – denn nur dann ist der konservative Weg sicher.

Bei der operativen Behandlung wird die Gelenkgabel wieder anatomisch zusammengesetzt und mit Platten und Schrauben stabilisiert. Ziel ist die exakte Wiederherstellung der Gelenkfläche, denn schon kleine Stufen erhöhen das spätere Arthroserisiko. Fast alle diese Operationen sind stationäre Eingriffe und werden von Dr. Böhr persönlich durchgeführt. Bis zum Entfernen der Fäden sind regelmäßige Wundkontrollen in unserer Praxis notwendig.

Egal ob mit oder ohne Operation: Wir begleiten Sie durch die gesamte Genesung – mit unserem Servicekonzept „Ortho Professional Care“.

Bruch oberes Sprunggelenk verheilt Weber B konsolidert Rötngen Zugschraube
Röntgenbild aus der Praxis von Dr. Böhr: ausgeheilte Sprunggelenksfraktur Typ Weber B 12 Monate nach der Operation. Osteosynthese mit Zugschraube und winkelstabiler Neutralisationsplatte. Copyright. Dr. S. Böhr

Nachbehandlung: heute meist ohne Gips

Die Nachbehandlung von Sprunggelenkbrüchen hat sich deutlich gewandelt – weg von der starren Gipsruhigstellung, hin zu einer früheren, funktionellen Belastung. Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass eine frühe Belastung die Heilung nicht gefährdet, sondern die Ergebnisse verbessert, ohne die Komplikationsrate zu erhöhen (Lewis SR. et al., Cochrane Database Syst Rev, 2024).

Wird ein stabiler Bruch konservativ behandelt, versorgen wir ihn statt mit Gips mit einer Orthese – einem abnehmbaren Stiefel – und erlauben eine schmerzadaptierte Belastung. Eine Metaanalyse zeigt für die Orthese bessere Ergebnisse und weniger Komplikationen als für den Gips.

Nach einer Operation hängt das Vorgehen davon ab, wie der Bruch versorgt wurde. Ist die Fraktur vollständig, rundum stabil versorgt, ist eine frühe Belastung möglich. Wir beginnen dabei fast immer mit einem Walker – dem festen Stiefel –, weil das Auftreten darin anfangs deutlich weniger schmerzt, und wechseln auf den eigenen Schuh, sobald es der Heilungsverlauf erlaubt. Ist die Versorgung dagegen nicht vollständig belastungsstabil, bleibt es bei rund sechs Wochen im Walker mit entsprechend angepasster Belastung. Welcher Weg für Sie gilt, legen wir individuell anhand des Operationsbefunds fest.

Den Heilungsverlauf kontrollieren wir mit der hochauflösenden DVT. Anschließend beginnt ein mehrwöchiges Aufbautraining – denn ein Sprunggelenk, das mehrere Wochen geschont wurde, braucht Zeit, um wieder kraftvoll und sicher zu tragen.

Sprunggelenkfraktur nach OSteosynthese AP
DVT Bild (Ausschnitt) aus der Praxis von Dr. Böhr: Operation bei komplexer Pilon Fraktur des oberen Sprunggelenks mit sehr schöner Rekonstruktion bei exzellenter Stellung und Materiallage der winkelstabilen Platten. Ausheilungsergebnis nach Abschluss der Nachbehandlung. Copyright: Dr. S. Böhr

Wie die Nachbehandlung ohne Gips Woche für Woche abläuft – mit oder ohne Operation – lesen Sie ausführlich in unserem Beitrag Sprunggelenkbruch: Nachbehandlung ohne Gips.

Wichtige Begleitverletzungen bei Sprunggelenkbruch

Gerade bei komplexeren Frakturen des oberen Sprunggelenks sollte geprüft werden, ob zusätzlich eine Syndesmosenverletzung am oberen Sprunggelenk vorliegt. Sie beeinflusst die Stabilität der Sprunggelenksgabel und damit auch die Behandlungsstrategie.

Bleiben nach der Frakturversorgung Beschwerden im Gelenk bestehen, müssen auch Knorpel- und Gelenkverletzungen berücksichtigt werden. Dazu gehört unter anderem die osteochondrale Läsion des Talus, die für anhaltende Schmerzen und Funktionsstörungen verantwortlich sein kann.

Wird die Stabilität des Sprunggelenks nach der Verletzung nicht vollständig wiederhergestellt, können anhaltende Beschwerden und ein Unsicherheitsgefühl zurückbleiben. In solchen Fällen sollte auch an eine chronische Instabilität des oberen Sprunggelenks gedacht werden.

Spätfolgen: wenn Jahre später Beschwerden bleiben

Auch nach guter Versorgung heilt nicht jeder Sprunggelenkbruch völlig folgenlos aus. Langzeituntersuchungen zeigen, dass etwa jeder sechste Patient mehr als zehn Jahre nach einer operierten Sprunggelenkfraktur noch mäßige bis deutliche Beeinträchtigungen angibt; radiologische Arthrosezeichen finden sich je nach Untersuchung sehr unterschiedlich häufig (Scheuer A. et al., Foot Ankle Int, 2025). Der wichtigste Grund ist eine nicht exakt wiederhergestellte Gelenkfläche – schon eine kleine Stufe erhöht das Arthroserisiko.

Entwickelt sich Jahre später eine schmerzhafte Arthrose des oberen Sprunggelenks, stehen gelenkerhaltende wie gelenkersetzende Verfahren zur Verfügung – von der Arthroskopie über die Sprunggelenkprothese bis zur Versteifung. Sind sowohl oberes als auch unteres Sprunggelenk betroffen, kann in ausgewählten Fällen eine kombinierte Versteifung sinnvoll sein. Welcher Weg der richtige ist, klären wir individuell – gern auch im Rahmen einer Zweitmeinung.

Probleme nach Sprunggelenksfraktur: Pseudarthrose – der Knochen verheilt nicht!

Noch vor 40 Jahren war die ausbleibende Knochenheilung nach Gipsbehandlung der Sprunggelenksfraktur ein häufiges Problem. Durch die Einführung moderner Operationsverfahren sind Pseudarthrosen (ausbleibende Knochenheilung) nach Sprunggelenksfraktur inzwischen die Ausnahme.

Heute seltene aber typische Situationen für ausbleibende Knochenheilung nach Sprunggelenksfraktur sind die übersehene, verzögerte Verschiebung der Knochenstücke im Rahmen einer Gipsbehandlung (sekundäre Dislokation) und die ausbleibende Knochenheilung nach infizierter Osteosynthese (bakterielle Infektion nach einer Operation).

In vielen Fällen verursachen Pseudarthrosen am oberen Sprunggelenk keine Beschwerden. Sind die fehlverheilten Knochen durch straffes Bindegewebe fest genug verbunden und der Patient schmerzfrei, ist keine weitere Therapie notwendig (Zwipp, H. et al., 1996, Der Orthopäde).

Grundsätzlich unterscheidet man die verzögerte Knochenheilung (delayed union) von der ausbleibenen Knochenheilung (non-union oder Pseudarthrose). Von verzögerter Knochenheilung spricht man, wenn der Knochenbruch in der erwarteten Zeit (noch) nicht vollständig zusammengewachsen ist. Für die meisten Knochenbrüche am Fuß betrifft das den Zeitraum von 6-12 Wochen nach dem Unfall bzw nach der Operation. Hat sich nach 12 Wochen immer noch keine ausreichende Knochenheilung gezeigt, spricht man von non-union oder Pseudarthrose.

Weber A Fraktur 6 Wochen disloziert delayed union Röntgen Sprunggelenkfraktu
Röntgenbild einer 40jährigen Patientin mit bleibenden Beschwerden an der Außenknöchelspitze, Erstvorstellung bei Dr. Böhr erst 6 Wochen nach externer Gipsbehandlung einer Weber A Fraktur. Typische Zeichen einer delayed union (verzögerte Knochenheilung) der gering verschobenen Fraktur. Copyright: Dr. S. Böhr

Pseudarthrose nach Sprunggelenksfraktur – was tun bei ausbleibender Knochenheilung?

Bei lediglich verzögerte Knochenheilung (delayed union), zielt die Therapie darauf ab, die Knochenheilung zu fördern. Neben lokaler Ultraschalltherapie (z.B. Fa Melmak GmbH) und fokussierter Stoßwellentherapie sollten Calcium und Vitamin D im Blut kontrolliert und falls nötig als Nahrungsergänzung eingenommen werden.

Gleichzeitig muss von Ihrem behandelnden Spezialisten geprüft werden, ob die Ruhigstellung (Gips, Longwalker, etc) ausreichend ist, oder ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden.

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Ausbleibende Knochenheilung nach mehr als 12 Wochen

ist trotz aller Maßnahmen nach 12 Wochen keine befriedigende Knochenheilung eingetreten und hat der Patient immer noch Beschwerden, muss eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei der Planung des Eingriffs muss neben Patientenalter, Knochenqualität, Ausmaß der Fraktur und Nebenerkrankungen noch ein weiter Punkt von Ihrem Fußspezialisten beachtet werden: wann immer möglich sollte zwischen atropher Pseudarthrose und hypertropher Pseudarthrose unterschieden werden. Daraus können sich erhebliche Abweichungen für die Planung der notwendigen Operation ergeben.

Weiterführende Informationen

Verletzungen & Folgen

Diagnostik

Behandlung

Häufige Fragen zur Sprunggelenk-Fraktur

Woran erkenne ich eine mögliche Sprunggelenk-Fraktur?

Typisch sind starke Schmerzen, Schwellung, Belastungsunfähigkeit, Druckschmerz am Knochen und zum Teil auch eine Fehlstellung. Nicht jede Verletzung nach dem Umknicken ist nur ein Bänderriss.

Kann ein Sprunggelenkbruch ohne Gips behandelt werden?

Ja, in vielen Fällen. Statt eines starren Gipses verwenden wir heute meist eine Orthese oder einen Walker – einen festen, abnehmbaren Stiefel – und erlauben eine schmerzadaptierte Belastung. Aktuelle Studien zeigen, dass diese frühfunktionelle Behandlung bessere Ergebnisse bei weniger Komplikationen bringt als die klassische Gipsruhigstellung. Voraussetzung ist, dass der Bruch stabil ist beziehungsweise stabil versorgt wurde.

Wann darf ich nach einem Sprunggelenkbruch wieder auftreten?

Das hängt von der Stabilität ab. Ist ein stabiler Bruch konservativ behandelt oder vollständig stabil operiert, ist eine frühe, schmerzadaptierte Belastung im Walker oft rasch möglich. Ist die Fraktur nicht vollständig belastungsstabil, bleibt es in der Regel bei rund sechs Wochen mit angepasster Belastung. Den genauen Zeitpunkt legen wir individuell anhand des Befunds und der DVT-Kontrolle fest.

Was ist eine Weber-B-Fraktur – und muss sie operiert werden?

Bei der Weber-B-Fraktur liegt der Bruch des Wadenbeins auf Höhe der Syndesmose, der Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein. Ob operiert werden muss, hängt davon ab, ob die Sprunggelenksgabel stabil ist. Das prüfen wir mit einer belasteten Aufnahme: Bleibt die Gabel unter Belastung kongruent, kann konservativ behandelt werden. Ist sie instabil oder verschoben, ist eine Operation sinnvoll.

Muss ein Sprunggelenkbruch sofort operiert werden?

Nein. Bei schweren Verletzungen ist eine Operation in den ersten Tagen wegen der starken Schwellung meist ohnehin nicht sinnvoll. Diese Zeit lässt sich nutzen, um sich von einem spezialisierten Fußchirurgen beurteilen zu lassen – auch für eine Zweitmeinung, wenn Ihnen bereits zu einer Operation geraten wurde.

Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf eine Sprunggelenk-Fraktur sinnvoll?

Am Anfang stehen die klinische Untersuchung und die Beurteilung des Unfallmechanismus. Je nach Fragestellung ergänzen Ultraschall, DVT und MRT die Diagnostik, um knöcherne und weichteilige Begleitverletzungen sicherer einzuordnen.

Welche Begleitverletzungen können bei einer Sprunggelenk-Fraktur auftreten?

Wichtige Begleitverletzungen sind unter anderem eine Syndesmosenverletzung, Knorpelschäden oder weitere Verletzungen der Gelenkstrukturen. Diese beeinflussen die Prognose und die Wahl der Behandlung.

Was passiert, wenn eine Sprunggelenk-Fraktur nicht sauber ausheilt?

Dann können anhaltende Schmerzen, eine eingeschränkte Belastbarkeit, Fehlstellungen oder eine chronische Instabilität zurückbleiben. Langfristig sind auch Knorpelschäden und arthrotische Veränderungen möglich.

Fazit

Eine Sprunggelenk-Fraktur sollte nach Umknicken, Verdrehung oder Sturz rasch und präzise abgeklärt werden. Entscheidend sind der Frakturtyp, die Stabilität der Sprunggelenksgabel und mögliche Begleitverletzungen wie Syndesmosenverletzung oder Knorpelschaden. Je nach Befund reicht die Behandlung von einer konsequent konservativen Versorgung bis zur operativen Stabilisierung.

Literatur

  • Kortekangas T. et al., BMJ, 2026 — Cast immobilisation versus surgery for unstable lateral malleolus fractures (SUPER-FIN): randomised non-inferiority clinical trial. PMID: 41534905
  • Lewis SR. et al., Cochrane Database Syst Rev, 2024 — Rehabilitation for ankle fractures in adults. PMID: 39312389
  • Scheuer A. et al., Foot Ankle Int, 2025 — Long-term functional outcomes after operatively treated unimalleolar, bimalleolar, and trimalleolar ankle fractures. PMID: 40916875
  • Baumbach SF. et al., Dtsch Arztebl Int, 2026 — The diagnosis, treatment, and aftercare of ankle fractures. DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0071

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026