Sind Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose wirklich sinnvoll? Warum Vorsicht geboten ist

Kurz zusammengefasst:
Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose sind ein Milliardenmarkt – und die Studienlage ist ernüchternd. Für die meisten beworbenen Präparate fehlt der Nachweis klinisch relevanter Wirksamkeit. Einzelne Substanzen wie Omega-3-Fettsäuren zeigen entzündungshemmende Effekte, die als Ergänzung sinnvoll sein können. Was keines dieser Mittel kann: Knorpel regenerieren oder eine strukturierte Behandlung ersetzen. Dieser Artikel gibt eine ehrliche Einschätzung – ohne Verkaufsinteresse.

Inhaltsverzeichnis

Arthrose, eine weit verbreitete degenerative Gelenkerkrankung, betrifft Millionen von Menschen weltweit und führt zu Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit. Viele Betroffene greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, in der Hoffnung, ihre Symptome zu lindern und ihre Gelenkgesundheit zu verbessern. Doch wie sinnvoll sind diese wirklich? In diesem Artikel untersuchen wir die Wirksamkeit und Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln bei Arthrose und zeigen, warum Vorsicht geboten ist.

Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel, der die Gelenke schützt, allmählich abgebaut wird. Dies führt zu Schmerzen, Steifheit und Schwellungen. Häufig betroffene Gelenke sind die Knie, Hüften und Hände.

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Warum Nahrungsergänzungsmittel kritisch betrachtet werden sollten

Mangelnde wissenschaftliche Belege

  • Viele Nahrungsergänzungsmittel, die bei Arthrose beworben werden, haben keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage, die ihre Wirksamkeit belegt. Studien zeigen oft gemischte Ergebnisse, und in vielen Fällen gibt es keine signifikanten Vorteile gegenüber Placebo.
  • Beispiel: Eine große Meta-Analyse in der Fachzeitschrift BMJ fand heraus, dass die Kombination von Glucosamin und Chondroitin nur eine geringe, klinisch nicht relevante Schmerzreduktion bietet und möglicherweise gar keine Wirkung hat.

Mögliche Gesundheitsrisiken

  • Nahrungsergänzungsmittel sind nicht immer sicher. Einige können Nebenwirkungen haben oder mit anderen Medikamenten interagieren, was zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen kann. Hierzu gibt es eine sehr gute aktuelle Übersicht für Verbraucher in der Zeitschrift „Stiftung Warentest 3/2024“ mit dem Titel: „Bewegung statt Pillen“.
  • Beispiele: Omega-3-Fettsäuren können in hohen Dosen Blutungen fördern, insbesondere bei Patienten, die Blutverdünner einnehmen. Hohe Dosen Vitamin E steigert in hohen Dosen möglicherweise das Risiko für Prostatakrebs.

Unzureichende gesetzliche Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen deutlich weniger strengen Regulierungen als Medikamente. Dies bedeutet, dass die Qualität und Reinheit der Produkte variieren kann, und in einigen Fällen können sie sogar schädliche Verunreinigungen enthalten.

Trotz der geringen Regulierung überschreiten einige Hersteller immer noch die gesetzlichen Vorgaben. Dies betrifft vor allem sogenannte Health Claims – also verbotene Aussagen der Hersteller, die eine nicht belegte Wirkung des Produkts bewerben sollen (siehe dazu: Stiftung Warentest 3/2024: Bewegung statt Pillen).

Die bekanntesten Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose und ihre Risiken

Glucosamin und Chondroitin

  • Risiken: Mögliche Nebenwirkungen umfassen Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Reaktionen. Es gibt auch Bedenken, dass Glucosamin den Blutzuckerspiegel beeinflussen könnte.
  • Wirksamkeit: Studien zeigen unzureichende Ergebnisse, und viele Experten bezweifeln klar, dass diese Supplemente einen signifikanten Nutzen für die Patienten bieten.

Omega-3-Fettsäuren

  • Risiken: Neben einem erhöhten Blutungsrisiko können hohe Dosen von Omega-3-Fettsäuren zu Magen-Darm-Problemen und unangenehmen Fischgeschmack führen.
  • Wirksamkeit: Obwohl Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmende Eigenschaften haben, sind die Beweise für ihre Wirksamkeit bei Arthrose inkonsistent.

Vitamin D

  • Risiken: Überdosierung kann zu Hyperkalzämie führen, die Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und ernsthafte Herzprobleme verursachen kann.
  • Wirksamkeit: Studien zeigen, dass ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel sehr wichtig für die Knochengesundheit ist, aber die direkte Wirkung auf Arthrose-Symptome bleibt unklar und wurde nicht wissenschaftlich belegt.

Kollagen & Kollagenhydrolysat

  • Risiken: Bisher wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet, aber die langfristige Sicherheit ist noch nicht ausreichend untersucht.
  • Wirksamkeit: Es gibt vereinzelt Hinweise auf mögliche positive Effekte, aber einen wissenschaftlich haltbarer Beleg für den Nutzen von Kollagen – Präparaten als Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose gibt es bis heute nicht.

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Häufige Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Arthrose

Hilft Glucosamin wirklich bei Arthrose?

Die Studienlage zu Glucosamin ist gemischt. Große, gut kontrollierte Studien – darunter die GAIT-Studie aus den USA – zeigen keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Einzelne Subgruppenanalysen legen mögliche Effekte bei mittelschwerer Arthrose nahe, aber diese Befunde gelten als nicht ausreichend belegt. Glucosamin ist gut verträglich und nicht schädlich – aber es gibt keinen verlässlichen Beweis, dass es die Gelenkstruktur schützt oder Schmerzen klinisch relevant lindert.

Was ist mit Kollagenpräparaten – sind die sinnvoll?

Kollagenpeptide sind in den letzten Jahren stark beworben worden. Oral eingenommenes Kollagen wird im Darm in Aminosäuren aufgespalten – es gelangt nicht als intaktes Kollagen in den Gelenkknorpel. Ob die entstehenden Abbauprodukte dennoch knorpelspezifische Aufbauprozesse anregen, wird diskutiert – die Datenlage ist aber dünn und die Effektgrößen in Studien klein. Wer Kollagenpräparate nehmen möchte, schadet sich damit nicht – sollte aber keine strukturellen Verbesserungen erwarten.

Gibt es Nahrungsergänzungsmittel, die bei Arthrose tatsächlich etwas bringen?

Am besten belegt sind Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), die nachweislich entzündungshemmende Effekte haben und in mehreren Studien zu einer moderaten Schmerzreduktion bei Arthrose beigetragen haben. Vitamin D ist sinnvoll, wenn ein Mangel vorliegt – nicht als Arthrosemittel, aber für den allgemeinen Knochen- und Muskelstoffwechsel. Alle anderen Substanzen – Chondroitin, MSM, Kurkuma, Boswellia – haben eine schwache oder widersprüchliche Evidenzlage. Als Ergänzung zu einer strukturierten Therapie können einige davon sinnvoll sein; als Ersatz nicht.

Wann sollte ich lieber auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten?

Wenn Nahrungsergänzungsmittel dazu führen, dass eine notwendige Behandlung verzögert wird, sind sie kontraproduktiv. Arthrose schreitet fort – und ein Gelenkspalt, der heute noch 2 mm breit ist, ist in zwei Jahren vielleicht auf 0 mm geschrumpft. Den richtigen Zeitpunkt für einen gelenkerhaltenden Eingriff zu verpassen, weil man zunächst Nahrungsergänzungsmittel ausprobiert, ist ein häufiger Fehler. Zur Übersicht der Behandlungsoptionen: Arthrose an Fuß & Sprunggelenk – Überblick

Fazit – Ergänzung ja, Ersatz nein

Wer Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose nehmen möchte, schadet sich in den meisten Fällen nicht – aber er sollte keine Wunder erwarten. Knorpel regeneriert sich nicht durch Kapseln, und eine fortschreitende Fehlstellung korrigiert sich nicht durch Omega-3. Was zählt, ist eine frühzeitige, ursachenorientierte Behandlung – konservativ oder operativ, je nach Befund.

Im Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin-Zehlendorf sprechen wir offen über das, was hilft – und was nicht. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre aktuelle Therapiestrategie noch passt, ist eine Zweitmeinung ein guter nächster Schritt.

Zur Übersicht aller Arthrose-Erkrankungen an Fuß & Sprunggelenk: Arthrose an Fuß & Sprunggelenk – Überblick

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026

Quellen:

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  4. Hochberg, M. C., et al. (2016). Long-term safety and effectiveness of glucosamine, chondroitin sulfate, and their combination in patients with osteoarthritis of the knee. Annals of the Rheumatic Diseases, 75(2), 370-377.
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