Morbus Köhler 1 & 2
Kurz zusammengefasst:
Morbus Köhler 1 und 2 sind seltene Durchblutungsstörungen einzelner Fußknochen, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen. Bei Morbus Köhler 1 ist meist das Kahnbein betroffen, bei Morbus Köhler 2 beziehungsweise Morbus Freiberg das Köpfchen eines Mittelfußknochens, meist am zweiten Strahl. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, Schonhinken und eine deutliche Druckempfindlichkeit im betroffenen Bereich. Entscheidend ist die frühe Diagnose, damit Fehlbelastungen, Folgeschäden und spätere Arthrose möglichst vermieden werden.
Inhaltsverzeichnis
- Ursache und Krankheitsbild
- Diagnostik bei Morbus Köhler 1 & 2
- Therapie bei Morbus Köhler 1 & 2
- Operation bei Morbus Köhler 1 & 2
- Weiterführende Informationen zu Morbus Köhler 1 & 2
- Häufige Fragen zu Morbus Köhler 1 & 2
- Was ist Morbus Köhler?
- Was ist der Unterschied zwischen Morbus Köhler 1 und Morbus Köhler 2?
- Wen betrifft Morbus Köhler typischerweise?
- Welche Beschwerden machen Morbus Köhler 1 und 2?
- Welche Diagnostik ist bei Morbus Köhler sinnvoll?
- Muss Morbus Köhler immer operiert werden?
- Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
- Fazit
Ursache und Krankheitsbild
Morbus Köhler wird durch schlechte Durchblutung eines Fußknochens verursacht. Dadurch stirbt der Knochen langsam ab, verliert immer mehr an Substanz und bricht unbehandelt schließlich in sich zusammen. Warum das genau passiert, bleibt in fast allen Fällen ungeklärt.
Von dieser insgesamt seltenen Erkrankung betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche. Meist ist nur ein Fuß betroffen.
Fußspezialisten unterscheiden zwei Typen dieser Erkrankung:
- Morbus Köhler 1 / Morbus Köhler-Albau / Aseptische Knochennekrose des os naviculare pedis mit Schmerzen im Bereich des Mittelfußes. Sehr selten tritt dies auch beim Erwachsenen auf – und heißt dann Müller-Weiss-Syndrom.
- Morbus Köhler 2 / Morbus Köhler-Freiberg / Morbus Freiberg / Aseptische Knochennekrose des Metatarsale 2 Köpfchens mit Schmerzen im und unter dem Grundgelenk der zweiten Zehe – direkt neben der Großzehe.
Die Patienten zeigen ein Schonhinken und die betroffene Region ist stark druckschmerzhaft. Wichtig ist eine frühzeitige ärztliche Vorstellung beim Fußspezialisten, um langfristige Folgen zu reduzieren.
Verlauf des Morbus Köhler 1 & 2
Zu Beginn zeigt sich im DVT eine Kondensation (Verdichtung) des betroffenen Knochens, dann folgt eine Fragmentation (Zersetzung) und abschließend die Reossifizierung / das Reparationsstadium. Unbehandelt entsteht manches Mal eine Fehlstatik des Fußes und über die Jahre eine ausgeprägte Arthrose.
Manche Patienten mit Morbus Köhler 1 und 2 erleben einen sehr milden Erkrankungsverlauf und gehen nicht zum Arzt. So kann es vorkommen, dass erst viele Jahre später die Diagnose Morbus Köhler gestellt wird.
Diagnostik bei Morbus Köhler 1 & 2
Die Verdachtsdiagnose Morbus Köhler wird oft anhand von Röntgenbildern gestellt. Um Morbus Köhler dann sicher zu diagnostizieren, sind oft MRT und DVT Bilder des Fußes nötig. So können auch wichtige alternative Diagnosen mit ähnlichen Beschwerden in unserer Privatpraxis ausgeschlossen werden. Vor allem Knochenbrüche, gutartige und bösartige Knochentumore sowie die Osteomyelitis / Knochenmarkentzündung verursachen vergleichbare Symptome.


Hat die Erkrankung Morbus Köhler in der Kindheit keine oder sehr geringe Beschwerden bereitet, erfolgt die Erstdiagnose oft erst im Erwachsenenalter. Manches Mal als Zufallsbefund, oft aber wegen zunehmender Bewegungseinschränkung und Schmerzen im Grundgelenk der 2. Zehe (Morbus Köhler 2) oder im Mittelfuß (Morbus Köhler 1).
Therapie bei Morbus Köhler 1 & 2
Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen der jungen Patienten zu reduzieren und eine dauerhafte Fehlform und Arthrose zu vermeiden. So kommt es nach einigen Monaten (bis zu zwei Jahren) zur Ausheilung der Erkrankung.
Wichtig ist nach meiner Erfahung eine konsequente und frühzeitige Therapie mit Reduzierung der Belastung. Bei Morbus Köhler 1 beginnt die Therapie der oft noch sehr jungen Patienten mit einer mehrwöchigen Ruhigstellung im Gips.
Davon abgesehen stehen bei Morbus Köhler 1 & 2 Schmerzlinderung, Weichbettung mit passiven Einlagen und physiotherapeutische Beübung zum Erhalt der Beweglichkeit im Vordergrund.
Ihr Weg zu schmerzfreier Mobilität
Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Privatpraxis!
Tel. 030 – 34 39 59 47
anmeldung@ortho-pede.de
Therapie beim Müller-Weiss-Syndrom
Das Müller-Weiss-Syndrom ist die Erwachsenenform der Kahnbeinnekrose — und unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom kindlichen Morbus Köhler 1: Eine Spontanheilung wie beim Kind ist beim Erwachsenen nicht zu erwarten. Das Kahnbein (Os naviculare) kollabiert im Verlauf zunehmend, der Mittelfuß entwickelt eine typische paradoxe Plattfuß-Varus-Fehlstellung und die Beschwerden nehmen über Jahre schleichend zu.
Die konservative Therapie steht auch beim Müller-Weiss-Syndrom an erster Stelle. Ziel ist die Entlastung des Kahnbeins durch individuelle Einlagenversorgung — typischerweise mit Valgusabstützung im Rückfuß und medial-longitudinalem Gewölbeaufbau. Ergänzend kommen entzündungshemmende Medikamente, Aktivitätsanpassung und physiotherapeutische Kräftigung zum Einsatz. Viele Patienten können damit über Jahre beschwerdearm bleiben.
Nicht bei allen gelingt das: Eine zunehmende Vorfußabduktion im Röntgenbild oder DVT sowie eine bereits nachweisbare talo-navikulare Arthrose sind Zeichen dafür, dass die konservative Therapie an ihre Grenzen stößt — und eine operative Planung in Betracht gezogen werden sollte (Harnroongroj T. et al., Foot Ankle Int, 2021).
Operation bei Morbus Köhler 1 & 2
Bei Patienten mit Morbus Köhler 1 (os naviculare pedis) ist in meiner Privatpraxis eine Operation nur ausgesprochen selten notwendig. Allenfalls in sehr ausgeprägten Fällen mit schwerer Arthrose oder beim Müller-Weiss-Syndrom ist später eine Versteifung / Arthrodese nötig.
Beim Morbus Köhler 2 (Metatarsale 2) bleibt fast immer ein verformtes Köpfchen des zweiten Mittelfußknochens zurück. Dies kann langfristig zu Einschränkungen der Beweglichkeit und zu Arthrose führen, so dass in ausgeprägten Fällen eine operative Korrektur notwendig wird.
Ein Teil unserer Patienten ist schon erwachsen, wenn zum ersten Mal starke Beschwerden auftreten. Die eigentliche Erkrankung hat sich in der Kindheit abgespielt, aber durch die damals aufgetretenen Veränderungen kommt es über Jahre zu Abnutzung, Fehlstellung, Bewegungseinschränkung und Arthrose. In solchen Fällen ist dann nach individueller Analyse und Planung oft ein operativer Eingriff nötig, um die Beschwerden zu lindern.
Operation beim Müller-Weiss-Syndrom
Wenn konservative Maßnahmen die Beschwerden nicht mehr ausreichend kontrollieren, ist beim Müller-Weiss-Syndrom die operative Versorgung indiziert.
Das häufigste Verfahren und die Methode der ersten Wahl ist die talo-navikulare Arthrodese (TN-Arthrodese) — die Versteifung des Gelenks zwischen Sprungbein (Talus) und Kahnbein (Os naviculare). Sie behebt den Hauptherd der Gelenkdestruktion, erhält die benachbarten Gelenke und gibt bei ausreichendem Knochenlager sehr zuverlässige Ergebnisse: In einer Langzeitstudie wurden 100% Fusionsrate erreicht und die Schmerzen im Alltag besserten sich deutlich (Harnroongroj T. & Chuckpaiwong B., J Foot Ankle Surg, 2018).
Wenn zusätzliche Gelenke — Kahnbein-Keilbein oder Fersenbein-Würfelbein — mitbetroffen sind, kann die Arthrodese entsprechend erweitert werden. Die Entscheidung darüber fällt auf Basis von DVT und MRT — individuell für jeden Befund.
→ Rückfuß-Arthrodese bei Müller-Weiss Syndrom: Ablauf & Nachbehandlung
Weiterführende Informationen zu Morbus Köhler 1 & 2
Häufige Nachbarthemen & ähnliche Beschwerdebilder
- Morbus Iselin
- Apophysitis calcanei / Morbus Sever
- Tarsale Coalitio
- Knochenbruch beim Kind an Fuß & Sprunggelenk
Diagnostik
- Digitale Volumentomografie (DVT)
- MRT im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk
- Diagnostik & Therapie an Fuß und Sprunggelenk
Behandlung & Überblick
Häufige Fragen zu Morbus Köhler 1 & 2
Was ist Morbus Köhler?
Morbus Köhler ist eine seltene aseptische Knochennekrose am Fuß. Dabei wird ein betroffener Knochen vorübergehend nicht ausreichend durchblutet, was zu Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Belastungsproblemen führen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Morbus Köhler 1 und Morbus Köhler 2?
Morbus Köhler 1 betrifft das Kahnbein des Fußes, also das Os naviculare. Morbus Köhler 2, auch Morbus Freiberg genannt, betrifft meist das Köpfchen des zweiten Mittelfußknochens im Bereich des Zehengrundgelenks.
Wen betrifft Morbus Köhler typischerweise?
Die Erkrankung tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase auf. Meist ist nur ein Fuß betroffen.
Welche Beschwerden machen Morbus Köhler 1 und 2?
Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, Schonhinken und eine deutliche Druckschmerzhaftigkeit im betroffenen Bereich. Je nach Form liegen die Beschwerden eher im Mittelfuß oder im Bereich eines Zehengrundgelenks.
Welche Diagnostik ist bei Morbus Köhler sinnvoll?
Die Verdachtsdiagnose wird oft zunächst im Röntgen gestellt. Für die genaue Beurteilung und zur Abgrenzung gegenüber anderen Ursachen wie Frakturen, Tumoren oder Osteomyelitis sind häufig DVT und MRT sinnvoll.
Muss Morbus Köhler immer operiert werden?
Nein. Entscheidend sind das Stadium der Erkrankung, die Beschwerden und die Folgen für Statik und Belastbarkeit. Viele Fälle werden zunächst konservativ behandelt, operative Maßnahmen sind eher besonderen oder fortgeschrittenen Situationen vorbehalten.
Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
Weil sich bei längerer Fehlbelastung die Form des betroffenen Knochens verändern kann. Dadurch drohen Fehlstatik des Fußes und langfristig arthrotische Folgeschäden.
Fazit
Morbus Köhler 1 und 2 sind selten, sollten bei Kindern und Jugendlichen mit unklaren Fußschmerzen aber früh mitgedacht werden. Entscheidend ist die genaue Unterscheidung, welcher Knochen betroffen ist und in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet. Mit einer rechtzeitigen Diagnostik lassen sich Fehlbelastungen, bleibende Formveränderungen und spätere Arthrose eher vermeiden.
Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026