Apophysitis calcanei – Morbus Sever: wenn Kinder beim Sport über Fersenschmerzen klagen

Auf einen Blick: Apophysitis calcanei (Morbus Sever) ist die häufigste Ursache für Fersenschmerzen bei Kindern zwischen 8 und 12 Jahren. Ursache ist mechanische Überlastung der noch weichen Wachstumsfuge am Fersenbein. Die Erkrankung ist nicht gefährlich und heilt mit konsequenter Belastungsreduktion folgenlos aus. Eine Operation ist nicht notwendig.

Krankheitsbild

Bei Apophysitis calcanei klagen Kinder und Jugendliche zwischen 5-16 Jahren (meist 8-12 Jahre) über Schmerzen an der Ferse. Vor allem während und nach dem Sport treten Probleme auf, die zu Hinken, Humpeln und Schmerzen in Ruhe führen können. Beim Laufen und bei Erschütterung werden die Beschwerden stärker und es zeigt sich ein Druckschmerz beidseits der Ferse. Typisch sind Anlaufschmerzen nach einer Pause oder nach dem aufstehen am nächsten Morgen.

Der Auslöser einer Apophysitis calcanei (Synonym: Morbus Sever) ist zu viel mechanische Belastung für die Ferse mit der zu weichen Wachstumsfuge. Dies entsteht sehr häufig durch intensives Sporttreiben, aber auch starke Verkürzung der Wadenmuskulatur oder deutliches Übergewicht können die Ursache sein. Der typische Patient mit Apophysitis Calcanei in unserer Praxis ist männlich, etwa 11 Jahre alt, schlank, spielt Fußball, Tennis oder Feldhockey und ist sportlich mehrmals pro Woche sehr aktiv. Oft sind beide Fersen betroffen.

Apophysitis calcanei - Morbus Sever © tanapat-lekjiw
Typische Probleme bei Apophysitis Calcanei: Druckschmerz beidseits der Ferse und Schmerzverstärkung bei Belastung © tanapat-lekjiw

Ursachen der Apophysitis calcanei –

Die überbeanspruchte Wachstumsfuge der Ferse besteht, anders als der Rest des Knochens, aus weichem Gewebe und hält weniger Belastung aus. Es entstehen Mikrotraumata (mikroskopisch kleine Verletzungen) an der Verbindungsstelle zwischen Wachstumsfuge und umliegendem Knochen. Genau in diesem Bereich entstehen die Schmerzen, die man dann Apophysitis calcanei nennt.

Die Apophysitis calcanei ist nicht gefährlich, kann jedoch ohne Behandlung immer wieder über Jahre lästige Beschwerden verursachen und die Kinder und Jugendlichen zu längeren Sportpausen zwingen. Im Laufe der Jahre schließt sich die Wachstumsfuge langsam und verschwindet. Übrig bleibt ein fest zusammengewachsener Fersenknochen – die Apophysitis calcanei kann nicht mehr entstehen.

Diagnostik bei Apophysitis calcanei – warum entwickeln Kinder Schmerzen an der Ferse?

Die Diagnose einer Apophyisits calcanei stellt Ihr Fußspezialist normalerweise anhand der Informationen aus dem Patientengespräch und der Untersuchung in der Praxis. Neben dem typischen Druckschmerz beidseits der Ferse zeigt sich in vielen Fällen im Doppler-Ultraschall eine vermehrte Durchblutung rund um die Wachstumsfuge.

Obwohl die erste Verdachtsdiagnose für den erfahrenen Fußspezialisten einfach zu stellen ist, führen wir in unserer Praxis in Berlin regelmäßig weiterführende Untersuchungen durch. Denn es gibt zwei sehr seltene, aber schwerwiegende Erkrankungen, die sehr ähnliche Beschwerden verursachen können: ein Tumor und die Osteomyelitis (Infektion des Knochens mit Bakterien). Beide Diagnosen dürfen in keinem Fall übersehen werden, da sonst schwerwiegende Folgen für die Patienten entstehen können. Aus diesem Grund führen wir zu Beginn der Therapie ein MRT der Ferse durch. Sind beide Fersen (gleichzeitig oder abwechselnd) betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit für Tumor oder Osteomyelitis verschwindend gering – dann kann oft auf weitere Untersuchungen verzichtet werden.

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MRT bei Apophysitis calcanei bei einem Nachwuchsspieler von Herta BSC: typische entzündliche Veränderungen im Verlauf der Apophyse an der Ferse. Copyright: Dr. Stefan Böhr

Falls ein Unfall als möglicher Auslöser im Raum steht, kann zusätzlich die Indikation für eine ultra-lowdose DVT Untersuchung gegeben sein. Die Strahlenbelastung bei dieser speziellen Röntgenmethode ist niedrig und in etwa vergleichbar mit regulären Röntgenbildern des Fußes. Unsere Berliner Praxis versucht natürlich, wann immer möglich, die Anwendung von Röntgenstrahlen bei Kindern zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten.

Die Bildgebung mit MRT und / oder DVT kommt also nur zum Ausschluss schwerwiegender alternativer Schmerzursachen zum Einsatz. Daher ist es nicht sinnvoll, Bildgebung mit MRT, DVT oder Röntgen der schmerzfreien Gegenseite zu machen.

Apophysitis Calvanei Ferse
MRT Apophysitis Calcanei beim 10 jährigen Kind mit Schmerzen an der Ferse beim Sport: typische Verfärbung der Apophyse im Vergleich zum restlichen Fersenbein. Copyright: Dr. Stefan Böhr

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Apophysitis calcanei – Therapie im Zusammenspiel von Eltern und Kind

Das Leitprinzip der Therapie ist: starke Krafteinwirkungen auf die Ferse bis zur Ausheilung zu verhindern. Deshalb ist der betroffene (meist jugendliche) Patient durch sein Verhalten im Alltag für den Therapieerfolg verantwortlich. Mehr Aktivität/Sport/springen/rennen/hüpfen/toben bedeutet mehr Belastung der Ferse und bedeutet länger anhaltende Beschwerden. Es ist wesentlicher Teil der Therapie, den Patienten und deren Eltern diesen direkten Zusammenhang deutlich zu machen. Je weniger Belastung die Ferse der Kinder beim Sport und im Alltag aushalten muss, desto schneller geht die Heilung.

Als Fußspezialisten können wir den Alltag der Kinder mit Apophysitis calcanei durch Hilfsmitteln erträglicher machen. Hier kommen in unserer Berlin Praxis Silikonfersenpolster, Schuhe mit sehr weicher Ferse, undKinesiotape zum Einsatz.

Falls ein (sagittales) Muskelungleichgewicht im Bereich der unteren Extremität besteht, sollte dies mit Physiotherapie gezielt therapiert werden. Typisches Beispiel: verkürzte Wadenmuskulatur bei jungen Fußballspielern. Außerdem können zu Beginn Kryotherapie und entzündungshemmende Medikamente helfen, Schmerzen zu reduzieren.

Wichtigster Teil der Therapie ist die Reduktion der mechanischen Belastung für die Ferse. Was das genau im Alltag bedeutet, sollte für jeden Patienten individuell besprochen werden. Zu Beginn steht fast immer eine mehrwöchige Sportpause. In sehr hartnäckigen Fällen und bei sehr jungen Kindern legen wir für 4-6 Wochen einen Unterschenkelgips an. Danach kann die individuelle Belastung für die Ferse langsam gesteigert werden. Hier ist für die meist sportlich sehr ambitionierten Patienten eine enge Abstimmung mit dem Trainer und eine vorübergehende Anpassung des Trainingsplans erforderlich.

Injektionen mit Cortison oder PRP sind nicht notwendig. Die Anwendung von fokussierter oder radialer Stoßwellentherapie führen zur zusätzlichen Reizung der Wachstumsfuge und ist nur in Einzelfällen hilfreich. In unseren Händen führen Magnetfeldtherapie und low level Lasertherapie häufig zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.

Bei günstigem Verlauf und konsequenter Therapie ist nach etwa 6-12 Wochen mit der Rückkehr zur sportlichen Vollbelastung zu rechnen. Die Apophysitis Calcanei heilt fast immer folgenlos aus. Ob die Ausheilung nur einige Wochen oder mehrere Jahre dauert, hängt davon ab, wie konsequent die Patienten sich an die vorgegebenen Einschränkungen halten und die schmerzende Ferse schonen.

Operative Therapie bei Apophysitis Calcanei – don´t do it!

Sobald das Wachstum der Ferse abgeschlossen ist, verknöchert die Wachstumsfuge und kann keine Schmerzen mehr verursachen – die Erkrankung Morbus Sever / Apophysitis Calcanei ist selbstlimitierend. Eine Operation bei Apophysitis calcanei ist aus unserer Sicht nicht indiziert.

Ganz anders sieht es bei Osteomyelitis oder Tumor als Ursache für die Fersenschmerzen aus. Beide Erkrankungen sind an der kindlichen Ferse sehr selten, können aber ähnliche Schmerzen wie die Apophysitis Calcanei hervorrufen. Sowohl bei Tumoren als auch bei Osteomyelitis sind operative Eingriffe häufig und sollten von einem ausgewiesenen Spezialisten durchgeführt werden.

Profitipp Bildgebung bei Morbus Sever

Häufig erreichen uns in der Privatsprechstunde verunsicherte Eltern mit MRT-Bilder und Röntgenbefunden Ihrer Kinder bei Fersenschmerzen. Bitte besprechen Sie unklare Befunde ausführlich mit Ihrem behandelnden Arzt der die Bilder beauftragt hat und mit dem Radiologen der die Durchführung und Befundung der Bilder zu verantworten hat. Unklare Befunde sollte man als Eltern nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv nachfragen und auf (Er-)Klärung drängen. Oft stellt sich dann heraus, dass die Aufregung ganz umsonst entstanden ist.

Morbus Sever und Knochenmildendes Mark im Fersenbein
Morbus Sever und knochenmildende Spongiosa im Fersenbein bei einem 11 jährigen Jungen. Die „hellen Flecken“ im Fersenbein sind in diesem Fall ein Normalbefund und kein Grund zur Sorge. Copyright: Dr. S. Böhr

Häufige Fragen zu Apophysitis calcanei (Morbus Sever)

Wie lange dauert es, bis Morbus Sever ausheilt?

Bei konsequenter Belastungsreduktion ist in der Regel nach 6–12 Wochen eine Rückkehr zur sportlichen Vollbelastung möglich. In hartnäckigen Fällen oder bei Kindern, die die Schonung nicht einhalten können, können Beschwerden auch über Monate anhalten. Die gute Nachricht: Sobald die Wachstumsfuge vollständig verknöchert ist – meist mit 13–15 Jahren – kann Morbus Sever nicht mehr auftreten.

Darf mein Kind mit Morbus Sever weiterhin Sport treiben?

Das hängt von der Schmerzintensität und der Sportart ab. Als Faustregel gilt: Belastung, die während oder nach dem Sport deutliche Schmerzen verursacht, sollte vermieden werden. In vielen Fällen ist leichtes Schwimmen oder Radfahren möglich, während Laufen, Springen und Ballsportarten anfangs deutlich eingeschränkt werden sollten. Ihr Fußspezialist bespricht mit Ihnen und dem Trainer eine individuelle Anpassung des Trainingsplans.

Hilft Kinesiotape bei Morbus Sever?

Ja – Kinesiotape kann in Kombination mit Silikonfersenpolstern und angepasstem Schuhwerk die mechanische Belastung der Ferse spürbar reduzieren und Schmerzen lindern. Kinesiotape ersetzt jedoch nicht die Belastungsreduktion, sondern unterstützt sie.

Muss ein MRT gemacht werden, wenn ich eine Apophysitis calcanei vermute?

In unserer Praxis führen wir bei einseitigen Fersenschmerzen routinemäßig ein MRT durch – nicht um Morbus Sever zu bestätigen, sondern um seltene aber schwerwiegende Differenzialdiagnosen wie einen Knochentumor oder eine Osteomyelitis (Knochenentzündung) zuverlässig auszuschließen. Bei beidseitigen Beschwerden ist die Wahrscheinlichkeit für solche Erkrankungen verschwindend gering; hier kann häufig auf weitere Bildgebung verzichtet werden.

Sind Cortison-Spritzen oder Stoßwellentherapie bei Morbus Sever sinnvoll?

Nein. Cortison-Injektionen sind bei Apophysitis calcanei nicht indiziert und an einer aktiven Wachstumsfuge generell zu vermeiden. Auch die fokussierte oder radiale Stoßwellentherapie führt an der Wachstumsfuge zu zusätzlicher Reizung und ist daher nur in Ausnahmefällen hilfreich. In unserer Praxis setzen wir bei hartnäckigen Verläufen stattdessen auf Magnetfeldtherapie und Low-Level-Lasertherapie, die häufig zu einer deutlichen Beschwerdebesserung führen.

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Fazit: Morbus Sever ist behandelbar – und heilt folgenlos aus

Apophysitis calcanei (Morbus Sever) ist zwar für die betroffenen Kinder und ihre Eltern belastend, medizinisch aber eine gutartige Erkrankung mit sehr guter Prognose. Der entscheidende Faktor für einen schnellen Heilungsverlauf ist nicht eine aufwendige Therapie, sondern konsequente Belastungsreduktion – kombiniert mit gezielter Unterstützung durch Silikonfersenpolster, Kinesiotape und gegebenenfalls Physiotherapie.

Wichtig ist, die Diagnose sorgfältig zu stellen: Seltene, aber ernsthafte Differenzialdiagnosen wie Knochentumoren oder eine Osteomyelitis können sehr ähnliche Beschwerden verursachen und dürfen nicht übersehen werden. In unserer Praxis gehört die entsprechende Bildgebung daher zum Standard – nicht als Routine, sondern als Verantwortung gegenüber unseren jungen Patienten.

Wenn Ihr Kind über anhaltende Fersenschmerzen klagt, zögern Sie nicht, einen spezialisierten Fußchirurgen aufzusuchen. Dr. med. Stefan Böhr und sein Team stehen für eine präzise Diagnose und individuelle Therapieplanung zur Verfügung.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026