Röntgen und MRT bei Hallux Valgus – welche Bildgebung brauche ich?

Kurzantwort:
Für die Planung einer Hallux-Valgus-Therapie sind Röntgenbilder oder ein DVT unter voller Belastung im Stehen unverzichtbar – nur so zeigt sich die tatsächliche Knochenstellung. Das MRT ist bei Hallux Valgus in der Regel nicht die erste Wahl, kann aber bei Verdacht auf Knorpelschäden oder Gelenkbeteiligung sinnvoll ergänzen. Eine OP-Methode sollte niemals ohne aussagekräftige Belastungsaufnahme festgelegt werden.

Inhaltsverzeichnis

Grundsätzlich soll die Strahlenbelastung durch Röntgenstrahlen so gering wie möglich sein – eine geringe Menge Röntgenstrahlen ist jedoch aus medizinischer Sicht erforderlich, um gute ärztliche Entscheidungen treffen zu können. Dies trifft auch auf eine der häufigsten Fußfehlstellungen, den Hallux Valgus zu.

Immer wieder konsultieren uns Patienten mit Schmerzen bei Hallux Valgus und Spreizfußfehlstellung zur Zweitmeinung. Überraschend oft liegen uns dann leider zur Zweitmeinungssprechstunde keine passenden Röntgenbilder oder „nur“ ein MRT vor.

Warum reicht ein MRT nicht aus?

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist bei Hallux Valgus für den Fußspezialisten eine wichtige Methode, um Knochenmarködeme, Gelenkentzündungen oder ein Morton Neurom nachzuweisen.

Für eine optimale Therapieplanung ist es jedoch zwingend erforderlich die Position der Fußknochen im Stehen unter voller Körperbelastung zu beurteilen. So können die Krafteinwirkung durch das Körpergewicht und die Lastverteilung der Fußknochen untereinander sinnvoll untersucht werden. Dies ist nach aktuellem Stand der Technik (Dezember 2021) mit MRT-Bildgebung nicht möglich, da Füße und Sprunggelenke im MRT nur im liegen untersucht werden können.

Hallux Valgus OP Berlin Youngswick und Akin
Röntgenkontrolle im DVT nach Hallux Valgus OP von Dr. Böhr: Akin-Osteotomie und Chevron-Osteotomie mit bioresorbierbarer Magnesiumschraube als typische Kombination bei mildem und mäßig ausgeprägtem Spreizfuß mit zusätzlicher Hallux Valgus Interphalangeus Komponente. Copyright: Dr. S. Böhr

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Röntgen und Digitale Volumentomografie

Die althergebrachte Röntgenuntersuchung zur Beurteilung von Fußbeschwerden ist Röntgen unter voller Körperbelastung im stehen dorsoplantar und streng seitlich. Stehen Beschwerden im Bereich des Großzehengrundgelenks im Vordergrund, kommt zusätzlich die Sprinter-Aufnahme (auch: Sesambeinzielaufnahme) zur Darstellung der Sesambeine des Großzehengrundgelenks in Betracht.

Bei zusätzlichen Problemen im Bereich des Sprunggelenks sollte eine Aufnahme des OSG ap (ebenfalls unter voller Körperbelastung im Stehen) ergänzt werden. Je nach Fragestellung kommen spezielle zusätzliche Röntgenaufnahmen in Betracht, zum Beispiel bei Arthrose im Mittelfuß, Arthrose des unteren Sprunggelenks oder schwerem Knick-Plattfuß.

Typischer Überweisungstext für die Röntgenanforderung bei Hallux Valgus:

Erbitte Röntgen rechter / linker Fuß unter voller axialer Körperbelastung dorsoplantar und streng seitlich. Zusätzlich bitte Sprinteraufnahme.

Beispiel für die Röntgenanforderung bei Hallux Valgus mit zusätzlichen Beschwerden am Sprunggelenk:

Erbitte Röntgen rechter / linker Fuß unter voller axialer Körperbelastung dorsoplantar und streng seitlich sowie OSG ap. Zusätzlich bitte Sprinteraufnahme.

DVT als Alternative zum klassischen Röntgen

Seit wenigen Jahren steht uns als Alternative zum klassischen Röntgen beim Hallux Valgus die Digitale Volumentomografie (DVT) zur Verfügung. Diese Art der Bildgebung funktioniert ebenfalls mit Röntgenstrahlung, gibt dem behandelnden Arzt jedoch die zusätzliche Möglichkeit den untersuchten Fuß dreidimensional und in sehr dünnen Schichten zu beurteilen. Dadurch steigen Qualität und Aussagekraft der Bildgebung erheblich.

Strahlenbelastung bei Röntgen und DVT

Bei der DVT-Untersuchung von Fuß und Sprunggelenk entsteht durchschnittlich eine Strahlenbelastung von etwa 2 bis 4 Mikrosievert. Das ist vergleichbar mit der Strahlenbelastung bei der Durchführung der allgemein üblichen zwei bis drei Standard-Röntgenbilder (1 bis 2 Mikrosievert pro Röntgenbild). Anders als beim Standard-Röntgen sind beim DVT nur sehr selten zusätzliche Aufnahmen erforderlich, so dass die Gesamt-Strahlenbelastung durch das DVT in vielen Fällen geringer ausfällt als beim klassischen Röntgen.

DVT bei Hallux Valgus Dr. Stefan Böhr
Das von Dr. Böhr genutzte DVT Modell: SCS MedSeries H22.

Therapieplanung bei Hallux Valgus – erforderliche Bildgebung

Für eine Therapieplanung bei Hallux Valgus ist es erforderlich, die Position der Fußknochen im Stehen unter voller Körperbelastung zu beurteilen. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir dafür standardmäßig die Digitale Volumentomografie (DVT). Zusätzliche Röntgenbilder sind dadurch nur noch in Ausnahmefällen erforderlich.

TMT 1+2 Arthrodese bei Hallux Valgus OP in Berlin
Operation von Dr. Böhr: Röntgenkontrolle im DVT nach komplexer Vorfuß-Operation bei ausgeprägtem Hallux Valgus und Mittelfußarthrose. Übersichtsbild zur Darstellung der erreichten knöchernen Korrektur. Copyright: Dr. S. Böhr

Nach den Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften für Fuß und Sprunggelenkchirurgie (DAF & GFFC) sind Röntgenbilder ohne Belastung zur Beurteilung einer Fehlstellung an Fuß und Sprunggelenk nicht geeignet. Lediglich beim dringenden Verdacht eines frischen Knochenbruchs, zur Verlaufskontrolle bei Rheumatoider Arthritis und Arthrose oder unmittelbar nach einem operativen Eingriff sind Röntgenbilder von Fuß und Sprunggelenk ohne Belastung nach unserer Meinung sinnvoll.

Bildgebung nach Hallux Valgus Operation

Nach einer Hallux Valgus OP erfolgt die erste Röntgenkontrolle (ohne Belastung) direkt im Operationssaal oder in den ersten Tagen nach dem Eingriff. Das Ziel ist die Kontrolle und Dokumentation des operativen Eingriffs. Je nach Art des Eingriffs (Akin, Chevron, Scarf, proximale MT 1 Osteotomie, TMT 1 Arthrodese) und der individuellen Einschätzung des Operateurs erfolgen in den ersten Wochen nach der Operation weitere Röntgenkontrollen.

Je nach Operationsmethode sollten die operierten Knochen nach 6-8 Wochen wieder zusammengeheilt sein. Bevor die Patienten den operierten Fuß ohne Orthese / Shortwalker / Gips wieder voll belasten dürfen, erfolgt eine Röntgenkontrolle um die abgeschlossene Knochenheilung nachzuweisen. In dieser Situation nutzen wir konsequent die Digitale Volumentomografie, da durch die sehr genauen Bilder in dünnen Schichten die Knochenheilung optimal beurteilt werden kann.

Schnellzugriff: Hallux-Valgus-OP – die wichtigsten Ratgeber

Häufige Fragen zur Bildgebung bei Hallux Valgus

Reicht ein MRT für die Hallux-Valgus-Diagnose aus?

Nein. Das MRT wird im Liegen durchgeführt und zeigt deshalb nicht, wie sich die Knochen unter Belastung verhalten. Für eine präzise Therapieplanung beim Hallux Valgus ist ein Röntgen oder DVT unter voller Körperbelastung im Stehen unverzichtbar. Das MRT kann sinnvoll ergänzen, wenn Knochenmarködem, Gelenkentzündung oder ein Morton-Neurom abgeklärt werden soll.

Was ist der Unterschied zwischen Röntgen und DVT beim Hallux Valgus?

Das klassische Röntgen liefert zweidimensionale Bilder des Fußes unter Belastung – ausreichend für viele Standardfälle. Die Digitale Volumentomografie (DVT) ergänzt dies um eine dreidimensionale Darstellung in sehr dünnen Schichten. Dadurch lassen sich Knochenstellung, Gelenkflächen und Fehlstellungen präziser beurteilen – besonders wichtig für die OP-Planung.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei DVT im Vergleich zu Röntgen?

Die Strahlenbelastung bei einer DVT-Untersuchung an Fuß und Sprunggelenk liegt bei etwa 2 bis 4 Mikrosievert – vergleichbar mit zwei bis drei Standard-Röntgenbildern. Da beim DVT selten Zusatzaufnahmen erforderlich sind, ist die Gesamtbelastung in vielen Fällen ähnlich oder geringer als bei einem vollständigen Röntgen-Set.

Was passiert, wenn keine Belastungsaufnahme vor der Hallux-Valgus-OP vorliegt?

Ohne Röntgen oder DVT im Stehen lässt sich die tatsächliche Knochenfehlstellung nicht zuverlässig beurteilen. Die Folge kann eine falsch gewählte OP-Methode sein. Wurde Ihnen bereits eine Operationsmethode empfohlen, ohne dass Belastungsbilder vorliegen, empfehlen wir dringend eine Zweitmeinung beim Fußspezialisten.

Wann wird nach einer Hallux-Valgus-OP eine Röntgenkontrolle gemacht?

Die erste Röntgenkontrolle erfolgt noch im Operationssaal direkt nach dem Eingriff. Die entscheidende Kontrollaufnahme zur Beurteilung der Knochenheilung findet nach 6 bis 8 Wochen statt – in unserem Zentrum machen wir das mittels DVT. Erst wenn die Knochen vollständig verheilt sind, wird die Vollbelastung ohne Schuh freigegeben.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Beratung oder Anweisung.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026