Knick-Senkfuß, Plattfuß und Knick-Plattfuß: Was ist eigentlich der Unterschied?

Kurz zusammengefasst
Senkfuß, Knickfuß, Knick-Senkfuß und Plattfuß beschreiben keine vier verschiedenen Erkrankungen, sondern unterschiedliche Aspekte derselben Fußfehlstellung: das abgesenkte Längsgewölbe, die nach außen gekippte Ferse und deren Kombination. Medizinisch entscheidend ist nicht der Name, sondern ob die Fehlstellung flexibel oder rigide ist, ob sie zunimmt – und ob Beschwerden vorliegen. Eine flache Fußform allein ist kein Behandlungsgrund.

Inhaltsverzeichnis

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Was beschreiben die verschiedenen Begriffe?

In der Orthopädie werden Fußfehlstellungen nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern vor allem nach ihrer Funktion beim Gehen und Stehen beurteilt. Die Bezeichnungen beziehen sich daher auf unterschiedliche Bausteine derselben Problematik.

Senkfuß – das abgesenkte Fußgewölbe

Beim Senkfuß steht das Längsgewölbe unter Belastung tiefer als üblich.

Wichtig dabei:
Ein abgesenktes Gewölbe allein ist noch keine Erkrankung. Viele Menschen haben eine flachere Fußform ohne Beschwerden oder Einschränkungen.

Relevant wird ein Senkfuß vor allem dann, wenn:

  • Schmerzen entstehen,
  • schnelle Ermüdung beim Gehen auftritt,
  • sich die Fußform im Laufe der Zeit verändert,
  • zusätzliche Instabilität entsteht.

Knickfuß – die Stellung der Ferse

Der Begriff Knickfuß beschreibt nicht das Gewölbe, sondern die Ausrichtung des Rückfußes.

Dabei kippt die Ferse nach außen (medizinisch: Rückfußvalgus). Dadurch verändert sich die Lastverteilung im gesamten Fuß und häufig auch die Beinachse.

Typische Folgen können sein:

  • Überlastung an der Fußinnenseite,
  • verändertes Gangbild,
  • zunehmende Instabilität beim Abrollen.

Knick-Senkfuß – die Kombination

Sehr häufig treten beide Veränderungen gemeinsam auf:

  • das Gewölbe sinkt ab
  • gleichzeitig kippt die Ferse nach außen.

Diese Kombination wird als Knick-Senkfuß bezeichnet und stellt die häufigste Form der erworbenen Fußfehlstellung dar.

Plattfuß – kein eigener Befund, sondern ein ausgeprägter Senkfuß

Der Begriff Plattfuß sorgt häufig für Verwirrung. Medizinisch handelt es sich dabei nicht um eine völlig andere Diagnose.

Ein Plattfuß beschreibt im Grunde einen sehr ausgeprägten Senkfuß, bei dem das Längsgewölbe deutlich abgeflacht ist oder unter Belastung kaum noch sichtbar wird.

Ob ein Fuß als „Senkfuß“ oder „Plattfuß“ bezeichnet wird, hängt daher oft eher vom Ausmaß der Veränderung als von einer grundlegend anderen Erkrankung ab.

Begriffserklärung: Die „Expertensprache“ im Arztbrief

Viele Patientinnen und Patienten begegnen den eigentlichen Fachbegriffen erst im Arztbrief oder Radiologiebefund. Diese lateinischen Bezeichnungen wirken kompliziert, beschreiben aber meist bekannte Zusammenhänge.

Pes planus
→ bedeutet wörtlich „flacher Fuß“ und entspricht dem Begriff Plattfuß.

Pes planovalgus
→ beschreibt einen flachen Fuß (planus) kombiniert mit einer nach außen gekippten Ferse (valgus).
Das entspricht dem, was im Alltag meist als Knick-Senkfuß bezeichnet wird.

Pes valgus
→ Schwerpunkt liegt auf der Rückfußstellung (Knickfuß).

Diese Begriffe sind also keine unterschiedlichen Krankheiten, sondern unterschiedliche Beschreibungen derselben Mechanik.

Wann ist eine Fußform normal – und wann sollte man genauer hinschauen?

Nicht jede flache Fußform ist behandlungsbedürftig. Entscheidend sind Verlauf und Beschwerden.

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • Schmerzen an der Innenseite des Fußes oder am Sprunggelenk auftreten,
  • die Fehlstellung im Erwachsenenalter zunimmt,
  • Beschwerden nur einseitig bestehen,
  • der Fuß schneller ermüdet oder instabil wirkt,
  • sich Schmerzen im Verlauf nach außen zum Außenknöchel verlagern.

Gerade diese Veränderung der Schmerzlokalisation liefert häufig wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Mechanik.

Flexibel oder rigide – warum das entscheidend ist

Ein zentraler Punkt jeder Untersuchung ist die Frage, ob die Fehlstellung noch beweglich ist.

Bei einem flexiblen Fuß lässt sich die Stellung passiv vollständig korrigieren. Hier stehen meist zu Beginn konservative Maßnahmen im Vordergrund.

Bei einem rigiden Fuß ist die Fehlstellung nicht mehr vollständig korrigierbar. In solchen Situationen liegen häufig strukturelle Veränderungen vor, die eine andere Behandlungsstrategie erfordern können.

Von außen lässt sich dieser Unterschied für Patienten oft nicht sicher beurteilen – er gehört zur klinischen Untersuchung.

Selbstcheck: Single-Heel-Rise-Test (nur als Orientierung)

Der Single-Heel-Rise-Test (einbeiniger Zehenstand) ist ein klassischer Funktionstest, der in der Untersuchung vor allem zur Einschätzung der Funktion der Tibialis-posterior-Sehne genutzt wird. Wichtig sind dabei zwei Beobachtungen:

1) Gelingt das Abheben der Ferse überhaupt – und ist es schmerzhaft?
Viele Betroffene schaffen den einbeinigen Zehenstand gar nicht, nur unvollständig oder nur unter deutlichen Schmerzen. Auch „geht einmal, aber nicht wiederholt“ kann ein Hinweis sein.

2) Dreht die Ferse im Zehenstand nach innen (Varisierung) – oder bleibt sie nach außen gekippt?
Bei intakter Funktion kippt der Rückfuß beim Hochdrücken typischerweise in Richtung Varus. Ein auffälliger Befund ist, wenn dies ausbleibt – das passt zu einer eingeschränkten Tibialis-posterior-Funktion und ist die häufigste Ursache für schweren Knick-Senkfuß.

Wichtig: Auch wenn dieser Test sehr hilfreich ist, ersetzt er keine ärztliche Untersuchung – er ist ein Baustein unter mehreren.

Was hilft typischerweise?

Die Behandlung richtet sich nicht nach dem Namen der Fehlstellung, sondern nach Ursache und Stadium.

Je nach Befund können sinnvoll sein:

  • Anpassung von Belastung und Schuhwerk
  • gezielte physiotherapeutische Übungen
  • Einlagen zur Entlastung oder Führung
  • sensomotorische Aktiveinlagen in frühen Stadien
  • weiterführende Diagnostik bei Verdacht auf Fortschreiten

Wichtig ist ein individuelles Konzept statt einer pauschalen Standardlösung.

Wann ist weiterführende Diagnostik sinnvoll?

Eine genauere Untersuchung kann hilfreich sein, wenn:

  • Beschwerden trotz Behandlung bestehen bleiben,
  • sich die Fußstellung sichtbar verändert,
  • Kraft oder Stabilität nachlassen,
  • neue Schmerzen am Außenknöchel entstehen.

Welche Bildgebung sinnvoll ist, hängt immer von der konkreten Fragestellung ab.

Zum weiterlesen: Mehr zur Diagnostik bei schwerem Knick-Senkfuß

Der nächste Schritt

Wenn Beschwerden bestehen oder Unsicherheit über die Bedeutung der Fußform besteht, kann eine strukturierte Untersuchung Klarheit schaffen. Dabei werden nicht nur die Form des Fußes, sondern auch Beweglichkeit, Muskelkontrolle und Belastungsmechanik beurteilt.

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Warum ORTHO | PEDE?


ORTHO | PEDE ist auf Erkrankungen von Fuß & Sprunggelenk spezialisiert. Im Team arbeiten mehrere Fußspezialisten mit zusätzlichen individuellen Schwerpunkten, um Diagnostik und Behandlung möglichst präzise auszurichten.

Dr. Stefan Böhr ist u. a. zweifach zertifizierter Fußspezialist (DAF & GFFC), führt die Zusatzqualifikation „Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie“ und zusätzlich eine Personenzertifizierung „Spezialist Fuß- & Sprunggelenkchirurgie“.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist ein Plattfuß immer krankhaft?
Nein. Viele Varianten sind beschwerdefrei. Relevant wird die Situation meist erst bei Schmerzen oder zunehmender Fehlstellung.

Ist Plattfuß etwas anderes als Senkfuß?
Im Grunde beschreibt Plattfuß einen sehr stark ausgeprägten Senkfuß – keinen völlig anderen Befund.

Warum treten Schmerzen manchmal später außen auf?
Durch immer mehr Fehlstellung kann sich der Druck im Verlauf von der Innenseite auf die Außenseite des Sprunggelenks verlagern.

Kann Training helfen?
In frühen oder funktionellen Stadien kann gezieltes Training die Belastungskontrolle verbessern. Entscheidend ist die richtige Auswahl der Maßnahmen.

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Fazit: Begriffe einordnen – und dann auf Beschwerden schauen

Ob im Arztbrief Pes planus, Pes planovalgus oder Knick-Senkfuß steht: Diese Begriffe sind keine Diagnosen im Sinne einer Erkrankung, sondern Beschreibungen einer Fußform. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung, sondern ob Schmerzen vorliegen, ob die Fehlstellung zunimmt und ob die Fußfunktion – also Kraft, Stabilität und Abrollmechanik – noch intakt ist.

Wer unsicher ist, wie die eigene Fußform einzuordnen ist, oder wer merkt, dass Beschwerden zunehmen oder sich verlagern, sollte eine strukturierte Untersuchung in einem spezialisierten Zentrum in Anspruch nehmen. Nur durch klinische Untersuchung, Funktionstests und – bei Bedarf – Bildgebung lässt sich beurteilen, ob eine Fußform harmlos bleibt oder ob eine gezielte Therapie sinnvoll ist.

Inhalt medizinisch geprüft von: Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC), Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO|PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin. Letztes Update: 03.2026