Saltzman Aufnahme richtig machen – Tipps und Tricks vom Fußspezialisten

Die Saltzman Aufnahme ist eine Röntgenaufnahme zur Beurteilung von Fußfehlstellungen. Mit dieser Aufnahme kann die inframalleolare Rückfußausrichtung beurteilt werden. Oder vereinfacht: es ist zu sehen, ob die Ferse in der richtigen Position zum Unterschenkel steht. Im englischen Sprachgebrauch ist wird der Begriff „hindfoot alignment view“ als Synonym verwendet. In der fußchirurgischen Spezialsprechstunde ist die Saltzman Aufnahme vor allem beim Knick-Plattfuß des Erwachsenen von Bedeutung.

Warum gibt es zu diesem Thema hier einen BLOG?

Für radiologische Praxen ist die Saltzman Aufnahme oft eine Herausforderung! Denn die Umsetzung ist technisch relativ schwierig und hält für die MTRA einige Fallstricke bereit. Im fußchirurgischen Alltag ist es daher eher die Regel als die Ausnahme, dass Patienten mit extern angefertigen Saltzman Aufnahmen in der Praxis vorstellig werden, die Saltzman Aufnahme aber leider aufgrund von Bildqualität und Einstelltechnik nicht sinnvoll auswertbar ist.

Hinweise für die Duchführung der Saltzman Aufnahme

Bei der Saltzman Aufnahme steht der Patient mit dem Gesicht zur Detektorplatte / Filmkassette und mit dem Rücken zur Strahlungsquelle. Um die Aufnahme korrekt durchführen zu können, muss der Patient auf einem röntgenstrahlendurchlässigen Podest stehen. Im Idealfall ist das ein von der medizintechnischen Industrie zertifiziertes Podest, zum Beispiel aus Acryl.

Aufgrund der erheblichen Anschaffungskosten und der eher seltenen Nutzung eines Podests kann behelfsmäßig auch der typische kleine Plastikhocker eines sehr bekannten schwedischen Möbelhauses zum Preis von circa 5Euro in Frage kommen. Alternativ kann auch eine dicke Plexiglasscheibe verwendet werden. Um die Richtlinien des Strahlenschutzes und der Bildqualität einzuhalten, sollten keine Metallartefakte (zum Beispiel durch einen verschraubten Holzhocker) auf der Saltzman Aufnahme abgebildet sein.

Position der Füße: 20° Innenrotation oder Neutralposition?

Oft diskutiert wird die Rotation und Position der Füße bei der Durchführung der Aufnahme. In der Originalbeschreibung (Saltzman CL & el-Khoury GY, FAI 1992) wird zur Rotation der Füße angegeben, dass die mediale Begrenzung der Füße parallel zueinander ausgerichtet sein soll. Als zusätzlicher Anhaltspunkt wird in der exzellenten Übersichtsarbeit zu Röntgenaufnahmen des Rückfußes von Barg (Barg A, Fu Spru 2015) die neutrale Rotation von Fuß / Rückfuß empfohlen.

Gelegentlich liest man in verschiedenen Empfehlungen, dass 20° Innenrotation beider Füße für die korrekte Durchführung der Saltzman Aufnahme notwendig sind. Aus unserer Sicht und nach aktuellem Stand der verfügbaren Literatur ist das für die Beurteilung der inframalleolaren Rückfußausrichtung nichtzutreffend.

Beide Füße gleichzeitig?

Es spielt wissenschaftlich erwiesen keine Rolle, ob beide Füße gleichzeitig oder einzeln untersucht werden. Eine beidseitige Saltzman Aufnahme sollte nach den Richtlinien des Strahlenschutzes (ALARA) nur angefordert und durchgeführt werden, wenn auch für beide Füße medinisch relevante Informationen und gegebenenfalls entsprechende Konsequenzen zu erwarten sind.

Wichtiger Punkt beim Einblenden der Aufnahme: für eine korrekte Messung müssen mindestens 15cm Tibia oberhalb des OSG und der Tuber Calacanei mit abgebildet sein.

Empfehlungen zu den erforderlichen technischen Aufnahmedaten finden sich zum Beispiel auf der Website des radiologischen Instituts der Universität Erlangen (orthorad):

http://www.idr.med.uni-erlangen.de/orthorad/rta/sprunggelenk_rta

(Achtung: hier gibt es auch eine Beschreibung der Saltzman Aufnahme in 20° Innenrotation – diese Einstellung sollte in aller Regel nicht verwendet werden)

oder bei radiopedia.org:

https://radiopaedia.org/articles/96418

Ärztliche Beurteilung der Saltzman Aufnahme

Erster und wichtigster Schritt ist die Kontrolle der Aufnahmequalität: ist die tibiotalare Gelenkfläche nicht gut einsehbar, muss die Aufnahme wiederholt werden. Ursache ist häufig die suboptimal eingestellte Neigung der Röntgenröhre (20° Neigung in der Sagittalebene nach plantar) oder die fehlende Kippung der Detektorplatte parallel zur gekippten Röntgenröhre. Zudem muss die korrekte Rotation beurteilt werden. Kommt das distale tibiofibulare Gelenk ähnlich wie beim Mortise view zur Darstellung, muss davon ausgegangen werden, dass die Saltzman Aufnahme mit zu viel Innenrotation aufgenommen wurde.

Bildbeurteilung / Messung

Um das Tibiocalcaneare Alignment (die inframalleolare Rückfußausrichtung) ausmessen zu können, muss zunächst die Belastungsachse der Tibia definiert werden. 10cm und 15cm oberhalb der distalen Tibiotalaren Gelenkfläche wird jeweils der Querduchmesser der Tibia halbiert, beide Punkte verbunden und die entstandene Linie bis auf Höhe des Tuber Calcanei verlängert. Nun wird der kürzeste Abstand zwischen dieser Linie und dem tiefsten Punkt des Tiber Calcanei gemessen und im Millimeter angegeben. Steht die Ferse in Valgusposition sind die mm Werte positiv, steht die Ferse im Varus wird ein negatives Vorzeichen genutzt.

Normwerte: 3mm (Valgus) +/- 7mm, also +10mm bis -5mm

Bis 10mm Valgusposition wird noch als in der Norm definiert, bis 5mm Varusposition ebenfalls.

Saltzman view - so nicht machen
Extern erstellte Saltzman Aufnahme aus der Sprechstunde von Dr. Böhr mit suboptimaler Aufnahmequalität und Einstelltechnik: mit abgebildete Metallartefakte, zu kurz abgebildeter Tibiaschaft, oberes Sprunggelenk medial nicht einsehbar und Innenrotation des Fußes bei der Aufnahme – gut zu erkennen an der Darstellung des distalen Tibiofibulargelenks. Copyright: Dr. S. Böhr