Tarsaltunnel-Syndrom

Kurz zusammengefasst:
Das Tarsaltunnel-Syndrom ist eine Nervenengpass-Erkrankung an der Innenseite des Sprunggelenks. Typisch sind brennende oder ausstrahlende Schmerzen vom Innenknöchel in die Fußsohle, oft begleitet von Kribbeln, Taubheitsgefühl oder nächtlichen Beschwerden. Wichtig ist eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Ursachen von Fußsohlenschmerzen, denn häufig liegt dem Tarsaltunnel-Syndrom eine zugrunde liegende Fehlstellung, Sehnenreizung oder entzündliche Veränderung zugrunde. Die Behandlung richtet sich deshalb nicht nur nach den Symptomen, sondern immer auch nach der eigentlichen Ursache.

Inhaltsverzeichnis

Warum das Tarsaltunnel-Syndrom so oft übersehen wird

Häufig beschreiben Patienten mit Tarsaltunnel-Syndrom ausstrahlende Schmerzen vom Innenknöchel bis in die Fußsohle mit zum Teil erheblichem Leidensdruck. Oft wird die Diagnose aber erst mit viel Verspätung bei uns im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk gestellt, da auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen Schmerzen im Bereich der Fußsohle und des Innenknöchels verursachen können. Daher ist eine ausführliche Anamnese und gründliche körperliche Untersuchung zur sicheren Differenzierung von anderen Erkrankungen unerlässlich.

Fußschmerzen Tarsaltunnel

Ursache und Krankheitsbild

Das Tarsaltunnel-Syndrom ist eine Einengung von Nerven im Bereich der Ferse. Der Tarsaltunnel selbst ist ein enger Kanal unterhalb des Innenknöchels, durch den neben Nerven auch mehrere Sehnen und Gefäße verlaufen. Nimmt eine dieser Strukturen zu viel Platz im Tarsaltunnel ein (z.B. bei Varizen oder Sehnenscheidenentzündungen), werden die Nerven eingeengt und dadurch ihre Funktion beeinträchtigt. Ursache ist dann oft ein Knick-Plattfuß mit Tibialis Posterior Syndrom oder eine Rheumatoide Arthritis mit ausgeprägter Sehnenscheidenentzündung im Tarsaltunnel.

Joggers Foot

Als häufige Ursachen für das Tarsaltunnel-Syndrom sehen wir den sogenannten „Joggers Foot“, der vor allem bei sportlich sehr aktiven Läufern auftritt und zu Schmerzen auf der Innenseite der Fußsohle führt. Hier wird beim Joggen ein Ast des Nervus tibialis (der Nervus plantaris medialis) zwischen den Sehnen, Muskeln und Knochen des Fußes immer wieder leicht eingeklemmt – was auf Dauer zu sehr schmerzaften Problemen führt.

Diagnostik bei Tarsaltunnel-Syndrom

Bei der Untersuchung finden sich regelmäßig Druckschmerz und Klopfschmerz mit Schmerzausstrahlung im Verlauf der Nerven (Tinel-Zeichen). Oft führen aber schon eine detaillierte Anamnese und die ausführliche neurologische Untersuchung zur Diagnose Tarsaltunnel-Syndrom.

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Bildgebende Verfahren kommen vor allem bei der Ursachensuche zum Einsatz. Breits in der Sprechstunde können mittels Sonografie der Tarsaltunnel untersucht und mit Duplex-Sonografie Gefäßveränderungen im Tarsaltunnel dargestellt werden.

Die Digitale Volumentomografie kann Fehlstellungen und knöcherne Anbauten als mögliche Ursache des Tarsatunnel-Syndroms identifizieren – wie zum Beispiel bei einer tarsalen Coalitio.

Im MRT zeigen sich besonders gut entzündlich veränderte Sehnen und Sehnenscheiden sowie Veränderungen der umliegenden Gelenke. Außerdem können Ganglien als mögliche Ursache sehr gut beurteilt werden.

Therapie Tarsaltunnel-Syndrom

Funktionell-konservative Therapie

Zunächst erfolgt abhängig von der Ursache ein funktionell-konservativer Therapieversuch. Dabei können Kinesiotape, individuell angepasste passive Einlagen, Kompressionsstrümpfe, entzündungshemmende Medikamente, verbesserte Schuhwahl und veränderte körperliche Belastung helfen. Oft kann so eine deutliche Besserung der Beschwerden erreicht werden.

Bei ausgeprägten entzündlichen Veränderungen kann auch eine lokale Infiltration mit Schmerzmittel und einem cortisonhaltigen Medikament hilfreich sein. Diese Option nutzen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk aber nur in Ausnahmefällen, da mit jeder Injektion die umliegenden Sehnen auf Dauer geschädigt werden.

Operative Therapie des Tarsaltunnel-Syndroms

Bei ausbleibender Beschwerdebesserung kann eine Operation in Frage kommen. Solche Eingriffe werden von Dr. Böhr meist im Rahmen einer ambulanten OP durchgeführt. Dabei wird unter Lupenbrillenvergrößerung der Tarsaltunnel gespalten, Entzündungsgewebe entfernt und so mehr Platz für die eingeengten Nerven geschaffen.

Falls nötig, sollte beim selben Eingriff die Grunderkrankung mit therapiert werden (z.B. schwerer Knick-Plattfuß), um ein Wiederkehren der Probleme dauerhaft zu vermeiden. Solche Eingriffe werden von Dr. Böhr in aller Regel als stationäre Operation durchgeführt.

Tarsaltunnel - OP von Dr. Böhr
OP von Dr. Böhr: Nach Spaltung des Tarsaltunnels (genauer des Retinaculum flexorum) zeigt sich unter der Arterie und den Venen des Tarsaltunnels (mit dem Haken weggehalten) der deutlich entzündlich veränderte Nerv (Pinzettenspitze).

Weiterführende Informationen zum Tarsaltunnel-Syndrom

Häufige Ursachen & Nachbarthemen

Diagnostik

Behandlung & Überblick

Häufige Fragen zum Tarsaltunnel-Syndrom

Wie fühlt sich ein Tarsaltunnel-Syndrom an?

Typisch sind brennende, stechende oder ausstrahlende Schmerzen an der Innenseite des Sprunggelenks mit Ausstrahlung in die Fußsohle. Viele Betroffene berichten zusätzlich über Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Beschwerden bei längerer Belastung.

Wo genau liegt der Schmerz beim Tarsaltunnel-Syndrom?

Die Beschwerden sitzen meist unterhalb oder hinter dem Innenknöchel und ziehen in die Fußsohle. Je nach betroffenem Nervenast können die Schmerzen eher an der inneren Fußsohle oder weiter in Richtung Vorfuß wahrgenommen werden.

Welche Ursachen kann ein Tarsaltunnel-Syndrom haben?

Häufige Ursachen sind Fehlstellungen wie ein Knick-Plattfuß, Reizzustände im Bereich der Sehnen, entzündliche Veränderungen, Gefäßveränderungen oder raumfordernde Prozesse wie Ganglien. Auch sportbedingte Überlastungen wie der sogenannte Jogger’s Foot können eine Rolle spielen.

Welche Diagnostik ist beim Tarsaltunnel-Syndrom sinnvoll?

Entscheidend sind eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung mit neurologischer Beurteilung. Je nach Verdacht helfen Sonografie, MRT oder DVT, um die eigentliche Ursache der Nervenreizung besser zu erkennen.

Muss ein Tarsaltunnel-Syndrom immer operiert werden?

Nein. In vielen Fällen ist zunächst ein konservativer Therapieversuch sinnvoll, zum Beispiel mit angepasstem Schuhwerk, Einlagen, Kinesiotape, Entlastung und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn die Beschwerden anhalten oder die Ursache mechanisch nicht anders zu beseitigen ist.

Warum ist die genaue Ursache so wichtig?

Weil das Tarsaltunnel-Syndrom oft nicht isoliert entsteht. Wenn zum Beispiel ein Knick-Plattfuß oder ein Tibialis-posterior-Syndrom die Nervenreizung mitverursacht, reicht eine reine Symptombehandlung häufig nicht aus.

Fazit

Das Tarsaltunnel-Syndrom ist eine oft verzögert erkannte Ursache für Schmerzen an der Innenseite des Sprunggelenks und in der Fußsohle. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist nicht nur die Diagnose des Nervenirritations-Syndroms selbst, sondern vor allem die Suche nach der eigentlichen Ursache. Gerade Fehlstellungen, Sehnenprobleme oder entzündliche Veränderungen sollten gezielt mitbeurteilt werden, damit die Therapie dauerhaft greifen kann.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: März 2026