Achillessehnenriss-OP in Berlin: Wann operieren – und wie?

Kurzantwort: Nicht jeder Achillessehnenriss muss operiert werden – die dynamische Ultraschalluntersuchung entscheidet. Wenn operiert wird, nähen wir die Sehne in unserem Zentrum für Fuß und Sprunggelenk in Berlin-Zehlendorf minimalinvasiv mit dem Dresdner Instrument über einen wenige Zentimeter kurzen Zugang. Ob eine Operation in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir anhand von Untersuchung, Sonografie und Ihren sportlichen Zielen – ehrlich, auch wenn die Antwort „konservativ“ lautet.

Inhaltsverzeichnis

Operieren oder nicht? Die ehrliche Antwort zuerst

Die Diagnose braucht in aller Regel kein MRT: Anamnese, Tastbefund, Thompson-Test und die Sonografie erreichen zusammen eine Treffsicherheit von 95–99 % [1]. Entscheidend ist die dynamische Ultraschalluntersuchung: Wir prüfen in 20°-Spitzfußstellung, wie nah die Sehnenenden zusammenkommen. Genau diese Rissdehiszenz – zusammen mit dem Alter der Verletzung und Ihren Zielen – bestimmt die Therapie.

Die Studienlage der letzten 15 Jahre ist eindeutig: Bei guter Annäherung der Sehnenenden erreicht die funktionell-konservative Therapie im Spezialstiefel Ergebnisse, die einer Operation ebenbürtig sind [2,3]. Warum operieren wir dann überhaupt? Wegen zweier Punkte: Die Operation senkt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Ruptur – von etwa 4 % auf etwa 2 % der Patienten [4,5] – und sie stellt die anatomische Sehnenlänge präzise wieder her. Heilt die Sehne verlängert aus, verliert die Wade dauerhaft Kraft: spürbar beim Abdruck, beim Treppensteigen, beim Sprint.

Schmerzen Achillessehne

So entscheiden wir – abhängig vom Befund in der dynamischen Sonografie:

BefundUnsere Empfehlung
Frische Ruptur, Sehnenenden nähern sich in Spitzfußstellung gut anKeine OP – funktionell-konservative Therapie im Vacoped-Stiefel
Frische Ruptur mit Dehiszenz trotz SpitzfußstellungNaht – minimalinvasiv mit dem Dresdner Instrument; beim Leistungssportler unsere klare Präferenz
Frischer Abriss weit distal am FersenbeinOP notwendig – transkalkaneare Verankerung oder offene Naht mit Anker
„Ruptur“ hoch oben am Muskel-Sehnen-Übergang (faktisch ein Muskelfaserriss)Keine OP – funktionell-konservativ
Veralteter Riss oder erneute Ruptur mit SubstanzdefektRekonstruktion – Verfahren nach Defektgröße (siehe unten)

Und wir raten ab, wenn die konservative Therapie die besseren Karten hat – das ist keine Niederlage, sondern gute Indikationsstellung. Der wichtigste Schritt der gesamten Behandlung ist die Entscheidung, ob überhaupt operiert werden muss.

Unsere OP-Methoden beim Achillessehnenriss

Minimalinvasive Naht mit dem Dresdner Instrument – unser Standard

Bei der frischen, typisch gelegenen Ruptur mit Dehiszenz nähen wir die Achillessehne perkutan mit dem Dresdner Instrument [6]: In Bauchlage werden über einen kurzen Zugang drei Fäden unter der Haut durch die Sehnenstümpfe geführt und die Sehne in korrekter Länge und Spannung adaptiert. Die Details machen den Unterschied – und sind durch Studien gedeckt: drei Fäden statt zwei senken die Rate erneuter Risse, nichtresorbierbares Polyester-Nahtmaterial verursacht bei dieser Technik weniger Wundkomplikationen als resorbierbare Alternativen. Jeder der drei Fäden muss unter Zug eine Spitzfußbewegung auslösen – erst dann ist die Naht stabil genug. Die Instrumentenführung in der korrekten Gewebeschicht schont den Nervus suralis, dessen Verletzung die klassische Schwachstelle perkutaner Techniken war.

Wichtig zu wissen: Die etablierten Nahttechniken sind in Studien weitgehend gleichwertig. Was das Ergebnis unterscheidet, ist nicht die Wahl der Technik – sondern wie präzise der Operateur sie beherrscht. Deshalb operiert Dr. Böhr jeden Achillessehnenriss persönlich.

Offene Naht – wenn der Befund es verlangt

Bei degenerativ veränderten Rupturen, unklaren Befunden oder wenn Sehnengewebe angefrischt werden muss, operieren wir offen über einen dorsomedialen Zugang: Der Nervus suralis wird dargestellt und geschützt, die Sehnenenden werden angefrischt und mit einer Bunnell-Naht adaptiert, die Knoten werden versenkt. Für die offene Technik verwenden wir resorbierbares Nahtmaterial – die Wundkomplikationsrate ist damit günstiger, die Stabilität gleichwertig [7].

Rekonstruktion bei veralteter Ruptur oder Substanzdefekt

Wird ein Riss übersehen, zu spät behandelt oder reißt er erneut, ziehen sich die Sehnenenden zurück und vernarben – es entsteht ein Substanzdefekt, der eine einfache Naht unmöglich macht. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Defektlänge im MRT: Bis 2 cm genügen Verlängerungstechniken (u. a. Strayer-OP), zwischen 2 und 5 cm kommen Plastiken wie die VY- oder Umkippplastik zum Einsatz, ab 5 cm ist eine Sehnenersatzplastik nötig – in unserem Zentrum als FHL-Transfer in der Short-harvest-Variante mit Verankerung im Fersenbein. Die Details aller Verfahren, die präoperative Planung mit MRT und die Prognose haben wir in einem eigenen Beitrag ausführlich beschrieben: Therapie der Achillessehnenruptur bei Substanzverlust

Atypisch distale Ruptur: transkalkaneare Verankerung

Reißt die Sehne sehr weit unten, nahe am Fersenbein-Ansatz, bleibt distal kaum Sehnengewebe zum Nähen. Für diese atypische Situation verankern wir alle drei Fäden transkalkanear – durch ein nur 2 mm messendes Bohrloch im Fersenbein. Die Sehne heilt so direkt am Knochen an, ohne dass ein offener Zugang mit Ankersystemen nötig wird.

chronische distale Achillessehnenruptur mit großer Dehiszenz
Atypische distale Achillessehnenruptur (Stumpfenden in blau)- sehr gute Situation für die transkalkaneare Verankerung

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Nachbehandlung: Woche für Woche

PhaseWas passiert
Unmittelbar nach OPVentrale Cast-Schiene in 20° Spitzfußstellung, Thromboseprophylaxe, Schmerzmedikation; Anpassung des Vacoped-Stiefels in 20° Spitzfußstellung
Woche 1–2Vacoped-Stiefel Tag und Nacht; Vollbelastung im Stiefel; Physiotherapie mit isometrischen Übungen
Woche 3–4 (nach dem Fadenzug)Stiefel darf zur Körperpflege abgenommen werden – der Fuß bleibt dabei in Spitzfußstellung; Bewegungsumfang im Stiefel 0–30°; Beginn Fahrradergometer im Stiefel, Koordinations- und propriozeptives Training
Woche 5–6Schrittweise Annäherung an die Neutralstellung – eine forcierte Anhebung des Fußes (Dorsalextension) bleibt bis zum Ende der sechsten Woche konsequent limitiert
DanachÜbergang aus dem Stiefel, Aufbau von Wadenkraft und Gangbild

Die Zeiten wochenlanger Gipsruhigstellung sind vorbei: Die frühfunktionelle Nachbehandlung im Spezialstiefel ist der starren Immobilisation klar überlegen – bei Patientenzufriedenheit und Rückkehr in den Sport, ohne höhere Rate erneuter Risse [8,9]. Unser Schema (modifiziert nach Amlang [10], identisch nach Naht und bei funktionell-konservativer Therapie):

Zwei realistische Meilensteine zur Orientierung: Der Einbein-Zehenstand gelingt im Mittel nach etwa elf Wochen. Die Rückkehr in vollen Sport dauert neun bis zwölf Monate – wer Ihnen deutlich Schnelleres verspricht, riskiert die verlängerte Ausheilung der Sehne und damit Ihre Abdruckkraft.

Autofahren ist in der Regel möglich, sobald der operierte Fuß wieder voll belastbar und reaktionsschnell ist. Die Arbeitsfähigkeit hängt vom Beruf ab – im Beratungsgespräch geben wir Ihnen eine realistische Einschätzung für Ihren Alltag.

Return to Sport: nach Kriterien, nicht nach Kalender

Man beschleunigt nicht die Heilung an sich – man optimiert OP-Technik, Steuerung und den Schutz der Sehne vor Verlängerung. Das ist die Grundhaltung unserer Sportler-Nachbehandlung, und sie hat drei Konsequenzen:

Erstens: kriterienbasierte Freigabe. Zurück ins Training geht es nicht nach Datum, sondern nach Meilensteinen: sauberer Einbein-Zehenstand, seitengleiche Wadenkraft im Vergleich zur gesunden Seite, symmetrische Sprungtests. Erst wenn die Kriterien erfüllt sind, wird die nächste Belastungsstufe freigegeben.

Zweitens: Elongationsschutz. Eine verlängert ausgeheilte Sehne ist der häufigste Grund für bleibenden Kraftverlust – deshalb vermeiden wir in den ersten sechs Wochen konsequent jede forcierte Dorsalextension.

Drittens: ehrliche Erwartungen. Die Daten aus dem Profisport sind ernüchternd klar: Etwa drei Viertel der Profisportler kehren nach Achillessehnenriss auf ihr Niveau zurück, im Mittel nach rund elf Monaten [11] – ein Viertel schafft es nicht. Sportarten mit explosiver Abdruckbewegung wie Basketball zeigen trotz optimaler Versorgung die größten Leistungseinbußen [12]. Wir sagen Ihnen das vor der Behandlung, nicht danach – und arbeiten mit Ihnen daran, auf der richtigen Seite dieser Statistik zu landen.

Risiken – offen angesprochen

Jede Operation hat Risiken. Interessant ist die Studienlage zum Vergleich der Zugangswege: Die Gesamtkomplikationsrate von minimalinvasiver und offener Naht ist identisch – aber die Art der Komplikationen unterscheidet sich. Nach offener Naht treten häufiger Wundinfektionen auf, nach minimalinvasiver Technik häufiger Irritationen des Nervus suralis mit Taubheitsgefühl am Fußaußenrand [13]. Beides adressieren wir gezielt: beim Dresdner Instrument durch die Führung in der korrekten Gewebeschicht, bei der offenen Naht durch Darstellung und Schutz des Nervs sowie resorbierbares Nahtmaterial [7].

Dazu kommen die allgemeinen Risiken: Thrombose (konsequente Prophylaxe von Tag eins), ein erneuter Riss der Achillessehne (bei etwa 2 % der operierten Patienten [4,5]) und Verklebungen der Sehnengleitschicht. Wir besprechen diese Punkte vor der OP konkret bezogen auf Ihren Fall – nicht als Formular, sondern im Gespräch.

Häufige Fragen zur Achillessehnenriss-OP

Wie schnell muss nach dem Riss operiert werden?

Ideal sind die ersten ein bis zwei Wochen, solange sich die Sehnenstümpfe noch spannungsarm adaptieren lassen. Die kräftige Wadenmuskulatur zieht den oberen Sehnenanteil kontinuierlich nach oben – jede Verzögerung vergrößert den Abstand. Entscheidend ist: früh abklären lassen, auch wenn noch unklar ist, ob operiert werden soll.

Brauche ich ein MRT?

In der Regel nicht. Klinische Untersuchung und dynamische Sonografie sichern die Diagnose mit 95–99 % Treffsicherheit – und zeigen zusätzlich, wie gut sich die Sehnenenden annähern. Das MRT ist Sonderfällen vorbehalten, etwa dem Verdacht auf einen Substanzdefekt oder unklaren Befunden am Muskel-Sehnen-Übergang. Mehr dazu: MRT bei Achillessehnenriss – wann sinnvoll?

Kann ein übersehener Riss noch behandelt werden?

Ja. Veraltete Rupturen mit Substanzdefekt erfordern aufwendigere Rekonstruktionsverfahren – von Verlängerungsplastiken bis zum FHL-Transfer –, sind aber auch nach Monaten versorgbar. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Therapie der Achillessehnenruptur bei Substanzverlust.

Muss der Riss überhaupt operiert werden?

Nicht zwingend – das ist die zentrale Frage des Erstgesprächs. Nähern sich die Sehnenenden in der dynamischen Sonografie gut an, ist die funktionell-konservative Therapie im Vacoped-Stiefel gleichwertig. Wir sagen Ihnen ehrlich, zu welcher Gruppe Sie gehören.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Abhängig vom Beruf: Bei sitzender Tätigkeit deutlich früher als bei körperlicher Arbeit. Im Beratungsgespräch geben wir Ihnen eine realistische Einschätzung für Ihre konkrete Situation.

Zahlt meine Krankenkasse die Operation?

Als Privatpraxis behandeln wir Privatversicherte und Selbstzahler; die Abrechnung erfolgt nach GOÄ. Bei stationären Eingriffen übernehmen zunehmend auch gesetzliche Kassen die Kosten auf Antrag – sprechen Sie uns an.

Weiterführende Beiträge aus unserem Zentrum

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Quellen

  1. Aminlari A, et al. Diagnosing Achilles tendon rupture with ultrasound in patients treated surgically. J Emerg Med. 2021.
  2. Myhrvold SB, Brouwer EF, Andresen TKM, et al. Nonoperative or surgical treatment of acute Achilles‘ tendon rupture. N Engl J Med. 2022;386(15):1409–1420.
  3. Willits K, Amendola A, Bryant D, et al. Operative versus nonoperative treatment of acute Achilles tendon ruptures: a multicenter randomized trial using accelerated functional rehabilitation. J Bone Joint Surg Am. 2010;92(17):2767–2775.
  4. Khan RJ, Carey Smith RL. Surgical interventions for treating acute Achilles tendon ruptures. Cochrane Database Syst Rev. 2010.
  5. Ochen Y, Beks RB, van Heijl M, et al. Operative treatment versus nonoperative treatment of Achilles tendon ruptures: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2019;364:k5120.
  6. Amlang MH, Christiani P, Heinz P, Zwipp H. Die perkutane Achillessehnennaht mit dem Dresdner Instrument. Unfallchirurg. 2005;108(7):529–536.
  7. Chen DI, et al. [Resorbierbares vs. nichtresorbierbares Nahtmaterial bei offener Achillessehnennaht]. 2025.
  8. Liu H, et al. Early functional rehabilitation versus immobilisation after Achilles tendon repair. Bone Joint J. 2021
  9. Wu Y, et al. Complications in the management of acute Achilles tendon rupture: early immobilisation versus early functional rehabilitation. Am J Sports Med. 2019.
  10. Amlang MH. Verletzungen der Achillessehne. In: Tscherne Unfallchirurgie – Fuß. Springer; 2014.
  11. Johns W, et al. Return to play after Achilles tendon rupture in professional athletes. Foot Ankle Int. 2021.
  12. LaPrade CM, et al. Return to play and performance after Achilles tendon rupture in athletes. Br J Sports Med. 2022.
  13. Attia AK, et al. Outcomes and complications of open versus minimally invasive repair of acute Achilles tendon ruptures: systematic review and meta-analysis. Am J Sports Med. 2021.

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026