Plattfuß-Diagnostik: Warum konventionelles Röntgen beim schweren Knick-Plattfuß oft nicht ausreicht

Kurz zusammengefasst

Das Problem:  Konventionelles Roentgen zeigt Knochen – aber keine zuverlaessige Fussstatik unter Last, keine praezise Arthrosebeurteilung der kleinen Fussgelenke und keine vollstaendige Fehlstellungsgeometrie.

Die Lösung:  Digitale Volumentomografie (DVT) – 3D-Bildgebung unter Belastung, mit vergleichbarer Strahlenbelastung wie beim Roentgen, aber deutlich mehr diagnostischer Information.

Entscheidend fuer:  Die Frage gelenkerhaltend vs. Versteifung, die genaue Planung der OP-Schritte und die Erkennung von Befunden (z. B. Tarsale Coalitio), die im Roentgen oft unsichtbar bleiben.

In unserer Praxis:  DVT und MRT werden fuer jeden Patienten direkt organisiert – noch am selben Tag, bevor Sie die Praxis verlassen.

Viele Patienten kommen mit einem Stapel Röntgenbilder in die Praxis – manche davon jahrealt, manche gerade erst gemacht. Was fast immer fehlt: eine Aufnahme, die zeigt, wie der Fuß unter Belastung tatsächlich aussieht. Das ist kein Versäumnis einzelner Kollegen, sondern eine strukturelle Grenze des konventionellen Röntgens. Beim schweren Knick-Plattfuß reicht diese Grenze jedoch direkt in die Therapieentscheidung hinein.

Denn die zentrale Frage bei der Plattfuß-Behandlung – gelenkerhaltend oder Versteifung, welche Gelenke, welche Schritte – lässt sich ohne präzise 3D-Bildgebung unter Last nicht fundiert beantworten. Wer diese Frage auf Basis einer konventionellen Röntgenaufnahme entscheidet, plant auf unvollständiger Grundlage.

Was konventionelles Röntgen beim Plattfuß leistet – und wo seine Grenzen liegen

Axiale Vollbelastung als Grundvoraussetzung – die oft nicht erfüllt ist

Bevor überhaupt über die Grenzen des Röntgens gesprochen werden kann, steht ein noch grundlegenderes Problem: Ein Röntgenbild beim Plattfuß muss zwingend unter axialer Vollbelastung angefertigt werden – der Patient muss stehen, das volle Körpergewicht muss auf dem Fuß lasten. Nur so zeigt die Aufnahme, was tatsächlich klinisch relevant ist. In der Praxis ist das überraschend häufig nicht der Fall: Röntgenbilder werden im Sitzen, in Teilbelastung oder liegend angefertigt – und vermitteln dadurch ein falsches Bild der Fußstatik. Eine Fehlstellung, die unter Last deutlich ausgeprägt ist, kann ohne Belastung kaum sichtbar sein.

Das gilt auch für die spezialisierte Saltzman-Aufnahme zur Beurteilung der Rückfußachse: Sie ist technisch anspruchsvoll, fehleranfällig und in radiologischen Standardpraxen oft nicht korrekt umsetzbar. Dr. Böhr hat die häufigsten Fehlerquellen in einem eigenen Artikel beschrieben – inklusive eines Anschauungsbeispiels einer nicht auswertbaren Aufnahme aus der Sprechstunde. Das ist kein Einzelfall, sondern eher die Regel als die Ausnahme.

→ Artikel: Saltzman-Aufnahme richtig machen – Tipps und Tricks vom Fußspezialisten

Keine zuverlässige 3D-Statik auch bei korrektem Röntgen

Selbst wenn das Röntgenbild korrekt unter axialer Vollbelastung angefertigt wurde, bleibt ein fundamentales Problem: Es ist eine zweidimensionale Projektion. Überlagerungen von Knochen, Unschärfen durch Rotation und die begrenzte Auflösung kleiner Gelenke machen es schwierig, die wahre dreidimensionale Fußstatik zu beurteilen. Wie stark ist das Gewölbe wirklich eingebrochen? In welchem Winkel steht die Ferse zur Unterschenkelachse? Diese Fragen lassen sich im konventionellen Röntgen nur annäherungsweise beantworten.

Eingeschränkte Arthrosebeurteilung der kleinen Fußgelenke

Arthrose im Talonavikular- oder Talocalcaneargelenk – jenen Gelenken, die bei fortgeschrittenem Knick-Plattfuß häufig als erste betroffen sind – ist im konventionellen Röntgen oft unterschätzt oder gar nicht erkennbar. Die Gelenke liegen eng beieinander, überlagern sich auf dem Bild und lassen sich in 2D nur unvollständig beurteilen. Gerade für die Entscheidung, ob gelenkerhaltend oder mit Versteifungsanteilen operiert werden soll, ist diese Information aber unverzichtbar.

Versteckte Befunde – das Beispiel Tarsale Coalitio

Einer der eindrücklichsten Fälle aus der Praxis: Ein Patient wird über Jahre wegen eines schweren Knick-Plattfußes behandelt – mit Einlagen, Physiotherapie, schließlich mit dem Gedanken an eine Operation. Das Röntgenbild zeigt eine Plattfußfehlstellung. Was es nicht zeigt: eine Tarsale Coalitio – eine anlagebedingte, oft knorpelige Verbindung zwischen Fußwurzelknochen, die die Beweglichkeit des Rückfußes einschränkt und die eigentliche Ursache der Fehlstellung ist. Im konventionellen Röntgen ist eine inkomplette oder knorpelige Coalitio schlicht nicht sichtbar. In der DVT zeigt sie sich als 3D-Befund – präzise, eindeutig, handlungsweisend. Eine Plattfuß-Operation ohne diesen Befund zu kennen, würde an der eigentlichen Ursache vorbeigehen. Die Konsequenz: eine andere OP-Strategie, eine andere Prognose.

Was die Digitale Volumentomografie (DVT) beim Knick-Plattfuß leistet

Die DVT ist ein 3D-Bildgebungsverfahren, das speziell für die Diagnostik an Fuß und Sprunggelenk optimiert wurde. Dr. Böhr nutzt Super-Ultra-Low-Dose-Protokolle (SULD), bei denen die effektive Strahlendosis pro Untersuchung vergleichbar mit der eines konventionellen Röntgenbildes ist – bei einem Vielfachen an diagnostischer Information.

Der entscheidende Unterschied für die Plattfuß-Diagnostik: Die DVT-Aufnahme beim Knick-Plattfuß wird unter Belastung angefertigt – der Patient steht, der Fuß trägt das volle Körpergewicht. Erst so zeigt sich das wahre Ausmaß der Fehlstellung. Fußstatik, die im Liegen noch unaufällig wirkt, kann unter Last ein völlig anderes Bild ergeben – und damit eine andere Therapieentscheidung erzwingen.

FragestellungKonventionelles RoentgenDVT (Belastungsaufnahme)
Fusstatik unter LastEingeschraenkt – 2D, UeberlagerungenPraezise 3D-Analyse unter vollem Koerpergewicht
Arthrosegrad kleine GelenkeOft unterschaetzt oder nicht erkennbarHochaufloesend, alle Gelenkflaechen beurteilbar
FehlstellungsgeometrieNur annaeherungsweise messbarExakte Winkel- und Achsenmessung fuer die OP-Planung
Tarsale CoalitioHaeufig nicht erkennbar3D-Darstellung auch inkompletter Coalitiones
StrahlenbelastungReferenzwertVergleichbar (SULD-Protokoll) – bei deutlich mehr Information
Nutzung fuer OP-PlanungBegrenztDieselben Bilder direkt fuer OP-Planung verwendbar

Ein weiterer praktischer Vorteil: Die DVT-Bilder, die für die Diagnostik erstellt werden, sind dieselben Bilder, die für die OP-Planung genutzt werden. Es braucht keine zweite Untersuchung, keine erneute Strahlenbelastung. Die 3D-Datensätze erlauben exakte Winkel- und Achsenmessungen direkt am Bildschirm – Grundlage für die individuelle Planung jedes OP-Schritts.

DVT und MRT: zwei verschiedene Antworten auf zwei verschiedene Fragen

DVT und MRT ergänzen sich beim schweren Knick-Plattfuß – sie ersetzen sich nicht. Die Faustregel:

  • DVT beantwortet die knöcherne Frage: Fußstatik, Fehlstellungsgrad, Arthroseausmaß, OP-Planung.
  • MRT beantwortet die Weichteilfrage: Zustand der Tibialis-posterior-Sehne, Ausmaß von Rissen oder Degeneration, Entzündungsgeschehen im Sehnenfach.

Für eine vollständige Therapieentscheidung beim schweren Knick-Plattfuß braucht es in der Regel beide. Das MRT zeigt, was mit der Sehne passiert ist – und damit, ob ein Sehnentransfer notwendig sein wird. Die DVT zeigt unter voller axialer Körperbelastung, was mit den Knochen und Gelenken passiert ist – und damit, welche knöchernen Korrekturen der Fuß braucht.

Wann wird welche Untersuchung eingesetzt?
DVT immer:  Bei Verdacht auf schweren Knick-Plattfuss mit OP-Ueberlegung, zur Arthrosebeurteilung, zur Fehlstellungsgeometrie, bei Verdacht auf Tarsale Coalitio.
MRT ergaenzend:  Bei Verdacht auf Sehnenriss oder -degeneration, zur Beurteilung von Teilrissen, wenn die Weichteilsituation fuer die Therapieentscheidung relevant ist.
Roentgen:  Nur noch selten erforderlich – und in der Regel durch die DVT ersetzt. Ausnahme: in SEHR ausgeprägten Fällen Satzman-Aufnahme und Ganzbeinstandaufnahme.

Wie das bei uns in der Praxis abläuft

DVT und MRT werden in unserer Praxis nicht als separate Termine organisiert, die der Patient selbst koordinieren muss. Stattdessen läuft das so: Nach dem Erstgespräch und der klinischen Untersuchung bei Dr. Böhr wird – wenn indiziert – noch während Ihres Besuchs ein DVT-Termin für Sie gebucht. Gleiches gilt für das MRT. Sie verlassen die Praxis mit einem klaren Fahrplan: wann welche Untersuchung stattfindet, wann der Folgetermin zur Befundbesprechung ist.

Dieses Vorgehen hat einen einfachen Grund: Therapieentscheidungen beim schweren Knick-Plattfuß dürfen nicht auf unvollständiger Diagnostik beruhen. Wer die Bildgebung dem Zufall des Terminsystems überlässt, riskiert, dass zwischen Erstvorstellung und Befundbesprechung Wochen vergehen – und der Patient in dieser Zeit weder einen klaren Plan noch eine fundierte Einschätzung hat.

Häufige Fragen (FAQ) zur DVT beim Plattfuß

Ist die DVT schmerzhaft oder aufwändig?

Nein. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, der Patient steht dabei auf einer Plattform. Es gibt keine Nadeln, keine Kontrastmittel, keine Enge wie beim MRT. Die Vorbereitung ist minimal, die Strahlenbelastung vergleichbar mit einem Röntgenbild. Aber: es gibt nur wenige Geräte und der Arzt braucht eine spezielle Befähigung.

Kann ich meine bestehenden Röntgenbilder mitbringen?

Ja – und bitte tun Sie das. Voraufnahmen geben wichtige Hinweise auf den zeitlichen Verlauf der Fehlstellung. Sie ersetzen die DVT nicht, aber sie ergänzen das Bild. Bringen Sie auch MRT-Aufnahmen mit, falls vorhanden – am besten als CD/DVD mit den Originaldaten, nicht nur als Ausdruck.

Übernimmt meine Krankenkasse die DVT-Kosten?

Private Krankenversicherungen und Beihilfe übernehmen die Kosten nach unserer Erfahrung in der Regel problemlos. Für gesetzlich Versicherte ist die DVT eine Privatleistung. Wir beraten Sie gerne vorab zu den zu erwartenden Kosten.

Kann die DVT auch von anderen Ärzten angefordert werden?

Ja. Zuweisende Arztpraxen können DVT-Untersuchungen über uns anfragen. Unterlagen für zuweisende Praxen stehen auf unserer DVT-Seite zum Download bereit.

Weiterführende Informationen

Schwerer Knick-Plattfuß: Ursachen, Diagnostik und operative Behandlung

Die Pillar Page mit vollständigem Überblick über Stadien, Therapie und Nachbehandlung.

→ Plattfuß: Wann konservativ, wann Operation?

Entscheidungshilfe mit Warnsignalen und den wichtigsten Befund-Kriterien.

→ Digitale Volumentomografie (DVT): Alle Informationen zur Methode, Kosten und Ablauf

Die ausführliche Methodenseite mit praktischen Informationen rund um die DVT-Untersuchung.

Tibialis-posterior-Syndrom & PCFD: Krankheitsbild und Therapie im Detail

Die häufigste Ursache des schweren Knick-Plattfußes – mit Stadien, Symptomen und Behandlung.

Bildgebung organisieren – noch am selben Tag

Wenn Sie mit einem schweren Knick-Plattfuß zu uns kommen und noch keine DVT-Untersuchung vorliegt: Wir kümmern uns darum direkt im Anschluss an Ihren Termin. Sie verlassen die Praxis nicht ohne einen klaren nächsten Schritt.

Termin vereinbaren:

Tel. 030 – 34 39 59 47  |  anmeldung@ortho-pede.de  |  Online-Terminvereinbarung

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Beratung oder Anweisung.

Inhalt medizinisch kontrolliert von: Dr. med. Stefan Böhr, Ärztlicher Leiter & Inhaber, Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin

Letztes Update: 20-02-2026