Zadek-Osteotomie – Fersenbeinkorrektur beim Haglund-Syndrom

Kurzantwort: Die Zadek-Osteotomie ist eine Operation am Fersenbein bei Haglund-Syndrom, dorsalem Fersensporn und Schmerzen am Ansatz der Achillessehne (Insertionstendinopathie). Aus dem oberen Fersenbein wird ein Knochenkeil entnommen: Der Fersenhöcker wird kürzer, der Sehnenansatz rückt nach oben, der Druck auf die Achillessehne sinkt. Infrage kommt sie, wenn der Fersenhöcker im Verhältnis zum Fersenbein zu lang ist – messbar mit dem X/Y-Verhältnis und dem Pitch-Winkel nach Tourné. Dr. Böhr operiert offen über einen seitlichen Zugang, fixiert mit Schrauben und führt den Eingriff stationär in der Klinik Sanssouci Potsdam durch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Zadek-Osteotomie?

Beim Haglund-Syndrom drückt ein knöcherner Höcker am oberen hinteren Fersenbein auf die Achillessehne und den Schleimbeutel davor. Bei einem Teil der Patienten liegt die Ursache nicht nur im Höcker, sondern in der Form des Fersenbeins: Der Fersenhöcker ist im Verhältnis zu lang, der Sehnenansatz steht ungünstig, die Achillessehne arbeitet über einen zu langen Hebel.

Die Zadek-Osteotomie setzt an dieser Ursache an. Aus dem oberen Fersenbein wird ein keilförmiges Knochenstück entfernt (dorsal schließende Keilosteotomie). Schließt man den Spalt, verkürzt sich der Fersenhöcker, der Ansatz der Achillessehne wird leicht angehoben und ihr Hebelarm verkürzt (3). Eine reine Abtragung des Höckers ändert an der Form des Fersenbeins dagegen nichts.

Für wen kommt die Zadek-Osteotomie in Frage?

Voraussetzung ist ein Haglund-Syndrom oder ein dorsaler Fersensporn mit Schmerzen am Achillessehnenansatz, der trotz konsequenter konservativer Therapie über mehrere Monate nicht ausreichend besser wird – mit Schuhanpassung, Physiotherapie und Stoßwellentherapie.

Die Entscheidung zwischen Zadek-Osteotomie und reiner Abtragung treffen wir anhand der Form des Fersenbeins in der seitlichen Ansicht – bei uns in der DVT, alternativ auf einem vorhandenen Röntgenbild im Stand:

  • X/Y-Verhältnis: Gesamtlänge des Fersenbeins (X) im Verhältnis zur Länge des Fersenhöckers (Y). Ein Wert unter 2,5 zeigt einen im Verhältnis zu langen Fersenhöcker (1, 2).
  • Pitch-Winkel: Neigung der Fersenbeinunterseite gegenüber dem Boden. Ein Wert über 20° stützt die Entscheidung zusätzlich (1, 3).

Schemazeichnung: Messung von X/Y-Verhältnis und Pitch-Winkel am Fersenbein im seitlichen Röntgenbild
X/Y-Verhältnis und Pitch-Winkel nach Tourné – Schemazeichnung, nicht maßstäblich

Liegt das X/Y-Verhältnis darüber, reicht in der Regel die Abtragung des Höckers – arthroskopisch oder offen: Haglund-Syndrom-OP

Keine Indikation ist die Zadek-Osteotomie bei

Ablauf der Operation

Die Zadek-Osteotomie ist eine stationäre Operation in der Klinik Sanssouci Potsdam. Dr. Böhr operiert offen über einen seitlichen Hautschnitt am Fersenbein. Der Knochenkeil wird unter Röntgenkontrolle entnommen, der Spalt geschlossen und mit Schrauben (6,5 mm) fixiert. Im selben Eingriff entfernen wir routinemäßig den Haglund-Höcker und den entzündeten Schleimbeutel zwischen Fersenbein und Achillessehne.

Zadek-Osteotomie mit FHL-Transfer

Ist mehr als die Hälfte der Achillessehne am Ansatz stark geschädigt, verstärken wir sie zusätzlich mit einem FHL-Transfer: Die Sehne des langen Großzehenbeugers wird hinter der Achillessehne im Fersenbein verankert und übernimmt einen Teil ihrer Arbeit. Mehr dazu: Haglund-Syndrom-OP

Nachbehandlung

  • Woche 1–4: Entlastung im Longwalker mit Gehstützen
  • Woche 5–6: Teilbelastung mit 20 kg im Longwalker
  • Ab Woche 7: freie Belastung
  • Sport: schrittweiser Aufbau nach Kriterien wie nach einem Achillessehnenriss – die Rückkehr in vollen Sport dauert in der Regel 9 bis 12 Monate

Die Nachbehandlung erfolgt im Rahmen von Ortho Professional Care.

Risiken

Die Zadek-Osteotomie ist ein sicheres Verfahren. In einer systematischen Übersichtsarbeit mit über 500 offenen Zadek-Osteotomien lag die Komplikationsrate insgesamt bei 10,2 % – überwiegend leichte, folgenlos ausheilende Komplikationen (4):

  • oberflächliche Wundinfektion: 2,0 % (Behandlung mit Antibiotika-Tabletten)
  • vorübergehende Reizung des Hautnervs am Fußaußenrand (N. suralis): 0,5 %
  • Thrombose: 0,5 %
  • verzögerte Wundheilung: 0,2 %

Eine ausbleibende Knochenheilung (Pseudarthrose) trat nach offener Technik in keinem Fall auf – nach perkutaner Technik in 4,3 %, jeweils mit erneuter Operation. Das ist einer der Gründe, warum wir die Zadek-Osteotomie offen mit Schraubenfixierung durchführen.

Häufige Fragen zur Zadek-Osteotomie

Was ist der Unterschied zwischen Zadek-Osteotomie und Abtragung des Haglund-Höckers?

Die Abtragung entfernt nur den Höcker. Die Zadek-Osteotomie verkürzt zusätzlich den Fersenhöcker und damit den Hebel der Achillessehne. Welches Verfahren passt, entscheiden X/Y-Verhältnis und Pitch-Winkel.

Wie werden X/Y-Verhältnis und Pitch-Winkel gemessen?

In der seitlichen Ansicht des Fersenbeins – bei uns in der DVT, alternativ auf einem Röntgenbild im Stand: X ist die Gesamtlänge des Fersenbeins vom vordersten Punkt des vorderen Fortsatzes bis zum hintersten Punkt. Y ist die Länge des Fersenhöckers vom hintersten Punkt der Gelenkfläche zum Sprungbein bis zur oberen hinteren Spitze des Fersenhöckers. Der Pitch-Winkel ist die Neigung der Fersenbeinunterseite gegenüber dem Boden. X/Y unter 2,5 und ein Pitch-Winkel über 20° sprechen für die Zadek-Osteotomie.

Müssen die Schrauben wieder entfernt werden?

Nicht zwingend – sie können im Knochen bleiben. Weil sie am Fersenbein im Schuh häufig stören, entfernen wir sie aber oft in einem kurzen ambulanten Eingriff.

Muss ich nach der Operation im Krankenhaus bleiben?

Ja. Die Zadek-Osteotomie ist eine stationäre Operation in der Klinik Sanssouci Potsdam.

Fazit

Die Zadek-Osteotomie behandelt beim Haglund-Syndrom nicht nur den Höcker, sondern die Form des Fersenbeins. Sie ist das richtige Verfahren, wenn der Fersenhöcker im Verhältnis zu lang ist – eine gezielte Alternative zur reinen Abtragung, keine Lösung für jeden Fersenschmerz. Ob sie für Sie infrage kommt, klären wir in unserer Privatpraxis im Zentrum für Fuß & Sprunggelenk anhand von Untersuchung und DVT.

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Quellen

  1. Tourné Y, Baray AL, Barthélémy R, Moroney P. Contribution of a new radiologic calcaneal measurement to the treatment decision tree in Haglund syndrome. Orthop Traumatol Surg Res. 2018;104(8):1215–9. doi:10.1016/j.otsr.2018.08.014
  2. Tourné Y, Baray AL, Barthélémy R, Karhao T, Moroney P. The Zadek calcaneal osteotomy in Haglund’s syndrome of the heel: clinical results and a radiographic analysis to explain its efficacy. Foot Ankle Surg. 2022;28(1):79–87. doi:10.1016/j.fas.2021.02.001
  3. Tourné Y, Francony F, Barthélémy R, Karhao T, Moroney P. The Zadek calcaneal osteotomy in Haglund’s syndrome of the heel: its effects on the dorsiflexion of the ankle and correlations to clinical and functional scores. Foot Ankle Surg. 2022;28(6):789–94. doi:10.1016/j.fas.2021.11.001
  4. Bakaes Y, Hall S, Jackson JB 3rd, Johnson AH, Schipper ON, Vulcano E, Kaplan JRM, Gonzalez TA. Percutaneous vs open Zadek osteotomy for treatment of insertional Achilles tendinopathy and Haglund’s deformity: a systematic review. Foot Ankle Orthop. 2024;9(2):24730114241241320. doi:10.1177/24730114241241320

Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026