Peronealsehnen-OP: Wie schlimm ist es wirklich – und wie lange fällt man aus?

Wer vor einer Peronealsehnen-Operation steht, sucht meist zwei Antworten: Wie sehr tut das weh – und wie lange bin ich raus? Beide Fragen sind berechtigt, und beide lassen sich ehrlicher beantworten, als es die üblichen Forenbeiträge nahelegen. Die kurze Antwort vorweg: Die Operation selbst ist in aller Regel gut zu ertragen, und die meisten Patienten dürfen früher wieder auftreten, als sie befürchten. Was den Alltag prägt, ist weniger der Schmerz als die Zeit im Longwalker – rund sechs Wochen, in denen der Fuß ruhiggestellt bleibt. Wie viel Sie in dieser Zeit dürfen, hängt entscheidend davon ab, welches der Verfahren bei Ihnen durchgeführt wurde.

Dieser Beitrag beschreibt, was Sie nach einer Peronealsehnen-OP im Alltag tatsächlich erwartet.

Inhaltsverzeichnis

Warum die Ausfallzeit so unterschiedlich ausfällt

„Peronealsehnen-OP“ ist kein einheitlicher Eingriff, sondern eine Familie von vier verschiedenen Operationen – und die Ausfallzeit unterscheidet sich zwischen ihnen erheblich. Das erklärt, warum Sie im Internet Angaben zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten finden. Beide können stimmen.

Entscheidend ist nicht, wie groß der Eingriff wirkt, sondern was nach dem Eingriff geschützt werden muss. Wird der Halteapparat der Sehnen wieder befestigt, oder die knöcherne Gleitrinne hinter dem Außenknöchel vertieft, ist Vollbelastung im Longwalker oft schon nach wenigen Tagen möglich. Bei einem Sehnentransfer oder eine vollständig abgerissenen Sehne muss hingegen länger entlastet werden.

Das wirkt widersinnig: Der aufwendigere Eingriff am Knochen erlaubt die schnellere Belastung, die kleinere Nahtversorgung nicht. Der Grund ist einfach – Knochen heilt unter Belastung, eine frische Sehnennaht nicht.

Welches Verfahren bei Ihnen infrage kommt und wie die jeweilige Nachbehandlung im Detail aussieht, finden Sie auf unserer Seite zur Peronealsehnen-OP.

Dr. Stefan Böhr Spezialist Orthopädie Berlin

Die ersten Tage nach der Operation

Die Schmerzen sind in den ersten zwei bis drei Tagen am stärksten und lassen sich in aller Regel gut mit Tabletten kontrollieren. Der Fuß wird geschwollen sein – Hochlagern ist in dieser Phase die wirksamste Maßnahme, wirksamer als jedes Medikament.

Die Physiotherapie beginnt früh, zunächst passiv. Das klingt früh, hat aber einen Grund: Sehnen und Weichteile verkleben, wenn sie über Wochen still liegen. Die Bewegung von außen verhindert genau das. Ergänzend hilft Lymphdrainage gegen die Schwellung.

Die Fäden werden nach etwa zwei Wochen gezogen. Bis dahin muss die Wunde trocken bleiben, was das Duschen zur täglichen Planungsaufgabe macht – der Longwalker darf zum Duschen ab, die Wunde muss aber geschützt werden.

Sechs Wochen Longwalker – aber meistens dürfen Sie auftreten

Hier steckt die größte Fehlvorstellung. Viele stellen sich sechs Wochen an Gehstützen vor, mit einem Fuß, der den Boden nicht berühren darf. Für die meisten Patienten stimmt das nicht.

Nach den drei häufigeren Eingriffen – Rekonstruktion des Halteapparats, Vertiefung der Gleitrinne und Naht eines Längsrisses – ist Vollbelastung im Longwalker in der Regel schon nach wenigen Tagen möglich. Sie tragen also den Walker, dürfen damit aber normal auftreten und gehen. Das macht den Alltag erheblich einfacher, als die Vorstellung es befürchten lässt.

Anders ist es nur, wenn eine Sehne vollständig abgerissen war und rekonstruiert oder transferiert werden musste. Dann muss der Fuß über mehrere Wochen vollständig entlastet werden – das ist der Fall, der wirklich Gehstützen und Organisation verlangt. Er ist aber der seltenere.

In beiden Fällen gilt: Der Longwalker wird rund sechs Wochen getragen, auch nachts. Das kostet in den ersten Nächten Schlaf, und ein Duschhocker samt rutschfester Matte macht das Waschen sicherer. Weil das Bein längere Zeit ruhiggestellt ist, ist eine Thrombosevorbeugung notwendig – wie genau, besprechen wir individuell.

Wurde eine abgerissene Sehne genäht oder transferiert, kommt eine wichtige Regel hinzu: Der Fußaußenrand darf über Wochen nicht aktiv angehoben werden, weil diese Bewegung genau die versorgte Sehne unter Zug setzt. Nach den anderen Eingriffen gilt diese Einschränkung nicht.

Autofahren und Arbeiten

Autofahren ist mit angelegtem Longwalker nicht möglich – Sie können damit weder sicher bremsen noch das Pedalgefühl kontrollieren. Da der Walker rund sechs Wochen getragen wird, fällt das Auto für diese Zeit unabhängig vom Verfahren aus. Danach gibt die Nachkontrolle die Fahrfähigkeit frei, sobald Sie den Fuß wieder zuverlässig und schmerzfrei kontrollieren – das ist auch deshalb wichtig, weil im Schadensfall die Frage der Fahrtüchtigkeit gestellt wird.

Bei der Arbeitsfähigkeit reicht die Spanne von etwa einer bis zu acht Wochen, je nach Tätigkeit. Ein Bürojob im Homeoffice ist oft nach wenigen Wochen wieder machbar, sobald Schmerz und Schwellung nachgelassen haben. Bei stehenden oder gehenden Tätigkeiten dauert es länger.

Ein Punkt, der in der Planung regelmäßig vergessen wird: Nicht die Arbeit selbst ist das Hindernis, sondern der Weg dorthin. Mit angelegtem Longwalker durch volle Bahnen, Umsteigen und Treppen – das ist für viele die eigentliche Hürde. Wer im Homeoffice arbeiten kann, steigt deutlich früher wieder ein.

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Ab wann es sich wieder normal anfühlt

Ab Woche sieben beginnt für die meisten Verfahren der Belastungsaufbau: Der Longwalker wird schrittweise abtrainiert, die Physiotherapie wird aktiver, und der Fuß lernt wieder, seine Aufgabe zu übernehmen. Das ist der Punkt, an dem es spürbar aufwärtsgeht.

Ganz normal fühlt sich der Fuß dann noch nicht an. Ein Spannungsgefühl und eine Restschwellung, besonders abends und nach längerem Stehen, begleiten viele Patienten über Monate. Das ist unangenehm, aber unbedenklich – Schwellung ist der letzte Befund, der verschwindet, und sie braucht oft ein halbes Jahr.

Sportlich hängt die Freigabe vom Verfahren ab: Nach Rekonstruktion des Halteapparats oder Vertiefung der Gleitrinne ist Belastung meist nach drei bis vier Monaten wieder möglich, nach einer Sehnennaht beginnt der Aufbau ab Woche zwölf. Sportarten mit schnellen Richtungswechseln kommen zuletzt zurück, anfangs mit Schutzorthese.

Was Sie erwarten dürfen: Das Schnappen hinter dem Außenknöchel ist weg, das Gefühl der Unsicherheit ebenso. Genau dafür wurde operiert.

Was Patienten im Rückblick unterschätzt haben

Die Longwalker-Zeit im Alltag. Auch wenn Sie auftreten dürfen: Sechs Wochen ein hoher, fester Stiefel rund um die Uhr sind gewöhnungsbedürftig – beim Schlafen, beim Autoverzicht, beim Anziehen. Wer das einplant, kommt gelassener durch.

Die Wohnsituation – vor allem im Entlastungsfall. Musste eine abgerissene Sehne versorgt werden und ist der Fuß wochenlang zu entlasten, entscheiden Treppen ohne Aufzug und ein enges Bad stärker über den Alltag als der Eingriff selbst.

Dass mehr operiert wird als die Sehne. In den meisten Fällen wird gleichzeitig die Ursache behandelt – eine Bandinstabilität, eine flache Gleitrinne oder eine Fehlstellung des Rückfußes. Das macht den Eingriff größer, ist aber der Grund, warum das Ergebnis dauerhaft hält. Eine technisch perfekte Sehnennaht ohne Ursachenbehandlung reißt wieder ein.

Die Geduld mit der Schwellung. Sie ist der häufigste Anlass zur Sorge – und der harmloseste Befund.

Fazit: Die Operation ist nicht das Problem

Wer sich vor einer Peronealsehnen-OP fürchtet, fürchtet meist den falschen Teil. Der Eingriff ist gut planbar und in aller Regel gut zu ertragen. Herausfordernd sind die Wochen danach – die Ruhigstellung im Longwalker und, im selteneren Entlastungsfall, die Abhängigkeit von anderen.

Wer das vorher weiß und sich darauf einrichtet, kommt deutlich besser durch diese Zeit. Und für die allermeisten Patienten steht am Ende genau das, weswegen sie sich für die Operation entschieden haben: ein Sprunggelenk, das hält, nicht mehr schnappt und beim Abstoßen nicht mehr nachgibt.

Persönliche Beratung in Berlin-Zehlendorf

Welches Verfahren in Ihrem Fall infrage kommt – und wie lange Sie danach realistisch ausfallen – lässt sich erst nach der Untersuchung und der Bildgebung sagen. Ultraschall, MRT und DVT zeigen nicht nur den Sehnenschaden, sondern auch die Ursache dahinter, und genau die bestimmt den Umfang des Eingriffs.

Wenn Ihnen bereits eine Operation empfohlen wurde und Sie unsicher sind, ob Verfahren und Zeitplan zu Ihrer Situation passen, ist eine Zweitmeinung in der Fußchirurgie vor dem Eingriff sinnvoll. Dr. Böhr führt alle Operationen an den Peronealsehnen persönlich durch.

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Häufige Fragen

Wie schlimm ist eine Peronealsehnen-OP wirklich?

Der Eingriff selbst ist gut zu ertragen: Die Schmerzen sind in den ersten zwei bis drei Tagen am stärksten und lassen sich in der Regel mit Tabletten gut kontrollieren. Was den Alltag prägt, ist die Zeit im Longwalker – rund sechs Wochen. Die gute Nachricht: Nach den meisten Verfahren dürfen Sie darin früh wieder auftreten. Nur wenn eine abgerissene Sehne versorgt wurde, ist eine längere Entlastung an Gehstützen nötig.

Wie lange bin ich nach einer Peronealsehnen-OP krankgeschrieben?

Je nach Tätigkeit zwischen etwa einer und acht Wochen. Im Homeoffice ist ein Wiedereinstieg oft nach wenigen Wochen möglich, bei stehenden oder gehenden Berufen dauert es deutlich länger. Häufig ist nicht die Arbeit selbst das Hindernis, sondern der Arbeitsweg mit Gehstützen.

Muss ich nach der Operation an Gehstützen und darf nicht auftreten?

Meistens nicht. Nach Rekonstruktion des Halteapparats, Vertiefung der Gleitrinne und Naht eines Längsrisses ist Vollbelastung im Longwalker in der Regel schon nach wenigen Tagen möglich – Sie tragen den Walker, dürfen damit aber auftreten. Eine mehrwöchige vollständige Entlastung an Gehstützen ist nur nötig, wenn eine vollständig abgerissene Sehne rekonstruiert oder transferiert wurde.

Wann darf ich nach der Operation wieder Auto fahren?

Mit angelegtem Longwalker dürfen Sie nicht fahren – sicheres Bremsen ist damit nicht möglich. Da der Walker rund sechs Wochen getragen wird, fällt das Autofahren für diese Zeit aus, unabhängig davon, welches Verfahren durchgeführt wurde. Danach erfolgt die Freigabe individuell in der Nachkontrolle, sobald Sie den Fuß wieder zuverlässig kontrollieren.

Muss ich den Longwalker auch nachts tragen?

Ja, in den ersten Wochen wird der Longwalker rund um die Uhr getragen, auch im Schlaf. Er schützt die operierten Strukturen vor unbewussten Bewegungen. Zum Duschen darf er abgenommen werden. Ab welchem Zeitpunkt er nachts abgelegt werden kann, hängt vom Verfahren ab und wird individuell festgelegt.

Wie lange bleibt der Fuß nach der Operation geschwollen?

Deutlich länger, als die meisten erwarten. Eine Restschwellung – vor allem abends und nach längerem Stehen – kann über mehrere Monate bestehen bleiben und ist in dieser Zeit unbedenklich. Hochlagern, Lymphdrainage und Kompression helfen zuverlässig.

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Inhalt medizinisch kontrolliert von:
Dr. med. Stefan Böhr, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Fußchirurg (DAF & GFFC)
Ärztlicher Leiter & Inhaber, ORTHO | PEDE – Zentrum für Fuß & Sprunggelenk Berlin-Zehlendorf
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026