Schwerer Knick-Plattfuß (Knick-Senkfuß)

Kurzdefinition: Schwerer Knick-Plattfuß (medizinisch: Pes planovalgus; in fortgeschrittenen Fällen als Progressive Collapsing Foot Deformity, PCFD, klassifiziert) beschreibt den Zusammenbruch des medialen Fußlängsgewölbes mit gleichzeitiger Knickstellung der Ferse nach außen. Die häufigste Ursache ist eine zunehmende Insuffizienz der Tibialis-posterior-Sehne – jener Sehne, die das Fußgewölbe von innen aktiv stabilisiert. Frühzeitig erkannt, lässt sich die Erkrankung oft noch konservativ aufhalten. In fortgeschrittenen Stadien bietet die operative Korrektur in vielen Fällen gute bis sehr gute Ergebnisse.

Auf einen Blick
Leitsymptom: Schmerzen hinter und unter dem Innenknöchel, Gewölbeverlust, zunehmende Knickstellung der Ferse – oft schleichend über Monate bis Jahre.
Häufigste Ursache: Insuffizienz der Tibialis-posterior-Sehne, oft auf Grundlage einer bestehenden Fußfehlstellung, Übergewicht oder genetischer Veranlagung.
Teufelskreis: Gewölbeverlust → Verkürzung von Wadenmuskulatur und Achillessehne → verstärkte Knickstellung → weitere Überlastung der Sehne.
Diagnostik: Klinische Untersuchung, Ultraschall, MRT; für die OP-Planung ist die Digitale Volumentomografie (DVT) unverzichtbar.
Therapieprinzip: Stadium I–II: konservativer Therapieversuch. Ab Stadium III: oft operative Korrektur sinnvoll. Kortison-Injektionen in die Sehnenregion sind zu vermeiden.
Wichtig: Die Flexibilität der Fehlstellung entscheidet über die Art der Operation – nicht über die Notwendigkeit der Operation.
Inhaltsverzeichnis

Wenn Einlagen jahrelang nicht geholfen haben

Viele Patienten, die mit einem schweren Knick-Plattfuß in unsere Praxis kommen, haben eine lange Vorgeschichte: Jahre, manchmal Jahrzehnte mit Einlagen, Physiotherapie und immer stärker werdenden Beschwerden. Nicht selten berichten sie, dass die Fehlstellung in der Familie liegt – Eltern oder Großeltern hatten denselben Fuß, und die Frage, ob und wann eine Operation notwendig wird, haben sie schon lange mit sich getragen.

Was diese Patienten eint: Die Einlage hält den Fuß passiv in Position, solange sie getragen wird – aber sie korrigiert keine Sehneninsuffizienz und sie stoppt keinen strukturellen Gewölbeverlust. Wenn die zugrunde liegende Ursache nicht behandelt wird, schreitet die Erkrankung fort. Das ist keine Kritik an der Einlagenversorgung, die in frühen Stadien durchaus sinnvoll ist – aber irgendwann kommt der Punkt, an dem eine gründliche Neu-Analyse entscheidet, welchen Weg es weiterzugehen gilt.

Ursache und Krankheitsbild

Der schwere Knick-Plattfuß ist eng mit dem Tibialis-posterior-Syndrom verbunden. Neben angeborenen Fehlstellungen und Unfallfolgen ist der Funktionsverlust der Tibialis-posterior-Sehne die weitaus häufigste Ursache. Diese Sehne verläuft hinter dem Innenknöchel und ist die zentrale dynamische Stütze des medialen Fußlängsgewölbes – sie hält bei jedem Schritt das Gewölbe aktiv aufrecht.

Lässt ihre Funktion nach, kommt es zum charakteristischen Doppelproblem: Das Fußlängsgewölbe flacht ab (Plattfuß), und die Ferse knickt gleichzeitig nach außen in Richtung Außenknöchel (Knickfuß). Bleibt diese Fehlstellung unkorrigiert, verkürzen sich Wadenmuskulatur und Achillessehne – was die Knickstellung der Ferse weiter verstärkt und die Sehne zusätzlich belastet. Ein Teufelskreis ist entstanden, der sich ohne gezielte Behandlung beschleunigt.

Warum entwickelt sich ein schwerer Knick-Plattfuß?

Häufig liegt eine Kombination aus genetischer Veranlagung und mechanischen Belastungsfaktoren vor. Wer in der Familie viele Betroffene kennt, hat oft selbst von Anfang an eine erhöhte Sehnenbelastung durch die angelegte Fußstatik.

Hinzu kommen Faktoren wie Übergewicht, körperlich anspruchsvolle Berufe mit langem Stehen oder Gehen, sportliche Belastung sowie vorbestehende Bandinstabilitäten. Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder Gicht können als zusätzliche Ursache des Tibialis-posterior-Syndroms eine Rolle spielen und so zur Entstehung des schweren Knick-Plattfußes entscheidend beitragen.

Das klinische Bild: Woran erkennt man es?

Bei der Untersuchung zeigt sich typischerweise eine Schwellung hinter und unter dem Innenknöchel sowie Schmerzen beim Einbein-Zehenstand (Single-Heel-Rise-Test). Charakteristisch ist das sogenannte Too-many-toes-sign: Betrachtet man den Fuß von hinten, sind auf der Außenseite mehr Zehen als normal sichtbar – ein deutliches Zeichen für die Fehlposition des Vorfußes durch die Fehlstellung.

In fortgeschrittenen Stadien wandert der Schmerz von der Innenseite auf die Außenseite des Fußes: Das Fersenbein schlägt durch die zunehmende Fehlstellung gegen den Außenknöchel und verursacht dort ein schmerzhaftes Impingement. Patienten, die anfangs über Innenknöchelschmerzen klagten, berichten dann plötzlich zusätzlich über Beschwerden am Außenknöchel – ein Warnzeichen für ein fortgeschrittenes Stadium.

Foto schwerer Plattfuß
Schwerer Knick Plattfuß

Stadien des schweren Knick-Plattfußes

Die Einteilung in vier Stadien (nach Johnson & Strom, modifiziert nach Myerson) hat sich für die klinische Therapieplanung bewährt. Sie beschreibt einen kontinuierlichen Krankheitsprozess – von der frühen Sehnenüberlastung bis zur komplexen Deformität mit Sprunggelenkbeteiligung:

StadiumKlinisches BildTherapieansatz
Stadium IEntzündung & Überlastung der Sehne, Fußstatik noch weitgehend erhalten, Schmerzen beim Einbein-ZehenstandKonservativ – häufig mit guten Ergebnissen
Stadium IIFlexible Knick-Senk-Fuß-Fehlstellung, eingeschränkter Einbein-Zehenstand, Sehnenschaden im MRT sichtbarKonservativer Versuch möglich; bei starker Ausprägung oft absehbar, dass Operation notwendig wird
Stadium IIIFixierte Fehlstellung, Einbein-Zehenstand nicht mehr möglich, beginnende Arthrose der beteiligten GelenkeOperative Korrektur bietet oft gute bis sehr gute Ergebnisse; bei sehr alten oder kranken Patienten: individuell angepasste konservative Therapie (z. B. hoher knöchelübergreifender Spezialschuh)
Stadium IVWie Stadium III, zusätzlich Arthrose im oberen Sprunggelenk, ausgeprägte AchsenabweichungKomplexe operative Strategie unter Einbezug des oberen Sprunggelenks; konservative Alternative bei eingeschränktem Funktionsanspruch möglich

Die Flexibilität der Fehlstellung spielt bei der Therapieplanung eine entscheidende Rolle – aber nicht in der Frage ob operiert wird, sondern wie: Eine flexible Fehlstellung eröffnet andere operative Möglichkeiten (Gelenkerhalt) als eine bereits versteifende Deformität (Arthrodese/Versteifung von Gelenken). Genau das klären wir vor jeder Therapieempfehlung – mit klinischer Untersuchung, Sonografie, Pedobarografie und, wo nötig, mit DVT.

Diagnostik: Was wir vor jeder Therapieentscheidung brauchen

Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen klinischen Untersuchung: Fußstellung, Gangbild, Belastbarkeit der Sehne, Single-Heel-Rise-Test, Jack-Test (flexible vs. rigide Fehlstellung), Silfverskjöld-Test (Achillessehnenverkürzung). Diese funktionelle Analyse ist die Grundlage – und gibt einem erfahrenen Fußspezialisten bereits wichtige Hinweise auf das Stadium der Erkrankung.

Ultraschall: Entzündung und Sehnenschaden direkt sichtbar machen

Der hochauflösende Ultraschall zeigt, ob die Tibialis-posterior-Sehne bereits strukturell geschädigt ist – und ob eine aktive Entzündungsreaktion vorliegt. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf Komplikationen wie eine Stressfraktur ergänzt das MRT die Bildgebung.

MRT: Strukturschaden der Sehne und Arthroseausmaß exakt beurteilen

Das MRT hat im diagnostischen Ablauf beim schweren Knick-Plattfuß eine klar definierte Rolle: Es zeigt den Zustand der Tibialis-posterior-Sehne und der Gelenke in einer Detailtiefe, die weder Ultraschall noch DVT erreichen. Partielle Einrisse, vollständige Rupturen, degenerative Veränderungen innerhalb der Sehne und das Ausmaß begleitender Entzündungsprozesse im Sehnenfach lassen sich im MRT direkt beurteilen – und das ist für die Wahl der richtigen OP-Methode oft entscheidend.

Darüber hinaus erlaubt das MRT eine frühe Beurteilung arthrotischer Veränderungen in den betroffenen Fußgelenken, insbesondere im Talonavikular- und Talocalcaneargelenk. Gerade in Stadium II, wo der Übergang von gelenkerhaltend zu arthrodesierend noch nicht klar ist, liefert das MRT wichtige Zusatzinformation. Wir organisieren MRT-Untersuchungen für unsere Privatpatienten auf Wunsch direkt – unkompliziert und zeitnah.

Digitale Volumentomografie (DVT): unverzichtbar für die OP-Planung

Beim schweren Knick-Plattfuß ist die Digitale Volumentomografie (DVT) das wichtigste bildgebende Verfahren für die operative Therapieplanung. Sie liefert in einer einzigen Untersuchung präzise 3D-Informationen über Knochenstellung, Fußstatik und Arthrosegrad der beteiligten Gelenke – und das bei einer Strahlenbelastung, die mit der des klassischen Röntgens vergleichbar ist.

Entscheidend ist dabei die Untersuchung unter Belastung: Erst wenn der Fuß das volle Körpergewicht trägt, zeigt sich das wahre Ausmaß der Fehlstellung. DVT-Aufnahmen im Stehen sind für die Planung einer Knick-Plattfuß-Operation daher Standard in unserer Praxis. Sie zeigen, welche Gelenke von Arthrose betroffen sind, ob und wo eine Versteifung notwendig ist – und welche Schritte die Operation umfassen muss.

Warum klassisches Röntgen hier nicht ausreicht

Das klassische Röntgenbild zeigt Knochen – aber keine dreidimensionale Fußstatik, keine zuverlässige Arthrosediagnostik der kleinen Fußgelenke und kein vollständiges Bild der Fehlstellungsgeometrie. Für die Entscheidung, welche OP-Schritte bei Ihnen notwendig sind, braucht es mehr. Die DVT liefert dieses Mehr – bei gleichem Strahlenrisiko wie ein konventionelles Röntgenbild.

Therapie beim schweren Knick-Plattfuß

Konservative Therapie: Wann, und was leistet sie wirklich?

Im Stadium I – und häufig auch noch im frühen Stadium II – ist ein konservativer Therapieversuch sinnvoll und oft erfolgreich. Ziel ist es, die Funktion der Tibialis-posterior-Sehne zu stabilisieren und die Fehlbelastung zu reduzieren. Dabei kommen passive Einlagen mit überhöhter Senkfußpelotte, feste knöchelübergreifende Schuhe, Kinesiotape sowie entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.

Passive Einlage IGLI Fa Medi
Typische passive Einlage bei Knick Plattfuß

Was bei der konservativen Therapie unbedingt zu vermeiden ist: Kortison-Injektionen in die Sehnenregion. Sie können – ähnlich wie bei der Plantarfasziitis – die bereits vorgeschädigte Sehne zusätzlich schwächen und das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen. Eine Kortisonspritze ist in diesem Kontext kontraindiziert.

Bei ausgeprägtem Stadium II ist zu Beginn der Therapie oft bereits absehbar, dass ein operativer Eingriff das langfristige Ziel sein wird. Das bedeutet nicht, dass sofort operiert werden muss – aber es bedeutet, dass die Behandlungsplanung von Anfang an realistisch sein sollte.

Auch bei Patienten in Stadium III oder IV, bei denen eine Operation aus Altersgründen oder aufgrund schwerwiegender Begleiterkrankungen nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, lässt sich mit einer individuell angepassten konservativen Therapie – etwa einem hohen knöchelübergreifenden medizinischen Spezialschuh – oft eine für den jeweiligen Funktionsanspruch ausreichende Verbesserung erzielen. Auch diese Entscheidung setzt eine gründliche Analyse voraus, um die erforderlichen Hilfsmittel genau festzulegen und die Erfolgsaussichten besser abschätzen zu können.

Bausteine der konservativen Therapie

Die konservative Therapie beim schweren Knick-Plattfuß ist kein Einheitsrezept. Je nach Stadium, Sehnenzustand und individueller Situation werden verschiedene Bausteine kombiniert – mit dem gemeinsamen Ziel, die Sehnenbelastung zu reduzieren, Entzündung zu dämpfen und die Fußstatik zu stabilisieren.

In Stadium I und II kommen sensomotorische Aktiveinlagen als aktiver Trainingsreiz in Betracht: Sie unterstützen die Muskulatur und korrigieren die Belastungsachse bei jedem Schritt – ein wesentlicher Unterschied zur rein passiven Einlagenversorgung, die das Gewölbe zwar stützt, aber keine neuromuskuläre Aktivierung bewirkt. Begleitend dazu ist Kinesiotape in vielen Fällen ein wertvolles Verfahren: Es entlastet die Sehne dynamisch und gibt dem Fuß propriozeptive Rückmeldung – in unserer Praxis von Dr. Böhr kontinuierlich für Fuß und Sprunggelenk weiterentwickelt.

Typische Aktiveinlagen bei Knick Plattfuß

Bei Entzündungsreaktionen der Sehne oder begleitenden Schmerzen im Sehnenfach setzen wir auf physikalische Verfahren: fokussierte Stoßwellentherapie undFotobiomodulation (Low-Level-Laser) wirken antientzündlich auf Gewebeebene und fördert die Regeneration. EMTT (Extrakorporale Magnetotransduktionstherapie) ist eine oft hilfreiche nicht-invasive Option bei chronischen Entzündungsgeschehen – auch kombinierbar mit anderen Verfahren.

Shock wave therapy heel
Fokussierte Stoßwellentherapie in unserem Zentrum für Fuß Sprunggelenk

Wenn die Sehne strukturell geschädigt ist und eine biologische Unterstützung sinnvoll erscheint, kann PRP/ACP (Eigenbluttherapie) ein ergänzender Baustein sein: Das aus dem Eigenblut gewonnene plättchenreiche Plasma enthält körpereigene Wachstumsfaktoren, die lokal injiziert die Geweberegeneration fördern können. Die wissenschaftliche Evidenz nimmt kontinuierlich zu.

In Stadium III und IV – wenn bereits Arthrose in den betroffenen Gelenken vorliegt – erweitert sich das Spektrum um intraartikuläre Hyaluronsäure: Sie wirkt entzündungshemmend und schmerzreduzierend, verbessert die Gelenkschmierung und kann als Überbrückung oder bei unverhältnismäßig hohem Operationsrisiko eine relevante Beschwerdelinderung ermöglichen. Welche Bausteine im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet Dr. Böhr nach vollständiger Analyse – nicht nach Schema.

Operative Korrektur: Gelenkerhalt wo möglich, Versteifung wo nötig

Wann immer möglich, wird gelenkerhaltend operiert. Ziel ist die Korrektur der knöchernen Fehlstellung und die Verbesserung der Sehnen- und Bandführung des Fußes. Da der schwere Knick-Plattfuß ein komplexes dreidimensionales Problem ist, besteht die Operation fast immer aus mehreren kombinierten Teilschritten – individuell geplant für jeden Patienten auf Basis der DVT-Analyse.

Typische OP-Schritte bei gelenkerhaltender Korrektur (Stadium I–II):

  • Achskorrektur an der Ferse: varisierende Fersenosteotomie (Dwyer-OP/MDO) – die Ferse wird in die korrekte Achse gebracht – oft kombiniert mit einer lateral verlängernden Fersenosteotomie (Evans-OP) zur Korrektur der Vorfußposition
  • Eingriff am Mittelfuß: Cotton-Osteotomie zur Verbesserung des medialen Fußlängsgewölbes oder TMT-1-Arthrodese bei Instabilität im ersten Strahl
  • Sehnentransfer: Übertragung der FDL- oder FHL-Sehne zur funktionellen Unterstützung der geschädigten Tibialis-posterior-Sehne; falls nötig ergänzt durch Pfannenbandrekonstruktion zur Stabilisierung
  • Achillessehnenbehandlung: Strayer-OP (Wadenmuskel-Verlängerung) bei nachgewiesener relevanter Achillessehnenverkürzung – ein häufig unterschätzter, aber entscheidender Schritt

Typische OP-Schritte bei gelenkerhaltender Korrektur (Stadium III–IV):

Liegen bereits arthrotische Veränderungen der beteiligten Gelenke vor, kommen Versteifungsverfahren zum Einsatz. Häufig ist eine Double-Arthrodese von Talonavikulargelenk und Talocalcaneargelenk die richtige Lösung – sie kann auch sehr schwere Fehlstellungen dauerhaft korrigieren und bietet vielen Patienten eine deutliche Beschwerdebesserung. Zeigt auch das obere Sprunggelenk Veränderungen 8Stadium IV), wird dies bei der Planung berücksichtigt: je nach individuellem Befund kommen eine supramalleoläre Umstellungsosteotomie, eine Sprunggelenkversteifung oder eine OSG-Endoprothese in Betracht.

Typische OP-Schritte bei gelenkerhaltender Korrektur (Stadium I–II):

Die Nachbehandlung nach einer gelenkerhaltenden Knick-Plattfuß-OP folgt einem klaren zeitlichen Ablauf – mit dem Ziel, Knochen, Sehnen und Bänder in der richtigen Reihenfolge zu belasten und Verwachsungen zu vermeiden. Für jeden Patienten erstellen wir einen individuellen Nachbehandlungsplan.

Zeitlicher Ablauf – gelenkerhaltende Korrektur
Woche 1–2: Ruhigstellung und Entstauung  |  Gipsschiene in Neutralposition des oberen Sprunggelenks, vollständige Entlastung. Physiotherapie: Lymphdrainage. DVT-Kontrolle nach ca. einer Woche.
Woche 3–6: Schutz und erste Mobilisierung  |  Zirkulärer Gips oder Longwalker, weiterhin vollständige Entlastung (Unterarmgehstützen oder Rollator). Physiotherapie: vorsichtiger Beginn mit Bewegungsübungen für FHL, FDL und Tibialis posterior – Verklebungen verhindern, noch keine Kräftigung.
Woche 7–8: Belastungsaufbau  |  Schrittweiser Belastungsaufbau im Longwalker – Steigerung um ca. 20 kg pro Woche. Physiotherapie: Fahrradergometer im Longwalker, Koordinations- und propriozeptives Training, erste spezifische Kräftigungsübungen nach Sehnentransfer.
Ab Woche 9: Kontrolluntersuchungen und weiterer Aufbau  |  DVT-Kontrolle unter Belastung (Knochen), MRT-Kontrolle liegend (Sehnen und Bänder). Bei Schmerzfreiheit: Longwalker für kurze Wege zuhause abnehmbar. Physiotherapie: Beginn Leg-Press-Training im Longwalker, Schwimmen im medizinischen Bad ohne Longwalker.

Wie lange dauert es, bis man wieder arbeitsfähig ist? Das hängt stark vom Beruf ab: Wer im Homeoffice arbeitet, ist oft bereits nach 3–4 Wochen wieder tätig. Wer körperlich arbeitet, einen beschwerlichen Arbeitsweg hat oder viel steht, braucht realistisch 12–16 Wochen.

Zur Schwellung sollten Patienten realistische Erwartungen haben: Eine deutliche Rückbildung ist nach 4–6 Monaten zu erwarten – vollständig abgeklungen ist die Schwellung erfahrungsgemäß erst nach bis zu 12 Monaten. Konsequente Lymphdrainage und Kompressionsversorgung in der Nachbehandlungsphase beschleunigen diesen Prozess.

Beim Sport gilt: Schwimmen und Radfahren sind ab etwa 4 Monaten postoperativ wieder möglich. Mannschaftssport und Rückschlagsportarten wie Tennis ist realistisch mit 6 Monaten zu rechnen – je nach Sehnenheilung und individueller Belastbarkeit.

Eine Metallentfernung ist nach gelenkerhaltenden Eingriffen bei schwerem Knick-Plattfuß nicht routinemäßig vorgesehen. Das eingebrachte Osteosynthesematerial verbleibt in der Regel dauerhaft im Knochen und verursacht keine Beschwerden. Nur wenn das Material lokal Probleme bereitet, wird ein zweiter Eingriff zur Entfernung in Betracht gezogen.

Knickfuß und TMT 1 post OP
OP von Dr Böhr bei schwerem Knick Plattfuß varisierende Fersenosteotomie FDL Transfer Pfannenbandplastik und TMT 1 Arthrodese 6 Wochen nach OP

Nachbehandlung nach Arthrodese (Stadium III–IV)

Nach einer Gelenkversteifung – ob als Double-Arthrodese, Triple-Arthrodese oder mit Beteiligung des oberen Sprunggelenks – folgt die Nachbehandlung einem ähnlichen, aber zeitlich etwas längeren Ablauf. Im Vordergrund steht die zuverlässige knöcherne Konsolidierung der versteiften Gelenke, die wir mit DVT-Kontrollen engmaschig überwachen.

Zeitlicher Ablauf – Arthrodese
Woche 1–2  |  Gipsschiene, vollständige Entlastung, Unterarmgehstützen. Physiotherapie: Lymphdrainage und Gangschulung mit vollständiger Entlastung. Engmaschige Wundkontrollen bis zum Fadenzug.
Woche 3–6  |  Zirkulärer Gips oder Longwalker, vollständige Entlastung. Ggf. Kompressionsstrümpfe (KKL 2, unterschenkellang).
Ab Woche 7  |  DVT-Kontrolle hochauflösend. Bei guter Konsolidierung: schrittweiser Belastungsaufbau im Longwalker nach Beschwerdelage bis zur Vollbelastung, dann Abtrainieren des Longwalkers. Physiotherapie: Gangschulung mit Teilbelastung und weiterer Steigerung. Bei verzögerter Konsolidierung: Unterstützung durch fokussierte Stoßwellentherapie, EMTT und ggf. weitere physikalische Verfahren.

Die Arbeitsfähigkeit nach Arthrodese variiert je nach Beruf, Belastung und Arbeitsweg zwischen 3 und 20 Wochen. Patienten sollten wissen, dass die knöcherne Heilung nach Versteifungsoperationen oft mehr Zeit braucht als nach gelenkerhaltenden Eingriffen – und dass die DVT-gestützte Verlaufskontrolle dabei nicht nur Routine ist, sondern die Grundlage für die Entscheidung über den Belastungsaufbau. Insgesamt ist die Nachbehandlung nach gelenkversteifenden Eingriffen (Stadium III – IV) bei Knick-Plattfuß deutlich individueller als bei gelenkerhaltenden Eingriffen (Stadium I-II). Das liegt auch oft daran, dass Patienten im Stadium III-IV deutlich häufiger schwere Begleit- & Nebenerkranknungen aufweisen.

USG Arthrodese 8 Wochen post OP subtotale Kopnsoliderung sagital
OP von Dr Böhr Arthrodese Versteifung des unteren Sprunggelenks 8 Wochen nach der Operation

Sonderfall: Tarsale Coalitio als verkannte Ursache

Nicht jeder schwere Knick-Plattfuß ist erworben. Eine Tarsale Coalitio – eine anlagebedingte, knöcherne oder knorpelige Verbindung zwischen einzelnen Fußwurzelknochen – kann eine schwere Plattfußdeformität von innen heraus verursachen und wird häufig erst nach Jahren als eigentlicher Auslöser erkannt.

Typisch: Patienten mit Tarsaler Coalitio haben oft eine eingeschränkte Beweglichkeit des Rückfußes, Beschwerden bei Gehen auf unebenem Untergrund und eine Schmerzgeschichte, die auf die üblichen Therapien nicht angesprochen hat. Die DVT ist hier das entscheidende diagnostische Werkzeug – sie zeigt die Coalitio als 3D-Befund, oft mit einer Präzision, die MRT oder Röntgen nicht erreichen.

Mehr zur Tarsalen Coalitio als Sonderfall des Plattfußes finden Sie in unserem ausführlichen Artikel: (wir bitten um Entschuldigung – dieser Link ist im Moment in Bearbeitung)

fixierte coalitio talocalcnaneare
DVT Bild aus der Praxis von Dr Böhr ausgedehnte knöcherne Coalito talocalcaneare

Weitere Informationen & nächste Schritte

Im Rahmen unseres Informationsangebots zum schweren Knick-Plattfuß finden Sie vertiefende Artikel zu folgenden Themen:

Tibialis-posterior-Syndrom & PCFD: Ursachen, Stadien und Therapie im Detail

Die ausführliche Seite zum Krankheitsbild, das hinter dem schweren Knick-Plattfuß am häufigsten steckt.

→ Plattfuß: Wann konservativ, wann Operation?

Entscheidungshilfe für Patienten, die sich die Frage stellen: Muss das wirklich operiert werden?

Digitale Volumentomografie (DVT): Moderne Bildgebung an Fuß und Sprunggelenk

Was DVT leistet – und warum klassisches Röntgen für die Plattfuß-OP-Planung nicht ausreicht.

→ Welche Methode bei meiner Plattfuß-OP? Gelenkerhalt vs. Versteifung

Die verschiedenen OP-Schritte verständlich erklärt – für Patienten, die ihre Behandlung verstehen wollen.

→ Nachbehandlung nach Plattfuß-OP

Was erwartet Sie nach der Operation? Krücken, Belastungsaufbau, Rückkehr zum Sport – die häufigsten Fragen.

Häufige Fragen zum schweren Knick-Plattfuß (FAQ)

Wann sollte ich mit einem schweren Knick-Plattfuß zum Spezialisten?

Bei wiederkehrenden Schmerzen hinter oder unter dem Innenknöchel, sichtbarer Veränderung der Fußform, zunehmenden Beschwerden trotz Einlagen oder wenn Sie den Einbein-Zehenstand auf der betroffenen Seite nicht mehr schmerzfrei ausführen können. Je früher eine gründliche Diagnose gestellt wird, desto mehr Therapieoptionen stehen offen.

Kann ich als Patient von außerhalb Berlin zu Ihnen kommen?

Ja – ein erheblicher Teil unserer Patienten mit schwerem Knick-Plattfuß reist aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland an. Die Praxis ist auf überregionale Patienten eingerichtet: Alle wesentlichen Untersuchungen können im Rahmen des ersten Termins stattfinden, und wir planen die DVT wenn nötig unmittelbar im Anschluss an das Erstgespräch. Kostenlose Parkplätze und eine gute Anbindung an den ÖPNV stehen zur Verfügung.

Meine Familie hat viele Betroffene – bin ich zwangsläufig auf eine Operation angewiesen?

Nicht zwangsläufig. Genetische Veranlagung bedeutet ein erhöhtes Risiko für eine schwere Fehlstellung – aber nicht für jeden Betroffenen das gleiche Ausmaß und nicht den gleichen Verlauf. Entscheidend ist, in welchem Stadium die Erkrankung erkannt wird und wie konsequent behandelt wird. In Stadium I gelingt es oft, die Sehnenfunktion dauerhaft zu stabilisieren. Wer in einem Risiko-Umfeld lebt, sollte Veränderungen am Fuß früher, nicht später abklären lassen.

Sind Kortison-Spritzen beim Knick-Plattfuß sinnvoll?

Nein – und das ist einer der wichtigsten Punkte in der Behandlung des Tibialis-posterior-Syndroms. Kortison-Injektionen in die Sehnenregion können die bereits vorgeschädigte Sehne weiter schwächen und das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen. Wie bei der Plantarfasziitis gilt auch hier: Kortison ist kontraindiziert.

Lohnt sich eine Spezialpraxis für diese Diagnose – oder reicht ein niedergelassener Orthopäde?

Bei unkomplizierter Fußfehlstellung ohne Sehnenbeteiligung ist eine allgemeinorthopädische Betreuung oft ausreichend. Sobald aber eine Tibialis-posterior-Insuffizienz vorliegt, Beschwerden trotz konservativer Therapie fortschreiten oder eine operative Therapie absehbar wird, lohnt sich die Einschätzung durch einen auf Fußchirurgie spezialisierten Arzt. Die Kombination aus DVT-gestützter Diagnostik, PCFD-Klassifikation und Erfahrung mit allen Stadien dieser Erkrankung ermöglicht eine Therapieplanung, die so in einer Allgemeinpraxis nicht möglich ist.

Was kostet ein Termin in Ihrer Privatpraxis?

Die Praxis ist eine Privatpraxis – die Abrechnung erfolgt streng nach den Regeln der GOÄ. Private Krankenversicherungen und Beihilfe übernehmen die Kosten in der Regel vollständig. Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung sind als Selbstzahler willkommen; sprechen Sie uns gerne vor dem Termin auf die zu erwartenden Kosten an.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Fußbeschwerden mehr sind als ein normaler Knick-Senkfuß – oder wenn Sie nach Jahren mit Einlagen das Gefühl haben, dass eine grundlegendere Analyse überfällig ist: Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist. 20-30 Minuten mit Ihrem Fußspezialisten persönlich, eine vollständige klinische Untersuchung und eine klare Einschätzung Ihrer Situation. Ohne Umwege über Assistenzärzte.

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