Tibialis-posterior-Syndrom: Warum Schmerzen am Innenknöchel Warnsignale für einen Plattfuß sind

Haben Sie bemerkt, dass die Innenseite Ihres Fußes nach längeren Spaziergängen anschwillt oder schmerzt? Viele Betroffene deuten Schmerzen hinter dem Innenknöchel zunächst als harmlose Überlastung. Doch oft steckt ein Tibialis-posterior-Syndrom dahinter. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende Degeneration der wichtigsten Sehne für die Stabilität Ihres Fußgewölbes. Wird das nicht frühzeitig behandelt, kann sich daraus ein schmerzhafter, erworbener Plattfuß (Pes planovalgus) entwickeln. Als Spezialist für Fußchirurgie in Berlin sehe ich täglich, wie entscheidend die Früherkennung ist, um eine Operation zu vermeiden.

Experte für TIbialis Posterior Syndrom und pes planovalgus mit Privatpraxis in Berlin

Die Tibialis-posterior-Sehne: Der Hauptstützpfeiler Ihres Fußes

Um zu verstehen, warum das Syndrom so weitreichende Folgen hat, muss man die Anatomie betrachten. Die Sehne des Musculus tibialis posterior verläuft vom Unterschenkel hinter dem Innenknöchel bis zur Fußwurzel.

  • Der Hauptstützpfeiler: Sie ist das wichtigste dynamische Element, das Ihr Längsgewölbe aufrecht hält.
  • Die Hebelwirkung: Bei jedem Schritt sorgt sie dafür, dass der Fuß beim Abstoßen stabil bleibt und nicht nach innen wegknickt.
  • Der Stoßdämpfer: Sie dämpft die Kräfte ab, die beim Auftreten auf den Fuß wirken.
Anatomische Darstellung der Tibialis posterior Sehne am Innenknöchel zur Stützung des Fußgewölbes

Wenn die Sehne ihre Spannung verliert, sinkt das Gewölbe ab. Man spricht medizinisch von einer Sehneninsuffizienz, die unbehandelt zu einer dauerhaften Fehlstellung des gesamten Rückfußes führt.

Auf einen Blick: Was ist das Tibialis-posterior-Syndrom?

  • Definition: Eine schmerzhafte Funktionsschwäche oder Degeneration der Sehne, die das Fußlängsgewölbe stützt.
  • Häufigste Ursache: Chronische Überlastung, oft begünstigt durch einen bereits bestehenden Senkfuß oder instabiles Schuhwerk.
  • Leitsymptom: Belastungsschmerz unmittelbar hinter und unter dem Innenknöchel.
  • Folge bei Nichtbehandlung: Ein schleichendes Absinken des Fußgewölbes bis hin zum „erworbenen Plattfuß“ des Erwachsenen.
  • Wichtigster Frühtest: Der sog. Single-Heel-Rise-Test (Einstands-Zehenspitzenstand). Gelingt dieser nicht schmerzfrei, ist die Sehne gefährdet.

Der Selbsttest vor dem Spiegel: Das „Too many toes“-Zeichen

in sehr verlässlicher Hinweis auf ein fortgeschrittenes Tibialis-posterior-Syndrom ist das sogenannte „Too many toes“-Zeichen (zu viele Zehen). Diesen Test können Sie ganz einfach zu Hause durchführen:

So gehen Sie vor: Stellen Sie sich barfuß mit dem Rücken vor einen großen Spiegel oder bitten Sie jemanden, ein Foto von Ihren Fersen zu machen, während Sie normal und entspannt stehen.

  • Der Normalbefund: Von hinten betrachtet sieht man normalerweise nur den Außenrand des Fußes und vielleicht die kleine Zehe.
  • Das Warnsignal: Wenn die Tibialis-Sehne nachgibt, knickt der Rückfuß nach innen und der Vorfuß weicht nach außen ab. Im Spiegel sehen Sie dann an der Außenseite plötzlich zwei, drei oder mehr Zehen hervorlugen.

Erscheint Ihr Fuß von hinten „breiter“ und sehen Sie mehr Zehen als üblich? Dann hat das Absinken des Gewölbes bereits begonnen.

Der schleichende Prozess: Die 4 Stadien nach Johnson und Strom

In der Fußchirurgie nutzen wir die etablierte Klassifikation nach Johnson und Strom, um genau zu bestimmen, wie weit die Degeneration der Tibialis-posterior-Sehne fortgeschritten ist. Für Sie als Patient ist diese Einteilung der wichtigste Kompass für die Behandlung.

Stadium I: Die schmerzhafte Entzündung

Die Sehne ist gereizt und entzündet (Tenosynovitis), hat aber noch ihre volle Länge und Kraft.
Symptom: Schwellung und Schmerz am Innenknöchel.
Fußform: Noch kein Absinken des Gewölbes.

Stadium II: Die Sehneninsuffizienz (Der flexible Plattfuß)

Die Sehne ist verlängert oder teilweise eingerissen. Sie kann den Fuß nicht mehr stützen.
Symptom: Der Einbein-Zehenstand ist erschwert oder unmöglich.
Fußform: Das Gewölbe sinkt ab, der Fuß knickt nach innen (Knick-Senkfuß). Die Fehlstellung ist jedoch flexibel und lässt sich korrigieren.

Stadium III: Der fixierte Plattfuß

Die Fehlstellung besteht schon so lange, dass sich die Gelenke der Fußwurzel verändert haben.
Symptom: Die Schmerzen wandern oft zur Fußaußenseite.
Fußform: Der Plattfuß ist steif (fixiert). Eine Korrektur von Hand ist nicht mehr möglich.

Stadium IV: Beteiligung des Sprunggelenks

Zusätzlich zum Plattfuß ist nun auch das obere Sprunggelenk betroffen (Instabilität oder Arthrose).
Symptom: Massive Einschränkung der Gehfähigkeit.
Fußform: Die Fehlstellung betrifft nun die gesamte Achse des Beins

Warum die Stadien-Einteilung für Sie wichtig ist

Die Johnson & Strom Klassifikation auf einen Blick:

  • Stadium I & II: Hier stehen die Chancen für eine konservative Heilung (ohne OP) durch spezialisierte Einlagen und Stoßwellentherapie sehr gut
  • Stadium III & IV: Hier sind meist rekonstruktive operative Eingriffe notwendig, um die schmerzfreie Beweglichkeit wiederherzustellen.
  • Wichtig für Sie als Patient: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto sanfter ist der Weg zurück zur Belastbarkeit.

Fazit: Handeln, bevor die Statik kippt

Das Tibialis-posterior-Syndrom ist kein Schicksal, das zwangsläufig im operativen Eingriff endet. Die Krux liegt in der Zeit. In meiner Privatpraxis in Berlin legen wir größten Wert auf eine präzise Diagnostik mittels hochauflösendem Ultraschall und klinischer Funktionsprüfung, um genau festzustellen, in welchem Stadium sich Ihre Sehne befindet.

Ignorieren Sie ziehende Schmerzen am Innenknöchel nicht. Ein frühzeitiger Check schützt Sie vor dem dauerhaften Absinken des Fußgewölbes.

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