Sind Zehenspreizer bei Hallux Valgus sinnvoll?

Kurzantwort: Zehenspreizer können bei Hallux Valgus kurzfristig Druckschmerzen lindern – zur dauerhaften Therapie sind sie jedoch nicht geeignet. Langfristig kann das Tragen sogar die Kleinzehen schädigen. Individuell angepasste Einlagen sind deutlich wirksamer.

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk von Dr. Stefan Böhr in Berlin sehen wir sehr viele Patienten mit schmerzhaftem Hallux Valgus. Die schmerzhafte „krumme Großzehe“ ist weit verbreitet und kann schon in jungen Jahren beginnen. Einige Patienten versuchen mit einem Zehenspreizer das Problem in den Griff zu bekommen. Aber ist das auf Dauer sinnvoll?

Durch Zehenspreizer wird in manchen Fällen die Reibung mit den Nachbarzehen gemindert, es kommt aber unverändert zum Druck der Großzehe in Richtung der Nachbarzehen. Wird der Zehenspreizer über längere Zeit getragen, tritt oft eine zusätzliche Schiefstellung der Nachbarzehen ein – es kann sogar zur Verschlimmerung kommen. Durch das dauerhafte Tragen von Zehenspreizern können die Kleinzehen also erheblichen Schaden nehmen.

Aus den genannten Gründen haben Zehenspreizer in unserem Therapieregime keine Platz. Wir empfehlen unseren Patienten in der Regel keine Zehenspreizer zu tragen.

Sind Zehenspreizer also grundsätzlich unbrauchbar?

Nein! Als kurzfristige Hilfe haben sie durchaus eine Berechtigung. Bei akuten Schmerzen oder Druckstellen kann ein für wenige Tage eingesetzter Zehenspreizer sehr effektiv Abhilfe schaffen.

Zur dauerhaften Therapie des Hallux Valgus sind Zehenspreizer jedoch nicht geeignet. Denn die Ursache der Problematik wird nicht behoben, sondern das Problem auf die kleinen Zehen verschoben. Um eine dauerhafte und sinnvolle Behandlung des Hallux Valgus zu erreichen, empfehlen wir das vertrauensvolle Gespräch und die ärztliche Analyse mit einem Spezialisten für Fuß- und Sprunggelenk.

Zehenspreizer bei Hallux Valgus sind meist nutzlos
Zehenspreizer aus Silikon zur Schmerzreduktion bei Druckstellen aufgrund einer Hallux Valgus Fehlstellung.
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In unserer Privatpraxis bieten wir Ihnen eine persönliche Betreuung und umfassende Erfahrung in der konservativen und operativen Therapie rund um das Thema Hallux Valgus. Sie erreichen uns telefonisch 030 – 34 39 59 47 oder direkt per Mail: anmeldung@ortho-pede.de.

Wir freuen uns auf Sie! Ihr Team vom Zentrum für Fuß und Sprunggelenk von Dr. Stefan Böhr in Berlin

Helfen Einlagen und Zehenspreizer gleich gut?

Zehenspreizer können durch die Kraftübertragung auf die Kleinzehen zu einer dauerhaften Verschlimmerung der Beschwerden bei Hallux Valgus führen. Vor allem die Hersteller von Zehenspreizern verweisen immer wieder auf die nachweisbaren positiven Effekte der Zehenspreizer. Und es stimmt: Zehenspreizer können vor allem kurzfristig die Problematik bei Hallux Valgus verbessern.

Beim direkten Vergleich der Wirkung von Zehenspreizern mit passiven orthopädischen Einlagen sind die Zehenspreizer aber unterlegen. Die Druckverteilung im Bereich der Fußsohle wird mit Zehenspreizern etwas besser – individuell angepasste passive Einlagen zeigen jedoch einen deutlich besseren Effekt (Dissaneewate T, et al., FAS 2022). Eine dauerhaft verbesserte Druckverteilung ist bei vielen Hallux Valgus Patienten wichtiger Bestandteil der Therapie.

Kurzfristig können auch Zehenspreizer die Beschwerden reduzieren

Viele Patienten sind verunsichert, für welche Therapieoption Sie sich entscheiden sollen. Denn über den Zeitraum von wenigen Tagen bis Wochen können auch Zehenspreizer die Probleme bei Hallux Valgus verbessern. Außerdem kann es auch bei passiven Einlagen, je nach Bauart und Sorgfalt in der Ausführung, immer wieder zu Problemen kommen. In so einem Fall empfehlen wir die Vorstellung bei einem Fußspezialisten, um die Ursache der Probleme zu analysieren und Abhilfe schaffen zu können.

Für die dauerhafte und langfristige Anwendung sind Zehenspreizer bei Hallux Valgus aus unserer Sicht ungeeignet.

Häufige Fragen (FAQ)

Können Zehenspreizer einen Hallux Valgus dauerhaft korrigieren?

Nein. Zehenspreizer verändern die Ursache der Fehlstellung nicht. Die Großzehe weicht weiterhin ab, der Druck wird lediglich auf die Nachbarzehen verlagert. Eine dauerhafte Korrektur ist nur durch konservative Maßnahmen mit korrekter Indikation oder – bei ausgeprägter Fehlstellung – durch eine Operation möglich.

Wann ist ein Zehenspreizer ausnahmsweise sinnvoll?

Bei akuten Druckstellen oder Schmerzen zwischen den Zehen kann ein Zehenspreizer für wenige Tage kurzfristig entlasten. Diese begrenzte Anwendung ist medizinisch vertretbar – das dauerhafte Tragen hingegen nicht.

Sind Einlagen besser als Zehenspreizer?

Ja, deutlich. Individuell angepasste passive Einlagen zeigen bei der Verbesserung der Druckverteilung unter der Fußsohle signifikant bessere Ergebnisse als Zehenspreizer (Dissaneewate T, et al., FAS 2022). Zudem greifen Einlagen an der eigentlichen Ursache der Beschwerden an.

Können Zehenspreizer die Beschwerden verschlimmern?

Ja. Bei dauerhaftem Tragen überträgt der Zehenspreizer Druck auf die Kleinzehen und kann dort zu zusätzlichen Fehlstellungen führen. In unserer Praxis sehen wir regelmäßig Patienten, bei denen durch zu langes Tragen von Zehenspreizern ein Schaden an den Nachbarzehen entstanden ist.

Was sollte ich stattdessen tun?

Primär: geeignetes Schuhwerk mit weicher Sohle und ausreichend Platz für alle Zehen. Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen wir eine Abklärung beim Fußspezialisten, um die Ursache der Fehlstellung zu bestimmen und ein individuelles Therapiekonzept mit Einlagen, Kinesiotaping oder weiteren Maßnahmen zu entwickeln.

Fazit

Zehenspreizer sind kein Therapiemittel, sondern allenfalls eine kurzfristige Notlösung. Wer dauerhaft beschwerdefrei sein möchte, braucht eine Diagnose, die die eigentliche Ursache des Hallux Valgus aufdeckt – und ein Behandlungskonzept, das dort ansetzt.

Den vollständigen Überblick zu Ursachen, Diagnostik und Behandlung finden Sie hier: Hallux Valgus – die krumme Großzehe richtig behandeln

Medizinisch geprüft von: Dr. Stefan Böhr, Ärztlicher Leiter und Inhaber vom Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin
Letzte Aktualisierung: 17.02.2020
Letzte Überprüfung: 04.03.2026