Hallux Valgus interphalangeus – ein kleines Problem mit guten Lösungen

Kurzantwort: Der Hallux Valgus interphalangeus ist eine angeborene Achsabweichung im Grundglied der Großzehe – häufig, oft unerkannt und meist gut behandelbar. In leichten Fällen genügt eine Schuhkorrektur, bei ausgeprägten Beschwerden hilft ein kleiner minimalinvasiver Eingriff (Akin-Osteotomie). Häufig wird die Fehlstellung gemeinsam mit einer Hallux-Valgus-Korrektur mitoperiert.

Hallux Valgus interphalangeus ist eine sehr häufige, angeborene Fehlstellung der Großzehe. Je nach Abstammung sind bis zu 68% der Bevölkerung davon betroffen (Strydom et al., FAS 2017). Diese Fehlstellung ist eine Achsabweichung des Knochens im Grundglied der Großzehe – also zwischen dem Großzehenballen und dem Endglied der Großzehe.

Betroffene Patienten berichten neben der kosmetischen Problematik zusätzlich von Druckstellen, Schmerzen und Entzündung zwischen Großzehe und der Nachbarzehe. In ausgeprägten Fällen entsteht durch den dauerhaften Druck ein eingewachsener Zehennagel – der Unguis incarnatus. Spätestens jetzt sollte man sich an einen Spezialisten wenden, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Probleme bei Hallux Valgus et interphalangeus und Unguis incarnatus an der Großzehe
Typische Prolemstelle bei Hallux Valgus interphalangeus und eingewachsenem Zehennagel. Durch den wiederkehrenden Druck und die Entzündung können schon kleinste Berührungen sehr schmerzhaft sein. Copyright: staras via shutterstock

Untersuchung bei Hallux Valgus interphalaneus

Oft kann der Hallux Valgus Interphalangeus durch einen Fußspezialisten bereits mit einem Blick diagnostiziert werden. Muss das genaue Ausmaß der Fehlstellung untersucht werden, sollten Röntgenbilder des Fußes im stehen angefertigt werden. Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk nutzen wir dafür die moderne Technik der Digitalen Volumentomografie. So kann analysiert werden, wie die Knochen der Großzehen in Relation zu den anderen Zehen positioniert sind und ob zukünftig mit einer Verschlimmerung zu rechnen ist.

Operation bei Hallux Valgus interphalangeus?

Die alleinige Hallux Valgus Interphalangeus Fehlstellung ist selten problematisch, kann jedoch in ausgeprägten Fällen zu einem mechanischen Konflikt zwischen der Großzehe und der kleineren Nachbarzehe führen. Dann reiben die beiden Zehen aneinander und verursachen Entzündung, Druckstellen und Schmerzen. Vor allem für Kinder und hochbetagte Patienten kann so erheblicher Leidensdruck entstehen. In diesen Fällen kann ein kleiner operativer Eingriff das Problem fast immer lösen (Akin-Osteotomie). Auch rein kosmetische Probleme können mit dieser Methode sehr gut korrigiert werden.

Sehr viel häufiger wird die Hallux Valgus Interphalangeus Fehlstellung zusammen mit einer Hallux Valgus Korrektur operiert. Denn die zusätzliche operative Therapie der Hallux Valgus Interphalangeus Fehlstellung führt zu einer besseren Korrektur der Hallux Valgus Deformität und besserer Beibehaltung des OP-Ergebnisses (Kaufmann G. et al., J Orthop Surg Res., 2019).

In unserem Zentrum bevorzugen wir eine minimalinvasive Technik zur Korrektur des Hallux Valgus Interphalangeus. Dabei kann über einen sehr kleinen Hautschnitt die komplette Fehlstellung korrigiert werden. Insbesondere bei Kindern und älteren Patienten hat sich diese Technik bewährt.

Druckstellen zwischen der Großzehe und Ihrer Nachbarzehe sind jedoch nicht immer einer Hallux Valgus Interphalangeus Fehlstellung geschuldet. Regelmäßig sehen wir trotz Druckstellen und Schmerzen nur eine sehr gering ausgeprägte Fehlstellung. Dann ist bei der Ursachensuche oft eine kritische Analyse der Schuhe des Patienten hilfreich.

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Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Hallux Valgus und Hallux Valgus interphalangeus?

Beim klassischen Hallux Valgus liegt die Fehlstellung im ersten Mittelfußknochen – das Grundgelenk der Großzehe weicht seitlich ab. Beim Hallux Valgus interphalangeus ist dagegen der Knochen im Grundglied der Großzehe selbst schief angelegt. Beide Fehlstellungen können gleichzeitig vorliegen und werden häufig gemeinsam operiert.

Wie häufig ist der Hallux Valgus interphalangeus?

Sehr häufig – je nach Abstammung sind bis zu 68% der Bevölkerung betroffen (Strydom et al., FAS 2017). Die meisten Betroffenen haben keine Beschwerden und bemerken die Fehlstellung nicht.

Wann verursacht ein Hallux Valgus interphalangeus Beschwerden?

Wenn die Großzehe durch die Achsabweichung gegen die Nachbarzehe drückt, entstehen Druckstellen, Schmerzen und Entzündungen. In ausgeprägten Fällen kann auch ein eingewachsener Zehennagel (Unguis incarnatus) entstehen. Vor allem enge Schuhe verstärken die Probleme.

Wie wird ein Hallux Valgus interphalangeus operiert?

In unserem Zentrum bevorzugen wir die minimalinvasive Akin-Osteotomie: Über einen sehr kleinen Hautschnitt wird der Knochen im Grundglied keilförmig korrigiert. Der Eingriff ist gut verträglich und bewährt sich besonders bei Kindern und älteren Patienten.

Muss der Hallux Valgus interphalangeus immer operiert werden?

Nein. Bei milden Formen ohne wesentliche Beschwerden genügt oft eine kritische Schuhanalyse und Anpassung des Schuhwerks. Eine Operation ist sinnvoll, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Fehlstellung erheblichen Leidensdruck verursacht.

Fazit

Der Hallux Valgus interphalangeus wird häufig übersehen – dabei lässt er sich mit einem kleinen Eingriff sehr effektiv korrigieren. Eine gründliche Diagnostik, idealerweise mit DVT, gibt Aufschluss über das genaue Ausmaß der Fehlstellung und hilft, die richtige Therapieentscheidung zu treffen.

Den vollständigen Überblick zu Hallux Valgus, Diagnostik und Behandlungsoptionen finden Sie hier: Hallux Valgus – die krumme Großzehe richtig behandeln

Medizinisch geprüft von: Dr. Stefan Böhr, Ärztlicher Leiter und Inhaber vom Zentrum für Fuß & Sprunggelenk in Berlin
Letzte Aktualisierung: 22.12.2019
Letzte Überprüfung: 04.03.2026