Die Architektur des Fußes korrigieren: Gelenkerhaltende operative Lösungen beim Plattfuß
Wenn konservative Maßnahmen wie Einlagen, Stoßwellentherapie oder gezieltes Training nicht mehr ausreichen, um die Schmerzen zu lindern, bietet die moderne Fußchirurgie hocheffektive Lösungen. Solange der Fuß noch flexibel ist, haben wir die Chance, die Statik durch gezielte knöcherne Korrekturen so zu verändern, dass die Gelenke langfristig erhalten bleiben und eine spätere Versteifung vermieden wird.
In meiner Berliner Privatpraxis betrachten wir den Fuß als ein komplexes Bauwerk. Wenn das Fundament (die Knochen) nicht mehr stimmt, muss die Statik korrigiert werden, um die Weichteile (die Sehnen) dauerhaft zu entlasten.
Die gelenkerhaltende Rekonstruktion
- Ziel: Wiederherstellung eines stabilen Fußgewölbes und Entlastung der Tibialis-posterior-Sehne
- Verfahren: Kombination aus knöcherner Umstellung (Osteotomie) und Sehnenverstärkung (FDL-Transfer)
- Vorteil: Erhalt der vollen Beweglichkeit im Fußgelenk und Schutz vor frühzeitiger Arthrose
- Nachsorge: Individuelles Schema mit 6–8 Wochen im Longwalker
Das Fundament richten: Knöcherne Korrekturen (Osteotomien)
Um die Tibialis-posterior-Sehne nachhaltig zu entlasten, müssen wir die mechanische Achse des Fußes korrigieren. Je nach individuellem Befund kombinieren wir verschiedene Verfahren wie Bausteine:
- MDO (Medialisierende Calcaneus-Osteotomie): Hierbei wird das Fersenbein kontrolliert verschoben, um das Körpergewicht wieder zentral über den Fuß zu leiten.
- Evans-Osteotomie: Durch eine Verlängerung der Außenkante holen wir den nach außen abweichenden Vorfuß zurück in die Spur.
- Cotton-Osteotomie: Eine gezielte Korrektur an der Fußwurzel sorgt dafür, dass das abgesunkene Längsgewölbe wieder aktiv aufgerichtet wird.
Welche Bausteine genau und in welchem Ausmaß für Ihren individuellen Fall sinnvoll und notwendig sind, analysieren und entscheiden für anhand aktueller DVT und MRT Bildgebung bei einem ausführlichen Gespräch in unserer Privatpraxis.
Die biologische Verstärkung: Der FDL-Sehnentransfer
Da die Tibialis-posterior-Sehne bei chronischen Beschwerden oft schon erhebliche strukturelle Schäden aufweist, verstärken wir sie durch eine Nachbarsehne, die sogenannte FDL-Sehne (lange Zehenbeugersehne).
Keine Angst vor Funktionsverlust: Dies ist die häufigste Frage meiner Patienten: „Fehlt mir diese Sehne dann nicht an anderer Stelle?“ Die Antwort lautet: Nein. Die FDL-Sehne unterstützt normalerweise das Beugen der kleinen Zehen. Da diese Aufgabe jedoch von anderen Muskeln und Sehnen im Fuß mit übernommen wird, bemerken Patienten nach der Heilungsphase im Alltag so gut wie keinen Unterschied. Die Kraft beim Abstoßen und die Beweglichkeit der Zehen bleiben fast unverändert erhalten. Der große Vorteil überwiegt bei weitem: Sie erhalten eine frische, kräftige Sehne, die die Stabilität Ihres Gewölbes wieder verbessert.
Ob im individuellen Fall tatsächlich ein FDL-Sehnentransfer erforderlich ist, entscheidet sich bei vielen unserer Operationen erst bei der Operation selbst: unter direkter Sicht und Funktionsprüfung der Sehne kann ihr Spezialist Dr. S. Böhr für Ihren Fall die richtige Entscheidung treffen.
Der Weg zurück: Ihre individuelle Nachbehandlung
Ein operativer Eingriff dieser Art erfordert eine sorgfältig geplante und organisierte Heilungsphase. In unserer Praxis erhalten Sie keine Standardlösung, sondern ein individuell auf Ihre spezifische OP abgestimmtes Nachbehandlungsschema.
Damit Sie planen können, dient folgender grober Zeitrahmen als Orientierung:
- Die erste Phase (ca. 6–8 Wochen): In dieser Zeit ist das Tragen eines speziellen Entlastungsstiefels (Longwalker) erforderlich. Dies schützt die umgestellten Knochen und lässt die neue Sehne sicher an ihrem neuen Platz anwachsen. Bereits in dieser Phase kann gezielte Physiotherapie beginnen.
- Die Aufbauphase: Sobald die knöcherne Heilung stabil ist, beginnen wir mit intensivem Training, unterstützt durch spezialisierte Physiotherapie.
Fazit: Ein neues Fundament für Ihre Mobilitä
Eine rechtzeitige Operation ist kein „letzter Ausweg“, sondern eine Investition in Ihre lebenslange Gehfähigkeit. Indem wir die Architektur Ihres Fußes korrigieren, bevor die Gelenke Schaden nehmen, schaffen wir die Voraussetzung für einen schmerzfreien und aktiven Alltag.
Sind Sie unsicher, ob Ihre aktuelle Therapie noch ausreicht? Lassen Sie uns in einem Beratungsgespräch klären, ob eine gelenkerhaltende Rekonstruktion Ihr Fundament wieder stabilisieren kann.
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